Kultur

Abschied von Erich Smodics

14.08.2026 • 07:00 Uhr
Sommerausstellung der Stadt Bregenz mit Arbeiten vom Erich Smodics, Künstler mit Bildern und nur Bilder im Raum oder wie jemand die Bilder ansieht.
2017 widmete die Stadt Bregenz ihre Sommerausstellung im Palais Thurn und Taxis dem Künstler Erich Smodics (1941-2026). Paulitsch(9)

Gastbeitrag. Kunsthistoriker Lucas Gehrmann über das Schaffen des am 8. August verstorbenen Bregenzer Künstlers Erich Smodics.

„Magritte zu Ehren besorgt sich Smodics eine goldgleißende Messing-Tuba, nimmt sie zum Modell für Messingtuba-Monstren. Fast kippt Smodics um damit in illustrative Karikatur. Aber die Lust am Zwiespältigen, an ironischen Mehrdeutigkeiten geht ihm nicht verloren. Verzerren, Schräges, Rebushaftes ist Smodics höchst willkommen“, schrieb Joachim Burmeister zum frühen bildnerischen Werk des Malers, Zeichners, Bildhauers und Druckgrafikers Erich Smodics, der – wie Karlheinz Pichler sagt – immer und vor allem auch ein „Figurationsexperte“ war.

Abschied von Erich Smodics

Blick ins Atelier

Ich selbst bin am Schulweg durch die Bregenzer Kirchstraße oft vor einem dieser gemalten Messingtuba-Monstren stehen geblieben, die aus seinem Atelierfenster hinauszutröten versuchten, bis er mich eines Tages hineinführte in seine Kunst- und Wunderkammer, in der er außer alten Instrumenten auch Porzellanpuppenkörper, Flugzeugmodelle und allerhand hölzernes Strandgut versammelt hatte.

Abschied von Erich Smodics

Erich gab mir gleich auch eine erste Einführung in die Kunst des Magischen Realismus von Rudolf Wacker bis hinüber zu Giorgio de Chirico, um mich ab den frühen 1970er-Jahren immer wieder mitzunehmen auf seine Ausstellungsfahrten nach Zürich, München oder Basel: Smodics konnte nicht nur über seine eigene Kunst reden und sie selbstkritisch befragen, er war auch ein hervorragender Vermittler all dessen, was er je an künstlerischen Ideen und Formulierungen gesehen und gelesen hat. Denn er blickte nicht nur auf das Äußere der Dinge, sondern konnte ihre geistigen Dimensionen ebenso erfassen wie den Kontext ihres Entstehens und Da-Seins.

Abschied von Erich Smodics

Und so entwickelte er auch seine eigene Kunst stets weiter, arbeitete phasenweise an Licht- und Farberscheinungen der menschlichen Haut oder an Körperstellungen und ihren Bezügen zum Raum. Einigen seiner Werkgruppen gab er Titel wie Leibgrenzen, Körpergehäuse, Versuch Innenschatten, Selbstbetrachter, Kniedenker und Selbsteinkreiser oder Körperwürfelbilder. In Letzteren vereinte er sechs verschiedene Ansichten der Pose eines Akt-Modells zu einem einzigen Bild. Dieser Bildfindung ging seine Idee einer dreidimensionalen Zeichnung voran, die er nicht etwa mit Hilfe von Computerprogrammen realisierte, sondern mit Holzstäben, Draht und Papier. Mittels dieser Konstruktion war es ihm möglich, die Figur in zwei- oder dreidimensionale Räume zu setzen und sie von mehreren Seiten zu zeigen.
Zuerst schlug sich diese Erfindung in seinen Marionettenfigurenbildern nieder, die 1990 als Wandbilder in einem Bregenzer Geschäftshaus ausgeführt wurden. Ihnen fehlt hier jede Statuarik – zu den Füßen hin kreiselartig zugespitzt schweben sie virtuell rotierend im Bildraum.

Abschied von Erich Smodics

Den Zustand zwischen Stabilität und Schwebe hatte Smodics bereits um 1980 mit einem großformatigen Objekt aus Holz und Bronze thematisiert, das den Titel Menschine trug. „Ein erschreckendes Dädalus-Ikarus-Modell als Beweis für den Zusammenhang von Mythologie und Realität“, schrieb Christa v. Hemolt in der FAZ. Heute können wir diese Menschine aber auch als eine frühe Vision des Übertritts in eine „transhumanistische“ Welt erachten, in der künstliche Intelligenzen und digitale Technologien das natürliche biologische und geistige Leben ergänzen, wenn nicht gar ersetzen würden.

Abschied von Erich Smodics

„Menschinen“

Erich Smodics hat im Gegensatz dazu immer analog gearbeitet. Ob skulptural, druckgrafisch, in der Dunkelkammer oder zur Vorproduktion von Publikationen in seiner eigenen Editionswerkstatt. Von hier aus, sagte Burmeister, startete Smodics auch „seine Menschinen, hinein in die Heutewelt mit all dem Dschungel unseres globalisierten Tohuwabohu.“ Erich Smodics war ein analysierender Beobachter nicht nur des Menschen, sondern auch unserer Zeit. Sein umfangreiches Oeuvre möge uns weiterhin als Spiegel seiner Erkenntnisse dienen.

Lucas Gehrmann