Kultur

Bregenz: Florentina Holzingers feuchter Traum geht in Erfüllung

09.07.2026 • 18:17 Uhr
Bregenz: Florentina Holzingers feuchter Traum geht in Erfüllung
Die Performance geht auf eine Anfrage Holzingers an das Kunsthaus zurück. Stiplovsek

Florentina Holzinger zählt zu den aufsehnerregendsten Performance-Künstlerinnen der Welt. Ihre „Bodensee Étude“ ist am Samstag bei freiem Eintritt am Molo in Bregenz zu sehen.

Ein feuchter Traum gehe jetzt für sie in Erfüllung, kichert Performance-Künstlerin Florentina Holzinger. Gegenstand ihrer Freude ist die einmalige Darbietung der Performance „Bodensee Étude“, die am Samstag ab 18 Uhr bei den Stiegen des Bregenzer Molo stattfinden wird. Sie findet nicht nur unter freiem Himmel, sondern auch bei freiem Eintritt statt. Da die Veranstalter vom Kunsthaus Bregenz mit kolossalem Andrang rechnen, empfiehlt es sich, früh zu kommen. Bei schlechtem Wetter kann sich der Beginn auf 20 Uhr verschieben.

Bregenz: Florentina Holzingers feuchter Traum geht in Erfüllung
Stiplovsek

Unkalkulierbar

Dieser Umstand lässt erahnen, wie wichtig schwer- beziehungsweise unkalkulierbare Faktoren wie die Witterung für die Dramaturgie des anstehenden Spektakels sind. „Wir haben eigentlich immer Pech mit dem Wetter“, gesteht Holzinger in anhaltend amüsiertem Ton.

Die 1986 in Wien geborene Künstlerin hat sich mit körperlich extrem anspruchsvollen, dem Leib zentral als Instrument begreifenden Produktionen einen Namen gemacht.

Sancta, Holzinger
Sancta. Wytyczak/Mecklenburgisches Staatstheater

Bei der Oper „Sancta“, unter anderem mit skatenden Nonnen und allerlei Körperflüssigkeiten, kämpften laut Medienberichten zahlreiche Besucher mit Übelkeit und Kreislaufproblemen. Die Inszenierung war ein Hit und europaweit in den Zeitungen.

Sancta, Holzinger
Sancta. Wytyczak/Mecklenburgisches Staatstheater

Spätestens seit diesem Jahr ist sie einer weltweiten Öffentlichkeit, weit über die engeren Kreise der Kunst, bekannt. Hintergrund ist der virale Erfolg des von ihr konzipierten österreichischen Pavillon der 61. Biennale in Venedig. Mit nackten Jetski-Fahrerinnen, menschlichen Glockenpendel und Taucherinnen in aus Urin gefiltertem Trinkwasser drangen Bilder von „Seaworld Venice“ direkt ins Herz der nach starken Motiven gierenden Medienindustrie.

Florentina Holzinger SEAWORLD VENICE, 2026
Diese Bilder vom Österreich-Pavilion der Biennale gehen um die Welt. Das Glockenspiel erinnert viele an eine Flatz-Performance aus 1991, andere an Motive von Hieronymus Bosch. WYTYCZAK

Die „Bodensee Étude“ versteht sich nun als Satellit dieses Biennale-Projekts. Im Gegensatz zum kontrollierten Kunstraum sind Holzinger und ihre Crew hier an einem Ort, an dem gebadet, spaziert, gerudert, fotografiert und auf den Sonnenuntergang gewartet wird.

Etwas wird geborgen

Genau das reizt sie. Der Bodensee sei „sehr speziell“, schwärmt die Künstlerin. Er sei tief, Trinkwasserspeicher, Gletschersee, Ort von Nebel, Wracks, Mythen und Geschichten. „Da liegt vieles begraben. Aber nicht nur begraben, da ist sicher auch vieles lebendig.“ Was sie am Samstag daraus machen wird, beschreibt Holzinger nur andeutungsweise. Es gehe um ein „Bergungsszenario“. Etwas werde aus dem See geholt. Konkrete Antworten bleiben aus.

Bregenz: Florentina Holzingers feuchter Traum geht in Erfüllung
Holzinger im Gespräch mit KUB-Direktor Thomas D. Trummer. Stiplovsek

Sicher ist: Es wird schwere Maschinerie geben. Kran, Bühne, Verstärker, Schlagwerk und Körper treffen auf Wasser, Wind, Wellen und Zufall. KUB-Direktor Thomas D. Trummer sprach bei der Pressekonferenz von „Heavy Metal“ am Seeufer. Die Künstlerin interessiert sich ausdrücklich für diese Kräfte. Nicht nur die Natur, sondern auch die Infrastruktur eines Ortes werde Teil der Arbeit.

Übungsstück

Dabei ist der Titel „Étude“ nicht zufällig gewählt. Eine Etüde ist ein Übungsstück. Für Holzinger steckt darin mehr als bloß technische Vorbereitung. „Es gibt immer etwas zu üben. Nie ist irgendwas fertig geübt“, bekräftigt die studierte Tänzerin. Gerade aus dem Tanz kommend interessiere sie nicht nur der Moment, in dem etwas gelingt, sondern die Praxis dahinter. Vom Boden wegzukommen sei eine Sache. „Aber es ist auch extrem wichtig, den Fall zu üben.“
Der Körper ist bei ihr also kein dekoratives Bild, sondern Werkzeug. Oder, wie Holzinger sagt: „Der Körper ist natürlich ein Instrument.“ In der „Bodensee Étude“ wird er Teil einer musikalischen Komposition aus akustischen Instrumenten, Elektronik und Bewegungen.

So wird das Bregenzer Hafenbecken am Samstag für rund 40 Minuten zu einer einmaligen Bühne. Das Kunsthaus Bregenz bittet aber alle anwesenden mit Nachdruck, keine Bilder von der Performance zu machen. Laut KUB geht es dabei um Rücksicht vor dem Performerinnen, die unter widrigen Umständen ihr Bestes geben.

Die NEUE wird der „Bodensee Étude“ gemeinsam mit dem aus Dornbirn stammenden Künstler Flatz beiwohnen.