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Suchtarbeit in Zeiten der Pandemie

05.05.2021 • 22:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Prenn, Kloimstein, Grabher, Rehberger und Amann (von links).
Prenn, Kloimstein, Grabher, Rehberger und Amann (von links).

Der Jahresbericht der Stiftung Maria Ebene ist geprägt von der Coronakrise.

Punktlich zum Beginn der Pandemie hat Primar Philipp Kloimstein seinen Dienst angetreten. Niemand habe im Umgang mit einer derartigen Situation Erfahrung gehabt. Und das gilt insbesondere für die Arbeit mit Suchtkranken. „Die Krise offenbart noch gar nicht ihr ganzes Ausmaß. Wir werden in den nächsten Jahren erst sehen, was auf uns zukommt“, ist Kloimstein, Chefarzt und ärztlicher Leiter der Stiftung Maria Ebene, überzeugt und er ergänzt: „Die Lockdown-Zeit belastete viele Menschen psychisch, hinzu kommen besorgniserregende Arbeitslosenzahlen. Arbeitslosigkeit begüns­tigt eine Vielzahl psychischer Erkrankungen. Dazu zählen Süchte, aber auch Depressionen und Ängste, die bis hin zum Sui­zid führen können“, so Kloimstein.

Philipp Kloimstein, Primar im KH Maria Ebene.
Philipp Kloimstein, Primar im KH Maria Ebene.

Prävention.

Ganz wichtig ist in Zeiten wie diesen die Präventionsarbeit. „Wir müssen schauen, dass es nicht in ein, zwei Jahren zu einer psychischen Flutwelle kommt“, betont der Primar. Eine Pandemie beeinflusst natürlich den stationären Betrieb. Unter anderem wurden die Gruppengrößen kleiner. „Da konnten wir auch schnell reagieren. Und diese kleineren Gruppen bringen eine Qualitätssteigerung.“ Das ergaben auch viele Rückmeldungen von Patienten. Somit ist die Krise für manche Bereiche auch eine Chance. „Ganz wichtig ist meiner Meinung nach die Erkenntnis, dass die Krise nur gemeinsam bewältigt werden kann. Und da meine ich nicht nur alle Institutionen der Stiftung, sondern auch Systempartner“, ergänzt Kloimstein.

Die Therapiestation Maria Ebene in Frastanz.
Die Therapiestation Maria Ebene in Frastanz.

Sucht

Seit Oktober 2020 ist Maria-Christina Rehberger die neue Leiterin der Psychologie des Krankenhauses Maria Ebene. Sie hat somit die erste Welle noch nicht mitbekommen. Man habe damals im Oktober gemerkt, dass sich die Patienten sehr eingeschränkt gefühlt haben. „Viele der Klienten, die wegen des Lockdowns vorzeitig die Therapie abbrechen mussten, wurden trotz Kontakthalten via Telefon rückfällig. Dazu kommen neue Suchtentwicklungen durch die Coronakrise“, ergänzt die Psychologin. „Man merkt an der allgemeinen Unsicherheit durch die Pandemie, dass die unterschiedlichsten Süchte am Vormarsch sind.“ Auch für die Supro war dieses Jahr mehr als herausfordernd. Viele Angebote konnten nicht oder nur bedingt umgesetzt werden. Die Lockdownphasen führten zu einer Reihe von Absagen. „Wir haben schon frühzeitig im Sommer darauf reagiert, neue Angebote auf Online-Basis bereitzustellen“, berichtet Andreas Prenn, Leiter der Supro – Gesundheitsförderung und Prävention in Götzis.

Kein Jahr wie jedes andere


Ein Jahr im Zeichen von Corona. Das ist für eine Einrichtung wie die Stiftung Maria Ebene eine Zeit, die sich besonders niederschlägt. „Die Stiftung Maria Ebene hat in der Corona Zeit geholfen, das LKH-Rankweil zu entlasten. Wir haben für diese Situation 50 von insgesamt 85 Betten zur Verfügung gestellt“, erklärt Günter Amann, Verwaltungsdirektor der Stiftung Maria Ebene. Diese Ausnahme-Situation habe zwei Monate angedauert. „Und dennoch haben wir über 500 Patienten stationär behandelt. Das sind 95 weniger als im Jahr zuvor“, ergänzt Amann.
Einen klaren Anstieg verzeichneten die Beratungsstellen Clean in Bregenz, Feldkirch und Bludenz: „Insgesamt betreuten wir 1198 Personen, also 25 mehr als 2019. Besonders auffällig war das Wachstum bei den betreuten Personen in Bludenz mit plus 10,7 Prozent“, erläutert Wolfgang Grabher, Leiter des Clean Bregenz und Feldkirch. Generell sei der Anstieg auch durch die Einschränkungen bei der statio­nären Betreuung zu erklären. „Beim Konsumverhalten setzten sich die Trends der Vorjahre fort: Der multiple Substanzgebrauch bleibt unangefochten an der Spitze. Minimale Zunahmen gab es bei Kokain“, so Grabher.