Kultur

Festspielhaus im Klangrausch

23.02.2026 • 15:42 Uhr
Meisterkonzert Opéra Orchestre National Montpellier
Cellist Hornung, Dirigent Cox und das Opéra Orchestre National Montpellier im Festspielhaus. Mittelberger

Unter der Leitung von Roderick Cox zeigte das Orchester aus Montpellier große dynamische Bandbreite und klangliche Raffinesse.

Musik aus seiner amerikanischen Heimat brachte Dirigent Roderick Cox gemeinsam mit dem deutschen Cellisten Maximilian Hornung zum Bregenzer Meisterkonzert, im zweiten Teil beschenkte das Orchester aus dem südfranzösischen Montpellier das Publikum im Festspielhaus mit sonnendurchglühter Musik von Debussy und Ravels Apotheose des Wiener Walzers.

Meisterkonzert Opéra Orchestre National Montpellier
Mittelberger

Starke Dynamik

Mit John Adams und seiner Fanfare „Short ride in a fast machine“ pustete das groß mit Bläsern und reichlich Schlagwerk und dem entsprechend großen Streicherapparat besetzte Opéra Orchestre National Montpellier die Gehörgänge frei: der treibende Puls und die Synkopen, die starke Dynamik  und die fauchenden Explosionen zum Schluss spiegelten sich in der präzisen Körpersprache des großgewachsenen Dirigenten, der seit vergangener Saison Musikdirektor des französischen Orchesters ist, 2018 mit dem Sir Georg Solti Conducting Award ausgezeichnet wurde und sich intensiv für die Förderung junger nicht-weißer Musikerinnen und Musiker einsetzt.

Meisterkonzert Opéra Orchestre National Montpellier
Mittelberger

In seiner spielerisch kecken Beweglichkeit des ersten Satzes scheint das Cellokonzert von Samuel Barber aus der Musik von John Adams herauszuwachsen, andererseits bietet es große Kontraste. Maximilian Hornung, der 40-jährige Cellist aus Augsburg, der oft in der Region gastiert, gestaltet die kleinteiligen, in sich kreiselnden Motive mit einem hellen, durchsichtigen Klang. In seinem alle Register verbindenden Solo kommuniziert er intensiv mit dem Dirigenten und den Orchestersolisten, in Phrasierung und Tongebung begibt er sich voll hinein ins Geschehen. Der Mittelsatz ist ein weich schwingendes Siciliano in einem traumverlorenen Dialog mit dem Solooboisten, zu dem sich immer mehr Instrumente in fließendem Atem dazu mischen. Im sprühenden Finale gibt es erfrischende Akzente und jazzig synkopierte Rhythmen, bis hin zu einem breiten Aufschwung mit sich hochschraubenden Klängen. Schön, dass man dieses hierzulande selten zu hörende Werk hier kennenlernen konnte! Zum Dank verabschiedete sich Hornung mit dem leichthändig musizierten Präludium aus der ersten Cellosuite von J.S. Bach.

Meisterkonzert Opéra Orchestre National Montpellier
Mittelberger

Wind und Wasser

Claude Debussys drei symphonische Skizzen „La Mer“ bringen auf unvergleichliche Art das südliche Licht und das Spiel von Wind und Wasser in den Konzertsaal. Auch wenn der Komponist den Ausdruck „Impressionismus“ für seine Musik ablehnte, denken wir doch an die hingetupften Gemälde seines Landsmanns und Zeitgenossen Claude Monet. Roderick Cox und sein Orchester lassen am Werden des Klangs und der Farben teilhaben, wenn sich die Sonne in der Morgendämmerung über das Wasser erhebt. Holzbläser und zwei Harfen schaffen die Grundierung, das Englischhornsolo und die Blechbläser erweitern den Klang. Als feines, obertonreiches Glitzern gestaltet Cox das „Spiel der Wellen“ im Mittelsatz, bevor im „Dialog von Wind und Meer“ die Gegensätze verschärft werden.

Geheimnissvoll raunende Klänge

So kurz nach Faschingsende hat man die Walzer tanzenden Paare noch gut vor sich. Maurice Ravel hat seinen „La Valse“ als Apotheose des Wiener Walzers gesehen, zugleich aber als Abgesang auf eine mit dem ersten Weltkrieg untergegangene Zeit. Roderick Cox und das Orchester aus Montpellier betonen die geheimnisvoll raunenden Klänge, lassen sich mitreißen vom opulenten Treiben, das zuletzt allein sieben Schlagwerker anfachen. Wenn das nicht eine Musik ist, die den Winter vertreiben könnte…!

Katharina von Glasenapp