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Nicht unüberlegt das Sparschwein plündern

08.08.2020 • 10:28 Uhr
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Den richtigen Umgang mit Geld zu erlernen, ist für Kinder nicht einfach.

Geld regiert die Welt“, von diesem Spruch sind Kinder und Jugendliche nicht ausgenommen. Doch den besonnenen Umgang mit Geld müssen sie erst lernen. Dominic Stecher, Leiter der Dornbirner Sparkassen-Filiale am Marktplatz, fasst die Bedeutung von Finanzerziehung so zusammen: „Wir müssen mit unseren Kindern mehr und offen über Geld sprechen, damit sie die Zusammenhänge richtig verstehen und erkennen, wie wichtig Sparen ist. Dass Geld nicht einfach aus dem Bankomat kommt, sondern ein Tauschmittel für eine Leis­tung ist, muss man ja auch erst lernen.“

Verschuldete Jugendliche

Die Sparkassen haben dazu, wie andere Banken auch, Leitfäden für Eltern entwickelt. Diese sollen ihnen bei Fragen helfen und wertvolle Anhaltspunkte und Tipps liefern. So schreibt die auf Erziehungsberatung spezialisierte Ärztin und Psychotherapeutin Martina Leibovici-Mühlberger in „Den Umgang mit Geld lernen – von Kindesbeinen an“, einem Taschengeldleitfaden der Sparkassen: „Gerade heute, in einer Zeit, in der die Verlockungen der Konsumgesellschaft viele Leute finanziell aus der Bahn werfen, ist es besonders wichtig, junge Menschen von Anfang an auf den Umgang mit Geld vorzubereiten.“

Expertin Martina Leibovici-Mühlberger. <span class="copyright">Munoz</span>
Expertin Martina Leibovici-Mühlberger. Munoz

Denn schon jetzt müssten viele Jugendliche Schuldnerberatungsstellen aufsuchen: „Rund 20 Prozent aller Verschuldeten sind zwischen 18 und 24 Jahre alt.“ Einerseits haben junge Leute heute mehr Geld zur Verfügung als die Generationen vor ihnen. „Etwa 400 Millionen Euro erhalten junge Österreicher und Österreicherinnen jährlich in Form von Taschengeld, Geschenken oder Einkommen. Andererseits sind Kinder und Jugendliche spontan im Kaufverhalten und unerfahren im Vorausschauen. Es ist also nicht verwunderlich, dass diese Zielgruppen im Fokus von Werbekampagnen stehen.“
Nach Erfahrungen der Schuldnerberatungen beginnen Schuldenkarrieren meist mit einem überzogenen Konto und Schulden bei Mobiltelefonieanbietern. „Als Eltern tun Sie gut daran, Ihrem Kind schon frühzeitig den Umgang mit Geld näherzubringen, und zwar in der jeweils altersgerechten Form“, erklärt die Expertin Leibovici-Mühlberger.

Gespür für Geld bekommen

Wenn das Kind zum Beispiel unbedingt diesen bunten Fußball will, können Eltern auf Papier den Ball aufmalen. Mit dem Kind nehmen sie eine Euromünze als Schablone und malen Kreise, für jeden Euro, den der Ball kostet, einen. Dann lässt man das Kind seine gesparten Euromünzen in ein Sparschwein stecken und entsprechend viele Euromünzen auf dem Papierbogen ausmalen, bis der Betrag erreicht ist. So lernt das Kind, besser abzuschätzen, wie viel seine Wünsche kosten, und Bedürfnisse aufzuschieben.
Ein eigenes Kinder- oder Jugendkonto für Taschengeld, Verdienst oder Geldgeschenke hat laut Leibovici-Mühlberger zusätzlichen pädagogischen Nutzen. „Die Befürchtung, ein eigenes Konto könnte bei Ihrem Kind ungezügeltes Geldausgeben bewirken, können Sie getrost vergessen.“ Denn von einem Jugendkonto kann nur das Geld abgehoben werden, das darauf enthalten ist. Anhand der Kontoauszüge und der Infos per Internet-Banking kann das Kind sehen, über wie viel Geld es verfügt. „Ein eigenes Konto kann Ihrem Kind helfen, den Weg seines Geldes nachzuverfolgen. Bargeld ohne Aufzeichnungen rinnt Jugendlichen sehr leicht durch die Finger“, sagt Leibovici-Mühlberger.

„Geld und unsere gelernte Gewohnheit, damit umzugehen, begleitet uns ein Leben lang“, bestätigt Bruno Baldauf, bei der Raiffeisenbank in Bregenz zuständig für das Privatkundengeschäft. „Damit Kinder einen verantwortungsvollen Umgang mit Geld lernen können, müssen Eltern ihnen den Wert des Geldes und des Sparens beibringen. Dabei unterstützen wir gerne.“ Kinder, die lernen, zu sparen und eine Bedürfnisbefriedigung zu verschieben, sind im späteren Leben erfolgreicher bei der Haushaltsplanung, ist Leibovici-Mühlbergers Erfahrung.

Zum Sparen motivieren

Ein Sparvertrag, etwa der Bausparvertrag der Eltern, könne als Lernmodell dienen, um den Effekt von regelmäßigem Sparen zu erkennen. „Zeigen Sie Ihrem Kind, wie man auch mit geringen Beträgen ein persönliches Vermögen aufbauen kann. Dieses Ergebnis ist für Jugendliche durchaus beeindruckend.“
Kinder sollten ihrer Meinung nach prinzipiell zum Sparen angehalten werden. Auch wenn sie nur über wenig Kapital verfügen, so ließe sich meist ein kleiner Betrag regelmäßig sparen. Vor allem zusätzliche Einkünfte wie Geldgeschenke und Selbstverdientes könnten auf dem Sparkonto landen, statt sofort in den Konsum zu fließen.

Sechs goldene Regeln fürs Taschengeld

1. „Wie viel Taschengeld ist für mein Kind angemessen?“
Tipp: Die Höhe des Taschengelds hängt vom Familien­einkommen, finanziellen Belastungen, der Anzahl der Geschwister, der Art der Verwendung und dem Lebensalter des Kindes ab. Eine Formel für Sechs- bis Zwölf-Jährige: 30 bis 50 Cent mal Lebensjahr gleich Taschengeld pro Woche.

2. Wer bestimmt, was mit dem Taschengeld passiert?
Tipp: Über sein Taschengeld entscheidet das Kind selbst – solange es ihm nicht schadet. Wenn es etwa Zigaretten oder Knallkörper kauft, müssen die Eltern einschreiten. Jüngere Kinder neigen dazu, ihr Taschengeld für Süßigkeiten auszugeben, bei älteren wird das Kaufverhalten ausgewogener.

3. Spielt es eine Rolle, wann die Kinder Taschengeld erhalten?
Tipp: Das Taschengeld sollte regelmäßig und pünktlich ausgezahlt werden. Damit geben Eltern ein gutes Beispiel ab und sorgen dafür, dass Vereinbarungen als etwas Verbindliches erlebt werden.

4. In welcher Regelmäßigkeit sollen Kinder Taschengeld bekommen?
Tipp:
Für Kinder bis zum zwölften Lebensjahr hat sich die wöchentliche Auszahlung bewährt. Für längere Zeiträume haben Kinder in dieser Altersgruppe noch kein Zeitgefühl entwickelt. Ab dem 13. Lebensjahr ist es sinnvoll, auf eine monatliche Auszahlung zu wechseln. Sich selbst zu beschränken, die eigene Bedürfnisbefriedigung zu planen und seine Ressourcen einzuteilen sind Voraussetzungen für eine erfolgreiche Geldverwaltung. Im geschützten Rahmen des Taschengelds lassen sich diese Fähigkeiten gut erlernen.

5. Soll das Taschengeld als Belohnungsinstrument eingesetzt werden?
Tipp: Taschengeld wird unabhängig von Leistungen ausbezahlt. Eine Erhöhung bei guten Schulnoten oder eine Streichung bei schlechten würde das Taschengeld zum Belohnungs- und Straf­instrument degradieren. Damit würde es seine Funktion verlieren, Kinder zur Selbstständigkeit zu erziehen.

6. Sollen Kinder und Jugendliche sich durch Ferialjobs das Taschengeld aufbessern?
Tipp. Selbst verdientes Geld bessert nicht nur das Taschengeld auf, Kinder und Jugendliche machen zudem die Erfahrung von Autonomie, Stolz auf die eigene Leistung und Selbstwertgefühl. Der Jugendliche erlebt, wie viel persönliche Energie in dem von ihm erarbeiteten Geld steckt. Eine wichtige Erkenntnis, die dazu beiträgt, einen kritisch denkenden Konsumenten aus ihm zu machen.