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Neue Gondelbahn zum Lünersee

08.08.2020 • 06:00 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
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Stiplovsek (4)

Nach knapp einem Jahr Bauzeit geht die Lünerseebahn wieder in Betrieb.

Wie viele Seilbahnen im Land ist auch die Lünerseebahn im Zuge eines Kraftwerkbaus entstanden. Anfang der 1950er-Jahre wurde von den damaligen Vorarlberger Illwerken der Bau einer Seilbahn zur Erschließung einer Baustelle und zur Abwicklung von Materialtransporten zum Lünersee in die Wege geleitet. Nach den Bauarbeiten wurde die Anlage für den öffentlichen Personenverkehr adaptiert. „Die Seilbahn ist 1959 in den öffentlichen Betrieb gegangen. Und nach 60 Jahren ist im vergangenen Jahr die Konzession abgelaufen. Und das war der Hauptgrund für die Errichtung der neuen Bahn“, erklärt Markus Burtscher, Geschäftsführer der Golm Silvretta Lünersee Tourismus GmbH.


Die Geschwindigkeit der neuen Bahn ist gleichgeblieben. Aber es können trotzdem mehr Menschen in derselben Zeit befördert werden, wie Geschäftsführer Burtscher ausführt. „Die alte Kabine hatte Platz für 40 Personen, die neue fasst 65 Personen.“ Die Netto-Bauzeit hat insgesamt acht Monate betragen. Das war nur möglich durch den milden Winter. Somit konnten viele Arbeiten schon vor Weihnachten abgeschlossen werden. „Wir haben nur einen Monat durch Corona verloren. Ab April gingen die Bauarbeiten schon wieder weiter.“

Einer der schönsten Plätze Österreichs
Einer der schönsten Plätze Österreichs

Schwierige Bedingungen

Natürlic

Natürlich war die Nähe zu den Wintermonaten eine Herausforderung. Und eine Baustelle in dieser Höhe ist nicht alltäglich. Zudem wurde sehr viel mit Hubschrauberflügen gearbeitet. „Die Mitarbeiter waren sehr gefordert. Die haben ja auch hier in der Douglas-Hütte genächtigt.“
Geblieben sind in Folge der Erneuerungsarbeiten nur die Berg- und Talstation. Der komplette seilbahntechnische Bereich wurde ausgetauscht. „Es war uns wichtig, im Sinne der Nachhaltigkeit auf dem Bestand aufzubauen“, erklärt Projektleiter Gernot Burtscher. Der Antrieb der Anlage des Weltmarktführers Doppelmayr/Garaventa befindet sich in der Bergstation. „Zwei Tragseile anstelle von einem sorgen nun für eine höhere Windstabilität. Das hilft uns natürlich sehr, denn in den Bergen pfeift der Wind manchmal ganz ordentlich“, ergänzt Betriebsleiter Roland Schallert. Die Seile bringen bei einem Durchmesser von knapp fünf Zentimetern ein Gewicht von annähernd 32 Tonnen auf die Waage. Anstelle der beiden ursprünglichen Stützen wurde nurmehr eine größere, rund 28 Meter hohe Stahlstütze konzipiert.

Bahn und Stütze sind neu.
Bahn und Stütze sind neu.


„Innerhalb weniger Minuten kommt man mit dieser Bahn vom Mittelgebirge ins Hochgebirge. Das ist auch für mich immer wieder faszinierend“, erklärt Betriebsleiter Schallert. Betreibsleiter Schallert hat ein Kernteam von fünf Mitarbeitern, die das ganzen Jahr über im Einsatz sind. Im Sommer kommen dann noch drei Saisonmitarbeiter und zwei Praktikanten dazu. Mithilfe der neuen Bahn überwinden nun bis zu 475 Personen pro Stunde die rund 411 Meter Höhenunterschied vom Talschluss bis zum Lünersee. Der Lünersee liegt bei etwa 2000 Metern Seehöhe. Insgesamt hat man über sechs Millionen Euro in die Hand genommen, um die Lüner­seebahn zu renovieren. Aufgrund der Covid-19-Pandemie wird die große Eröffnungsfeier vorläufig verschoben. Bis auf Weiteres ist darüber hinaus die Maximalkapazität pro Fahrt auf 40 Personen beschränkt – in der Gondel gelten die Vorschriften für öffentliche Verkehrsmittel und damit eine Maskenpflicht.

Ein herrliches Wandergebiet
Ein herrliches Wandergebiet

Sommertourismus

„Die Lüner­seebahn ist eine reine Sommerbahn. Wir gehen meistens Mitte Mai in Betrieb und fahren dann bis Ende Oktober. Die Buchungslage in den Tälern ist hervorragend. Es ist ein schönes Ausflugsziel und die Auszeichnung zum „Schönsten Platz Öster­reichs“ trägt zum Bekanntheitsgrad bei“, freut sich Geschäftsführer Burtscher. Deshalb rechne man auch mit einer guten Auslastung in den kommenden Wochen. Aber Massen-Tourismus will man hier nicht. „Der Lünersee ist ein Kleinod. Und soll das auch bleiben.“ Deshalb wird auch keine zusätzliche Infrastruktur errichtet. Es sollen vor allem das Wandern, das Fischen und die Natur im Vordergrund stehen. „Sanfter Tourismus“ ist das Zauberwort. Vor allem auch für ältere Menschen bietet diese Gegend eine Möglichkeit, sich im hochalpinen Gelände sich aufzuhalten und sich zu bewegen: „Der Rundwanderweg um den Lünersee ist eine eineinhalbstündige Wanderung, die jeder gut machen kann. Auch für Familien mit Kleinkindern bestens geeignet.“

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