Kultur

Jazzambach zeigt internationale Klasse

23.02.2026 • 16:06 Uhr
Jazz AmBach
David Helbock spielt den Bösendorfer wie ein Percussion-Instrument. Furxer

Von melancholischen Trompetenlinien bis zu packenden Saxofon-Duellen reichte die musikalische Palette am Freitag beim Festival Jazzambach.

Bei der „act music night“ beim Jazzambach Festival überzeugten am Freitag beide Formationen mit unterschiedlichen Jazz-Interpretationen. Eine träumerische, verspielte Nachtmusik traf auf quirlige Jazzläufe.

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Julia Hofer am Cello. furxer

Verstehen sich blind

Der Vorarlberger Jazzmeister und Organisator des Festivals, David Helbock (am Piano), und der Jazz-Shootingstar Julia Hofer (am Cello und am E-Bass) präsentierten an diesem Abend ihr aktuelles Album „Faces Of Night“. Der Titel verrät es bereits: Die Stücke loten die vielen Varianten der Nacht aus, vom träumerischen Nachtlied bis zum tanzbaren Funksong. Kompositionen von David Helbock wechselten sich mit Covers von Klassik bis Jazz ab. Helbock bestach durch sein virtuoses Spiel am Klavier in Kombination mit seiner Signature-Fähigkeit, den Bösendorfer in ein Percussion-Instrument zu verwandeln. Nicht selten wanderten seine Hände ins Innere des Flügels, um Dead-Notes zu spielen. Julia Hofer glänzte durch feine, gestrichene Cellotöne und ein sehr akzentuiertes, druckvolles Bassspiel. Nach über 40 Auftritten seit September vergangenen Jahres verstehen sich die beiden blind auf der Bühne.

Jazz AmBach
Mahan Mirarab an der Doppelhals-Gitarre. furxer

Gastmusiker Lorenz Raab, Solotrompeter an der Volksoper Wien, gestaltete von Anfang an den atmosphärisch dichten Jazz-Sound, bei dem viel Gefühl und Melancholie mitschwang. Beispielsweise bei „Song Of A Dream“, der Name war hier mehr als Programm. Knackig und funky ging es beim Prince-Cover „Sexy M.F.“ zu Werk. Artist in Residence Mahan Mirarab verzauberte das Publikum mit gekonnt filigranen Läufen an seiner Doppelhals-Gitarre. Die dritte Gastmusikerin im Bunde, Veronika Harcsa, brachte ihr ganzes Stimmtalent auf die Bühne. Besonders bemerkenswert war dies beim Eddie Harris Standard „Freedom Jazz Dance“ zu hören, bei dem sie die volle Bandbreite menschlicher Laute zum Ausdruck brachte. Das live zu erleben, garnierte das bestens durchkomponierte Album.

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Pianistin Shuteen Erdenebaatar. furxer

Den zweiten Teil des Abends prägte das Shuteen-Erdenebaatar-Quartett unter der Leitung der Komponistin Shuteen Erdenebaatar. Die aus der Mongolei stammende Pianistin hatte vor vielen Jahren an einem Workshop von David Helbock teilgenommen und wurde nun (in Unkenntnis dieser Begegnung) von David für dieses Festival gebucht. Welch ein Glücksfall!

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Simon Comté (Tenorsaxofon) und Kontrabassist Nils Kugelmann begeistern mit ihrem virtuosen Spiel. furxer

In klassischer Formation mit Nils Kugelmann am Kontrabass, Sebastian Wolfgruber am Schlagzeug und Simon Comté am Tenorsaxofon battelten sich die einzelnen Musiker um das beste Solo. Jeder einzelne des Quartetts bringt in seinem jungen Alter eine unglaubliche Virtuosität aufs Parkett, nicht zuletzt Shuteen Erdenebaatar, die durch ihr ausgereiftes Talent am Klavier überzeugte.

Sternenhimmel

Viele Songs des Debütalbums „Rising Sun“ kamen an diesem Abend zur Aufführung. Ein kräftiger Schub nach vorne und wunderbare dynamische Wechsel kreierten einen sehr quirligen Auftritt. Aber es ging auch ruhig: Emotionale Geschichten wie die von Shuteen Erdenebaatar und ihrem Vater, die an verschiedenen Orten der Welt in den Sternenhimmel schauen, berührten und legten die Spur für die Nummer „Do You See The Stars I See?“ Zwei so unterschiedliche Jazzformationen ergaben an diesem Abend ein harmonisches Ganzes und bewiesen das hohe Niveau dieses Festivals.

Daniel Furxer