Kultur

Tocotronic: Die goldenen Jahre sind jetzt

07.07.2025 • 10:40 Uhr
Tocotronic
Sänger Dirk von Lowtzow setzt auf die antifaschistische Kraft der Liebe. Furxer

Die Hamburger Band Tocotronic beehrte die Feldkircher Poolbar und spielte sich Open Air durch drei Dekaden ihrer Bandgeschichte.

Wer Tocotronic kennt, weiß: Diese Band hat ein breites Spektrum an rebellischen, aber auch melancholischen und traurigen Texten auf Lager. Der erste Song „Der Tod ist nur ein Traum“ stammte von ihrem aktuellen Album „Golden Years“ und war eher auf der melancholisch nachdenklichen Seite angesiedelt. Sehr schnell lieferten sie aber auch ihre aktuellen Kracher „Bleib am Leben“ oder „Sie wissen, was sie tun“ nach. Letzterer besingt eine antifaschistische Einstellung in Liedform gegossen, die in seiner Klarheit und Einfachheit nicht viele Entsprechungen im deutschsprachigen Raum findet.

Tocotronic
Furxer

Die Lösung ist so überraschend wie einfach: Wir sollen unsere Feinde küssen. Es ist ein abgewandeltes Zitat von „Küsst die Faschisten, wo ihr sie trefft“, von Kurt Tucholsky aus dem Jahr 1931 und kein biblischer Judaskuss, darauf legt Sänger Dirk von Lowtzow wert.

Tocotronic
Bassist Jan Müller. Furxer

Herzzeichen

„Wechselbad der Gefühle“, so lautet das diesjährige Motto der Poolbar. Die Liedauswahl wogte ebenfalls wie ein Wechselbad hin und her. Tocotronic können dabei mit ihren Hits aus dem vollen Schöpfen und das taten sie an diesem Abend auch. „Let There Be Rock“ war ein aufgelegter Höhepunkt, mit „Ich hasse es hier“ kam ein unbekannterer Song und die destruktive Ader der Band zum Ausdruck. Nichtsdestotrotz: Das Herzzeichen, geformt mit beiden Händen, wurde an diesem Abend zur Marke von Dirk von Lowtzow.  Sein treues Publikum dankte es ihm.

Tocotronic
Tour-Gitarrist Felix Gebhard. Furxer

Punk und gut Laune

Der letzte Teil des Konzerts war dem Punk gewidmet. Spätestens da war Schluss mit der Philosophiestunde und es ging straight ahead. Bassist Jan Müller und Schlagzeuger Arne Zank hauten sich wie eh und je ins Zeug, verstärkt durch den gut aufspielenden Livegitarristen Felix Gebhard. Auch wenn die vielen Erklärungen zu den Songs nicht immer nötig gewesen wären, dieses Mal schafften sie den fiktiven Abschluss der Matura auf der Hamburger Schule mit einem ausgezeichneten Erfolg. Eröffnet wurde der Abend unter freiem Himmel von der Feldkircher Band Wilard, die mit ihrem Indie-Pop/Rock für gute Laune sorgten.

Daniel Furxer