Dynamo strahlt trotz Absage und Sparzwang

Limberger
Das Dynamo Festival am Spielboden besticht auch heuer mit musikalischer Pracht von Punk bis Pop.
Das vor elf Jahren gegründete Dynamo Festival am Dornbirner Spielboden strahlt auch dann, wenn es mit „steilen“ Herausforderungen zu kämpfen hat. Denn trotz schrumpfender Förderungen und der kurzfristigen Absage der Wiener Indie-Band „My Ugly Clementine“ setzt das Team hinter dem kleinen Musikfestival alles in Bewegung, um aufstrebenden wie auch eigenwilligen Acts eine Bühne zu geben. So auch heuer, wenn das Dynamo vom Freitag, dem 29. bis Samstag, 30. Mai, im und vor dem Spielboden gefeiert wird.
Kompakt und niederschwellig
Schon bei der ersten Aufführung im April 2015 musste das Konzert von „Wanda“ krankheitsbedingt auf einen Ersatztermin verschoben werden. Dass sich die Feierlichkeit, mit Ausnahme der Pandemie-Jahre 2020 und 2021, zu einem Fixpunkt im Vorarlberger Konzertkalender etablieren konnte, liegt nicht nur am kompakten wie hochwertigen Angebot oder der niederschwelligen Atmosphäre.

„Wir wollen kleineren, überwiegend österreichischen Bands, die vor dem Durchbruch oder an der Schwelle stehen, präsentieren“, schildert Spielboden-Geschäftsführerin Heike Kaufmann die Grundidee des Festivals. Wie gut sie mit diesen Gruppen vernetzt sind, bezeugt der Umstand, dass nach der am Dienstag bekannt gewordenen Absage der „Clementines“ in kürzester Zeit die „Hidden Gemz“ als Alternative aufgestellt werden konnten.
Zwei Bühnen für zwei Tage
Traditionell beginnt das Dynamo mit Konzerten im Außenbereich, bevor es gegen 20 Uhr im großen Saal weitergeht. Das beliebte Format auf dem Parkdeck musste heuer aus Kostengründen gestrichen werden.

Simon Hofer, Schlagzeuger der noisigen Post-Punk-Band „Tight Ships“, ist privat seit vielen Jahren begeisterter Gast. Heuer wird er mit seiner Gruppe, die in den Räumlichkeiten von „Lustenauer Senf“ probt, das Festival eröffnen. „Es wird ein pfiffiges Set mit zwei bisher noch nicht veröffentlichten Songs“, lässt der gelernte Bootsbauer und Experte für Holzbadewannen, wissen.

Auf die drei Herren folgt das Berliner Garage-Duo „Cava“ mit maximal fetzigem Sound. Ganz andere Töne, aber noch immer im Außenbereich, wird der aus Kärnten stammende Singer-Songwriter Oskar Haag setzen. 2005 geboren, erreichte er mit seinem Song „Stargazing“ 2021 den ersten Platz der FM4-Charts. 2023 folgte der Amadeus-Award.

Träumerischen Indie-Pop mit einem Hauch von Country bieten „Soft Loft“ aus der Schweiz. Sie eröffnen voraussichtlich den großen Saal. Dessen Bühne gebührt danach den „Hidden Gemz“. Die genreübergreifende Formation mischt Hip-Hop, R&B, Soul und Alternative Rock. Während die Wiener 2025 das Dynamo eröffneten, spielen sie heuer als letzte Band des ersten Abends.

Punk und Pop
„Hyperdog“ aus Linz fetzen am Samstag mit ihrem überraschend elektronisch daherkommenden Garage-Punk die erste Show des Tages. Mit „Baits“ folgt eine Wiener Band, deren Sound stark an die berühmten Soundtracks der „Tony Hawk’s Pro Skater“-Spiele erinnern. Ihr sichtlich vom Punk der 1990er-Jahre inspirierter Stil besticht nicht zuletzt durch das Werk der Sängerin Sonja Maier, die ohne Probleme zwischen popigen Passagen und knallhartem Wutgeschrei wechseln kann.

Ganz zart hingegen die Stimme von „Jo The Man The Music“, deren erste EP „Soft Skin“ Anfang des Jahres erschien. Die junge Steirerin tourt mittlerweile durch halb Europa und wird etwa Anfang September auf dem Reeperbahn Festival in Hamburg spielen.

Die Ärzte aus Lustenau
Die früher als „Ivies“ bekannte Indie-Band „Efeu“ kann getrost als Wiener Band aus Lustenau bezeichnet werden. Dass Sänger Julian Irrenfried und Gitarrist Patrick Haselwanter als praktizierende Ärzte Zeit für Konzerte finden, ist überraschend genug. „Wir nehmen gerade eine neue EP auf und werden auch noch unveröffentlichte Songs spielen“, berichtet die Band. Die sechsköpfige Formation freut sich auf „ein hoffentlich energiereiches Rockkonzert zum Rumhüpfen und Mitgrölen“. Mit eingängigen Songs wie „Feuerwehr > Polizei“ oder „Teer & Gras“ scheint das garantiert.

Der aberwitzige „Salò“ kann als Vertreter der „Neuen Neuen Deutschen Welle“ verstanden werden. Nicht ganz so wahnsinnig wie Joachim Witt, dafür mit Songs wie „Staubsaugermann“ umso humorvoller, bietet er die ideale Überleitung zur längst legendären Ankathie Koi. Die aus Bayern stammende Rampensau begeistert seit über zehn Jahren stets aufs Neue mit ihren eingängigen wie intelligenten Popsongs.