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Kampf für Gleichstellung am Arbeitsmarkt

07.07.2021 • 20:41 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Große Defizite in Sachen Gender Pay Gap gibt es vor allem auch in Vorarlberg zu verzeichnen.<span class="copyright"><br>Symbolbild/Hartinger</span>
Große Defizite in Sachen Gender Pay Gap gibt es vor allem auch in Vorarlberg zu verzeichnen.
Symbolbild/Hartinger

Gender Pay Gap: Im Ländle klafft mit 23,3 Prozent die bundesweit größte Lücke.

Das Frauenberufszentrum* (FBZ) Vorarlberg hat sich in den vergangenen zehn Jahren im Ländle als bekannte und gerne genutzte Anlaufstelle etabliert. Besonders auch für Kundinnen, die sich beim AMS Vorarlberg haben vormerken lassen. Dieser Erfolg kommt nicht von irgendwo, wie Manuela Vollmann, Geschäftsführerin von ABZ*Austria, im Zuge der gestern zum Thema abgehaltenen Pressekonferenz erklärt: „Mit unserer Arbeit leisten wir einen aktiven Beitrag, um den Gender Pay Gap zu verringern.“

Große Defizite in Österreich

Ein Problem, das gerade in Österreich höchste Relevanz hat, wie die Expertin erklärt. Immerhin sind wir hierzulande noch weit entfernt von einer Geschlechtergleichstellung am Arbeitsmarkt: „Im EU-Vergleich waren 2019 einzig in Lettland und Estland die Lohnunterschiede zwischen den Geschlechtern noch höher.“ So fiel einer Statistik aus dem Jahr 2019 zufolge das Brutto-Einkommen von Frauen in der Privatwirtschaft pro Stunde um knapp 20 Prozent weniger als das von Männern aus. Dass Österreich auch in Sachen Geschlechtergleichstellung bei der Renten-Zahlung alles andere als gut abschneidet, ist daher keine Überraschung: Mit 38,7 Prozent gibt es hierzulande die vierthöchste geschlechtsspezifische Pensionslücke innerhalb der EU zu verzeichnen.

Umso wichtiger daher die Rolle des Frauenberufszentrums* Vorarlberg. Knapp 700 Frauen nutzen jährlich die Angebote der Einrichtung, so auch in Zeiten der Pandemie. Dabei spielt die Aktivierung der Höherqualifizierung für Frauen mit etwa einem Pflichtschulabschluss eine ebenso große Rolle wie etwa die Betreuung von gut ausgebildeten Vorarlbergerinnen, die aufgrund mangelnder Kinderbetreuung oder fehlender Vernetzung zur Wirtschaft Schwierigkeiten beim Wiedereinstieg in den Beruf haben.
„Durch das FBZ ist es uns möglich, einen gezielten Beitrag zur Existenzsicherung von Frauen zu leisten und unser Ziel, die gleichberechtigten Erwerbs­chancen aller Geschlechter, weiterzuverfolgen“, erläutert Vollmann.

Zukunftsmodell

Dass auch innerhalb der Unternehmen diesbezüglich einiges getan werden kann, erläutert Benedicte Hämmerle, Unternehmensberaterin und Obfrau der Fachgruppe UBIT der Vorarlberger Wirtschaftskammer: „Gleichstellung in den Unternehmen muss gezielt vorangetrieben werden, dazu braucht es neue lebensphasengerechte Arbeitszeitmodelle und zeitgemäßere Formen von Leadership wie etwa Top-Sharing (Anm. d. Red.: Mehrere Führungskräfte teilen sich eine Managementposition), aber auch ein klares Bekenntnis zur Förderung von Väterkarenzen in Unternehmen.“ So erkennt Hämmerle eine Zusammenarbeit mit dem Fachberufszentrum für Unternehmen als „klaren Gewinn“ für den Erhalt gut ausgebildeter Fachkräfte.

Ansätze, die auch in Zukunft immer weiter an Relevanz gewinnen werden, denn in den kommenden Jahren soll sich zwischen höher qualifizierenderen Beschäftigungen und jenen mit geringerer Qualifizierung eine immer größer werdende Kluft auftun. Eine berufliche Höherqualifizierung wird demnach an immer größerer Bedeutung gewinnen, ist Bernhard Bereuter, Landesgeschäftsführer des AMS Vorarlberg, überzeugt: „Durch das Nachholen von Bildungsabschlüssen und gezielte Upskilling werden die Chancen der Teilnehmerinnen am Arbeitsmarkt deutlich erhöht und ein wichtiger Beitrag zur Abdeckung des Personalbedarfs der Wirtschaft geleistet.“

Ausbildung und Wiedereinstieg

So hat auch das AMS ein spezifisches auf Frauen ausgerichtetes Programm entwickelt, welches über die sonstigen Förderungen und Angebote des Dienstleistungsunternehmens hinausgeht. Dazu zählt etwa das Qualifizierungsprogramm „Frauen in Handwerk und Technik“, welches Frauen und Mädchen den Einstieg in gut bezahlte und zukunftssichere, technische Berufszweige ermöglicht. Das Beratungsangebot „Wiedereinstieg mit Zukunft“ hingegen richtet sich an jene, die nach längerer Erwerbsunterbrechung, etwa in Form einer Elternkarenz, Unterstützung bei ihrem Wiedereinstieg in den Arbeitsmarkt brauchen. Beratungen in den Bereichen Berufsorientierung, Aus- und Weiterbildung oder Höherqualifizierung gibt es in den bereits zu Anfang erwähnten Vorarlberger Frauenberufszentren.