Macbeth, bis auf die Knochen reduziert

Das Theater Kosmos konzentriert Shakespeares Tragödie auf das mörderische Paar und legt bestechende Tiefe frei.
Mit einer radikal reduzierten Fassung von Shakespears Tragödie „Macbeth“ startete am Donnerstag die neue Spielzeit am Bregenzer Theater Kosmos.
Wo in klassischen Darbietungen eine Heerschar an Schauspielenden das Stück in gut drei Stunden aufführen, offenbart sich den Besuchern ein weniger als eineinhalb Stunden langes Kammerspiel. Basierend auf der Übersetzung und Bearbeitung John von Düffels gebührt die Bühne – fast – nur dem Täterpaar Macbeth. Der titelgebende Unhold ist anfangs noch treuer Heeresführer König Duncans. Doch nach dem ihm drei Hexen prophezeiten, König von Schottland zu werden, reift in den Macbeths die Gier. So beginnt eine mörderische Handlung von erschreckend allgemeiner Qualität.

Das Trauma der Täter
Davon kündet auch das Bühnenbild. Der Entwurf von Peter Aeschbacher zeigt abgeranzte Flaggen fiktiver wie realer Militärmächte und Regime. Ein Army-Shop-Look, in dem auch Macbeth (Bernd Sračnik) als Krieger die Bühne betritt. Zu ihm gesellt sich Lady Macbeth (Sabine Lorenz) in schlichtem Kleid. Wo er schon früh zwischen Verzweiflung und blinder Gier oszilliert, besticht Lorenz mit aristokratischer Kälte. Beide beherrschen den Text perfekt. Dieser führt nur bedingt auf metaphysische Bahnen. Vielmehr dominiert ein geradezu modernes Verständnis von Psychologie. Es reicht, wenn der Täter die Geister seiner Opfer sieht, um zu verstehen, das auch der Mörder ein Trauma mit sich trägt.
„Macbeth“ ist auch der Anfang eines Endes von komplett anderer Natur. So ist das in Kooperation mit dem Berner Theater an der Effingerstrasse produzierte Stück die erste Aufführung in der letzten Spielzeit unter der Leitung von Hubert Dragaschnig und Augustin Jagg. Nach dieser Saison übernimmt der gebürtige Salzburger Josef Maria Krasanovski die Leitung der vor 30 Jahren gegründeten Theaterbühne.