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ATIB-Obmann zu Moscheeplänen in Dornbirn: “Wünschen uns respektvolle Diskussion”

25.09.2026 • 18:30 Uhr
ATIB-Obmann zu Moscheeplänen in Dornbirn: "Wünschen uns respektvolle Diskussion"
Ramazan Kocaman, Obmann der ATIB Dornbirn: „Das bestehende Gebetshaus stößt an seine Grenzen.“ Stiplovsek, PRIVAT

Dornbirns ATIB-Obmann Ramazan Kocaman über die Pläne für neues islamischen Kulturzentrum, die Kritik der Stadt Dornbirn und die weitere Entwicklung des Projekts. Am Architekturwettbewerb könnte es sich spießen, denn daran hält Bürgermeister Fäßler weiterhin fest.

Warum braucht Dornbirn eine neue Moschee?
Ramazan Kocaman: Die bestehende Moschee begleitet unsere Gemeinde seit vielen Jahren und erfüllt ihre Aufgabe mit großem Engagement. Gleichzeitig besteht schon länger der Wunsch, die bestehende Situation einer umgebauten Lagerhalle zu verändern und einen zeitgenössischen, einladenden Neubau zu errichten. Außerdem bedeutet eine wachsende Mitgliederzahl einen erhöhten Raumbedarf. Mit dem neuen Kulturzentrum möchten wir einen offenen, zeitgemäßen und qualitätsvollen Ort schaffen, der Kultur und Begegnung unter einem Dach vereint und sowohl unseren Mitgliedern als auch der gesamten Stadtgesellschaft offensteht.

Wie beurteilen Sie die von der Stadt Dornbirn formulierten Voraussetzungen, insbesondere den projektbegleitenden Dialog, den Architekturwettbewerb und die notwendige Sonderwidmung?
Kocaman: Wir begrüßen ausdrücklich den Dialog mit der Stadt Dornbirn und sehen darin eine wichtige Grundlage für die weitere Entwicklung des Projekts.

ATIB-Obmann zu Moscheeplänen in Dornbirn: "Wünschen uns respektvolle Diskussion"
ATIB DORNBIRN will am bestehen Platz eine neue Moschee bauen. Stoplovsek

Stadtplaner Martin Assmann erklärte, dass die ATIB über die Forderung nach einem Architekturwettbewerb nicht erfreut gewesen sei. Ist dem so?
Kocaman: Unser Verein hat sich nach einem sorgfältigen Entscheidungsprozess bewusst für die Beauftragung des Architekturbüros Mimar Kemal entschieden. Die bisherige Zusammenarbeit verläuft äußerst positiv und bildet die fundierte Grundlage für die weitere Entwicklung und Umsetzung des Projekts gemeinsam mit dem Büro unter der Leitung des gebürtigen Dornbirner Architekten Kemal Cansız.

Aber die Stadt Dornbirn meint, dass ihr vorgelegter Erstentwurf nicht umsetzbar sei.
Kocaman: Die Rückmeldungen der Stadtplanung und des Stadtplanungsbeirats haben wir bereits ernst genommen und in den vergangenen Monaten intensiv in die laufende Planung eingearbeitet. In Gesprächen wurden unterschiedliche Lösungsansätze erörtert und die städtebauliche Konzeption entsprechend weiterentwickelt. Das Projekt wurde entsprechend den Wünschen neu positioniert, die Freiräume überarbeitet und die architektonische Ausgestaltung ist in wesentlichen Punkten weiter gereift.

ATIB-Obmann zu Moscheeplänen in Dornbirn: "Wünschen uns respektvolle Diskussion"
Dornsbirns Stadtchef Markus Fäßler (SPÖ): “An der Haltung der Stadt hat sich nichts geändert”. Hartinger

BÜRGERMEISTER HÄLT AN WETTBEWERB FEST

Die unterschiedlichen Vorstellungen von ATIB und Stadt Dornbirn dürften beim geplanten Moscheebau noch für einige Diskussionen sorgen. Vor allem beim Thema Architekturwettbewerb gehen die Vorstellungen auseinander. Während ATIB-Obmann Ramazan Kocaman auf das bereits beauftragte Büro und die bisherige Zusammenarbeit verweist (siehe Interview), hält Bürgermeister Markus Fäßler (SPÖ) auf NEUE-Anfrage klar an einem Architekturwettbewerb fest.

Die Haltung der Stadt habe sich nicht geändert, sagt der Stadtchef. Eine Weiterentwicklung des bestehenden Standorts in der Quellengasse sei grundsätzlich möglich. Ebenso klar sei aber, dass das bisher von der ATIB präsentierte Projekt in dieser Form nicht umgesetzt werden könne. Das betrifft laut Fäßler sowohl die geplante Größenordnung als auch wesentliche Fragen der architektonischen und städtebaulichen Ausgestaltung

Nun soll weiter geredet werden. Fäßler hat den ATIB-Vorstand zu einem Gespräch eingeladen. In den kommenden Wochen sollen die Anforderungen der Stadt und die weitere Vorgangsweise abgestimmt werden. Voraussetzung bleibt zudem ein gemeinsamer Prozess mit ATIB, Anrainern, weiteren Betroffenen und der Politik. Dabei soll auch geklärt werden, welche Funktionen ein künftiges Kultur- und Gebetszentrum übernehmen kann und wie es sich in das Quartier einfügt.
Parallel dazu müssen die städtebaulichen und raumplanerischen Rahmenbedingungen geklärt werden. Damit werden sich in den kommenden Wochen und Monaten auch die zuständigen politischen Gremien beschäftigen.

Welche Funktionen soll das geplante Kulturzentrum neben dem Gebetsraum erfüllen? Sind Bildungs-, Integrations- oder andere Angebote vorgesehen?
Kocaman: Das Kulturzentrum soll weit mehr sein als ein Gebetsort. Vorgesehen sind unter anderem Räume für Bildungsangebote, Jugendarbeit, Familienangebote, kulturelle Veranstaltungen, Begegnungen, Vorträge, Seminare sowie ein Aufenthaltsbereich. Ziel ist ein offenes Haus des Austauschs und der Begegnung.

Der Neubau soll für bis zu 400 Personen ausgelegt sein. Weshalb wurde diese Größe gewählt? Wie viele Personen passen in das bestehende Gebetshaus?
Kocaman: Die endgültige Auslegung der Größe wird im Zuge der weiteren Planung festgelegt. Sie orientiert sich am tatsächlichen Bedarf unserer Gemeinde, insbesondere an den hohen Besucherzahlen bei den Freitagsgebeten sowie an religiösen Festtagen. Das bestehende Gebetshaus verfügt über deutlich geringere Kapazitäten und stößt bereits heute regelmäßig an seine Grenzen.

ATIB-Obmann zu Moscheeplänen in Dornbirn: "Wünschen uns respektvolle Diskussion"

Im Vorentwurf war laut Stadt eine Stele als sakrales Symbol vorgesehen. Welche Bedeutung hat dieses Element aus Sicht der ATIB und wären Sie bereit, darauf zu verzichten?
Kocaman: Unser Ziel ist es, eine Moschee zu errichten, die sowohl ihrer religiösen Bedeutung als auch ihrer städtebaulichen Verantwortung gerecht wird. Die Architektur versteht sich als zeitgemäße Interpretation islamischer Baukultur im Dialog mit der regionalen Baukunst Vorarlbergs. Typologische Elemente wie Kuppel, Arkaden oder auch ein Turm werden dabei nicht als historische Zitate verstanden, sondern in eine eigenständige architektonische Sprache übersetzt, die Identität stiftet und zugleich einen Mehrwert für das Stadtbild schafft. Im Mittelpunkt steht für uns stets die Gesamtqualität des Projekts und nicht die isolierte Betrachtung einzelner Gestaltungselemente.

Was möchten Sie den Dornbirnerinnen und Dornbirnern mit Blick auf die noch zu erwartende Diskussion rund um das Bauvorhaben mitgeben?
Kocaman: Wir wünschen uns eine sachliche und respektvolle Diskussion. An diesem Standort besteht seit vielen Jahren bereits eine Moschee. Das geplante Projekt entwickelt den bestehenden Standort städtebaulich, architektonisch und freiräumlich grundlegend weiter und schafft ein deutlich qualitätsvolleres Gesamtkonzept mit mehr Offenheit, Transparenz und einer stärkeren Einbindung in das Stadtbild. Das geplante Kulturzentrum soll ein offener Ort der Begegnung werden und einen positiven Beitrag für Dornbirn leisten. Uns ist wichtig, zuzuhören, Fragen offen zu beantworten und den Dialog mit der Bevölkerung zu führen. Wir sind überzeugt, dass das neue Kulturzentrum einen positiven Beitrag zum Zusammenleben leisten und sich als Ort des Dialogs und des gegenseitigen Respekts in Dornbirn etablieren wird.