Zartheit, Wärme und späte Sonate

Die Schubertiade brachte mit Samuel Hasselhorn und Adam Laloum zwei Programme, die den leisen Farben besonders viel Raum gaben.
Im vergangenen Jahr hat der hochgeschätzte deutsche Bariton Samuel Hasselhorn bei der Schubertiade debütiert, nun kehrte er gemeinsam mit seinem so feinsinnigen und erfahrenen Liedpianisten Ammiel Bushakevitz zurück. Unter der Überschrift „Hoffnung“ haben die Künstler Lieder aus dem Jahr 1826 ausgewählt und man staunt, wie unterschiedlich Textauswahl und Kompositionen zwei Jahre vor Schuberts Tod sind. Zum Teil bestätigte sich der Eindruck aus dem letzten Jahr: Hasselhorn führt seine warme und kultivierte Stimme manchmal etwas eng, verfügt über ein sehr schönes Piano und meist gute Textverständlichkeit. Im zweiten Programmteil öffnet er sich immer mehr, lässt sich tragen von Bushakevitz‘ facettenreichem Spiel, mischt Farben und Ausdruck hinzu und bringt die weich angesetzte Kopfstimme zum Leuchten. Neben dem drängenden „An mein Herz“ oder der forschen Energie von „Fischerweise“ bleiben die fein differenzierten Strophen von „Im Frühling“ und „Alinde“ im Gedächtnis. Zum zärtlichen Wiegenlied „Der Vater mit dem Kind“ (für den süßlichen Text von Eduard von Bauernfeld können Künstler und Komponist nichts) passt die balsamisch strömende Zugabe „Im Abendrot“. Und Bushakevitz vermittelt mit einigen kurzen Solostücken, wie Schubert selbst bei den Schubertiaden für seine Freunde aufgespielt haben könnte: herzhaft, pointiert und dazu mit einer wunderbar kantablen, zart umspielten Mittelstimme im „Kupelwieser Walzer“!

Geheimnisvoll
Der französische Pianist Adam Laloum widmete sich in seinem Programm zunächst den Werken von Schumann und Brahms und spannte dann einen großen Bogen über Schuberts letzte große Sonate: Erstere sind vielfach biografisch musikalisch miteinander verbunden.

Schumanns von Laloum ausgewählte Werke stammen aus der Zeit, als er um die hochbegabte junge Pianistin Clara Wieck warb, die acht Stücke op. 76 von Brahms entstanden, als dieser an der Herausgabe der Werke von Schumann und Chopin arbeitete. Und Clara, die Ehefrau des einen und lebenslange Freundin des anderen, die immer wieder die Stücke von Schumann und Brahms spielte, rückt somit ins Zentrum! Der 39-jährige Adam Laloum bringt das Schwärmerische von Schumanns Romanze mit Wärme zum Klingen, bettet Liedmelodien ein und drückt auch in der Novellette op. 21/8 die unterschiedlichen Charaktere von Schumanns Persönlichkeit aus. In den Stücken op. 76 von Brahms – sanftere Intermezzi und stürmische Capricci – führt er dies in reicher Differenzierungskunst und Anschlagskultur weiter.

Für Schuberts große B-Dur-Sonate D 960 wählt Laloum ein flüssiges Tempo, in dem er im Kleinen wie auch in der großen Form mit Farben und Kontrasten spielen kann. Geheimnisvoll klingt der langsame Satz, die Melodie ist in wunderbarem Legato gefasst und von zarten Tupfern umspielt und auch in den verbleibenden Sätzen besticht der Franzose mit perlender Geläufigkeit und fantasievoller Spielfreude. Ein spätes Intermezzo von Brahms (op. 116/4) und der langsame Satz aus Schuberts a-Moll-Sonate D 780 runden das Programm als Zugaben ab.
Katharina von Glasenapp