Kultur

Rechtschaffende Wut auf einem Küchentuch

20.03.2026 • 18:08 Uhr
Rechtschaffende Wut auf einem Küchentuch
Die Arbeit ist Teil einer unlimitierten Serie. Lederer

Wiener Albertina zeigt die Schau „Care Matters“, mit zwei Werken der Bludenzer Künstlerin Christine Lederer.

„Das Bügelbrett fand ich in einem Lorünser Zementwerk. Da stand es auf einem Podium, wie wenn wer eine Rede halten würde“, schildert Künstlerin Christine Lederer mit heiterer Stimme, wie sie zu einem zentralen Objekt ihrer Fotoarbeit „Am liebsten trage ich ein Bügelbrett“ (2018) kam. Die gleichermaßen humorvoll wie aufschürfende Arbeit ist eine von zwei Werken, mit denen die Bludenzer Künstlerin jetzt in der Wiener Albertina präsent ist.
Dort ist sie Teil der Ausstellung „Care Matters“, einer umfassenden Schau der Sammlung Verbund, die sich den vielfach unsichtbaren Formen von Sorgearbeit widmet.

Am liebsten trage ich ein Bügelbrett, 2018
„Am liebsten trage ich ein Bügelbrett“ (2018) von und mit Christine Lederer. Mosman

Feministische Avantgarde

Die von Gabriele Schor, Gründungsdirektorin der Sammlung Verbund, kuratierte Schau zeigt 50 Werke von 33 österreichischen und internationalen Künstlerinnen und erstreckt sich zeitlich von der feministischen Avantgarde der 1970er-Jahre bis in die Gegenwart.

Im Zentrum steht dabei ein Themenfeld, das lange im Hintergrund verhandelt wurde und nun mit Nachdruck in den Fokus rückt. Care-Arbeit, also Fürsorge, Pflege und alltägliche Versorgungsleistungen, wird in der Ausstellung als grundlegende Voraussetzung gesellschaftlichen Zusammenlebens begriffen.
Lederers Werke beleuchten dieses Feld mit einem spielerischen Witz, der den Betrachtern angesichts der Brisanz im Halse stecken bleiben könnte. Nackt, hinter einem Bügelbrett, versinnbildlicht ihr Bild Schutz und patriarchale Ausbeutung zugleich. Die gelungene Komposition ergab sich eher zufällig, durch den spontanen Einsatz von Fundstücken im Atelier.

„Bitte leise putzen“

Auch die zweite in der Albertina gezeigte Arbeit, „Bitte leise putzen“, folgt dieser Logik. Der auf einem einfachen Küchentuch gemalte Satz besticht durch markbrechende Passiv-Aggressivität. „Es ist absurd, dass sich jeder etwas darunter vorstellen kann, was es bedeutet, wenn man leise putzen muss: Dass man die Schnauze halten soll“, schildert die Künstlerin.

Atelier Besuch bei der Künstlerin Christine Lederer in ihrem Atelier
Christine Lederer in ihrem Atelier. Serra

Für Lederer geht mit der Ausstellung mehr als Anerkennung einher. Sie schildert die Erfahrung als Moment in einem fortlaufenden Prozess der Professionalisierung und möglicher Beginn einer neuen künstlerischen Verbindung: „Die Begegnungen mit den anderen Künstlerinnen waren sehr spannend. Jetzt überlegen wir ein gemeinsames, künstlerisches Netzwerk, wie ich es auch aus München kenne, aufbauen.“

Die Ausstellung „Care Matters“ der Sammlung Verbund wurde am 11. März in der Albertina eröffnet und kann noch bis zum 28. Juni besichtigt werden.