Arbeitssuche mit Handicap: Große Ziele gegen alle Widerstände

Christian König weiß als Rollstuhlfahrer um besondere Herausforderungen am Arbeitsmarkt. Mit der NEUE am Sonntag sprach er über seine Erfahrungen und was sich im Umgang mit Handicaps ändern muss.
“Wenn du etwas erreichen möchtest, dann muss eine vernünftige Ausbildung her.” In diesem einen Satz wird die Haltung von Christian König deutlich: Obwohl er auf einen Rollstuhl angewiesen, war er sich stets seiner eigenen Verantwortung bewusst. Von Selbstmitleid hält er nichts.
“Ich wollte eigentlich Mediengestalter, Medienfachmann werden. Ich hatte bereits einen Lehrbetrieb, der mich ausbilden wollte.” Doch kurz vor der Unterschrift ging das Unternehmen in Konkurs. Was König allerdings nicht davon abhielt, selbst in seine Zukunft zu investieren. Dementsprechend facettenreich präsentiert sich sein Werdegang: Bürokaufmann mit Schwerpunkt Informationstechnologie, diplomierte Ausbildungen in Digitalmarketing- und Social-Media-Management sowie Grafik- und Mediendesign.
Vorurteile
Zugleich sieht sich König, der bereits längere Zeit eine unbefristete Anstellung sucht, einer harten Realität gegenüber: “Meiner Meinung nach spielt es eine sehr, sehr große Rolle, dass ich im Rollstuhl sitze. Wenn es um das Thema Behinderung geht, haben viele Arbeitgeber Vorurteile.”

Dementsprechende Erfahrungen hat er genug gemacht. Manche Arbeitgeber seien der Ansicht, dass Menschen mit körperlichen Einschränkungen nur krank seien, keine Leistung bringen, viel kosten oder das Unternehmen übertrieben hohe Förderungen erhalten sollte. Besonders markant sei der Gedanke mancher Menschen, dass mit einer körperlichen Beeinträchtigung eine geistige einhergehe. Er habe schon öfter beweisen müssen, dass “im Oberstübchen alle Zahnräder funktionieren”.
Nicht nur das, auch sein Durchhaltevermögen wird angezweifelt. Es sei schon vorgekommen, dass Personaler ihn im Bewerbungsgespräch fragen: “Herr König, halten Sie das durch, einen ganzen Tag zu arbeiten?” Als König das erzählt, schüttelt er den Kopf. Bereits im ersten Satz seines Bewerbungsschreibens stehen seine Erfahrungen. Dazu zählt auch, dass er über acht Jahre in der Verwaltungstechnik für den Backoffice-Bereich eines Pflegeheimes verantwortlich war. Und er betont: “Lieber arbeite ich acht Stunden als halbtags.”
Bewusstseinsbildung
König wünscht sich stärkeres Bewusstsein innerhalb der Wirtschaft und in Unternehmen – für alle Menschen mit körperlichen Einschränkungen. Er betont: “Menschen mit Beeinträchtigung haben auch eine normale, reguläre Ausbildung für den Arbeitsmarkt. Es muss klar sein, wenn jemand zu einem Vorstellungsgespräch kommt, sich um einen Job bewirbt, schlussendlich am Monatsende seinen Lebensunterhalt bestreiten muss.”
Mit dem Wunsch allein ist es für König nicht getan. Er schlägt Lösungen vor, nicht zum ersten Mal. So verfasste der 40-Jährige beispielsweise in seiner Ausbildung zum Digitalmarketing und Social-Media-Management innerhalb seiner Diplomarbeit ein eigenes Unternehmenskonzept mit dem Schwerpunkt Inklusion.

Ein wichtiges Thema sieht Christian König vor allem hinsichtlich der persönlichen Assistenz. Er selbst ist in seinem Alltag weitestgehend selbständig, fährt auch Auto, doch andere Menschen brauchen mehr Unterstützung. Daher hofft er auf einen flächendeckenden Ausbau für persönliche Assistenzdienstleistungen. Derzeit sei das Vorarlberger Unterland da wesentlich besser aufgestellt. Ihm ist bewusst, dass nicht jeder Mensch mit körperlichen Einschränkungen mobil ist.
Positive Erfahrungen
Bei aller Kritik bleibt Christian König stets fair. Er sieht vor allem bei der jüngeren Generation eine positive Entwicklung. Diese gehe viel offener mit dem Thema körperliche Beeinträchtigung um, habe weniger Berührungsängste. Besonders positiv hat er das in seiner Ausbildung in Grafik- und Mediendesign erlebt. Seine Vorstellung von Inklusion ist vollkommen klar.
“Inklusion ist für mich erreicht, wenn ein Mensch, der eine Behinderung hat, in seinem Umfeld dazu stehen kann. Wenn man nicht lange darüber nachdenken muss, ob ich mich schämen oder verbiegen muss, wenn ich das oder das machen will. Das wäre für mich eigentlich Inklusion.”
Selbstbestimmung
Allen Hindernissen zum Trotz bezeichnet sich Christian König als Optimisten. Natürlich sei es an manchen Tagen schwer aufzustehen, Stellenanzeigen zu lesen, Bewerbungen zu schreiben. Doch der 40-Jährige betont zwei enorm wichtige Motivationsfaktoren: seine Familie und seine großen Ziele.
Seiner Ansicht nach ist die Unterstützung einer guten Familie entscheidend, egal, wie viel ein Mensch mit Handicap in Eigenregie vollbringt. Dabei blickt er mehrfach zu seinem Vater, der neben ihm am Tisch sitzt. Dieser sei für ihn immer ein besonders großer Rückhalt gewesen, habe ihm jede Aus- und Weiterbildung ermöglicht.
Sein größtes Ziel stellt dennoch ein selbständiges Leben in einer eigenen Wohnung dar. Die Grundlage dafür ist klar: Eine Arbeit zu finden, die ihm diese Unabhängigkeit erlaubt, wo er seine Qualifikationen einbringen kann. Selbstverständlich sieht Christian König seinen Wunsch in einem größeren Kontext und sagt mit Augenzwinkern: “Vielleicht gibt es ja eine Möglichkeit, wo man die Stellenausschreibung nicht so hundertprozentig erfüllt, aber ein Unternehmen findet, das um die Ecke denkt.”