Kultur

Ein Feuerwerk ohne Pathos

26.06.2026 • 16:31 Uhr
Franceso Piemontesi
Franceso Piemontesi auf der Bühne des Angelika-Kauffmann-Saals. Schubertiade

Am Mittwochabend vertiefte sich der Schweizer Pianist Francesco Piemontesi in Schubert und Liszt, damit ging die erste Schubertiade-Periode in Schwarzenberg auch schon wieder zu Ende.

Die G-Dur-Sonate D 894 ist sicher eine der lyrischsten Sonaten von Franz Schubert und der aus dem Tessin stammende Pianist, der (wie Paul Lewis zu Beginn am Freitag) das Konzert seinem Lehrer Alfred Brendel widmete, hat einen wunderbar langen Atem, um das immer neu beleuchtete Anfangsmotiv aufblühen und verlöschen zu lassen. Dicht im Anschlag, voller Tiefe mit schwingenden Glockentönen, fasst Piemontesi die ersten beiden Sätze in ihrem bedächtig tastenden Fluss und ihren feinen Modulationen. Auch in Menuett und Finalsatz gestaltet der Pianist Übergänge voller Licht und Schatten.

Ausdruckstiefe

Im ersten Teil der „Années de pèlerinage“ hat der Klaviervirtuose Franz Liszt Landschaften, Naturstimmungen, Hirtenszenerie und Impressionen von der großartigen Schweizer Bergwelt in Töne gegossen, die in ihrer Bildhaftigkeit und Romantik auch bestens in den Bregenzerwald passen. Dass Francesco Piemontesi ein souveräner Pianist ist, zeigt sich in brausenden Aufwallungen, Wasserglitzern, bronzenen Glockentönen und Gewittergrollen: alles klingt bei ihm rund, unaufgeregt, klangsatt, voller Ausdruckstiefe. Niemals stellt er etwas zur Schau, sondern füllt den Raum mit Wärme und Intensität. Das setzt sich fort in zwei rauschenden Zugaben: „Feux d’artifice“ („Feuerwerk“) aus dem ersten Band der Préludes von Debussy und einem weiteren Prélude aus der Feder von Rachmaninow mit silberheller Oberstimme über vielstimmiger Basis: ein beglückender Klavierabend von einem bescheiden wirkenden Künstler beendet diese Schubertiade-Periode, die nächste ist bereits in wenigen Wochen in Hohenems.

Katharina von Glasenapp