ADA unterstützt Vieh- und Obstsektor in Armenien

02.11.2026 • 05:00 Uhr
ADA unterstützt Vieh- und Obstsektor in Armenien

Armenien ist seit 2011 Schwerpunktland der heimischen Entwicklungszusammenarbeit. Der Fokus liegt auf nachhaltiger Entwicklung ländlicher Regionen und verbesserten Lebensbedingungen für die rund drei Millionen Einwohner. Insgesamt fördert die Agentur der Österreichischen Entwicklungszusammenarbeit und humanitären Hilfe (ADA) 13 Projekte mit knapp 26,8 Millionen Euro. Am Rande der UNO-Artenschutzkonferenz besuchte Umweltminister Norbert Totschnig (ÖVP) zwei Initiativen.

Eine gute halbe Stunde im Auto vom Stadtzentrum der armenischen Hauptstadt Jerewan entfernt befindet sich das Internationale Zentrum für Forschung und Ausbildung im Agrarwirtschaftsbereich (ICARE). Das von Österreich unterstützte Projekt mit einer Laufzeit von November 2024 bis Oktober 2027 soll den Obst- und Weinbausektor im Land fördern. Das gesamte Budget dafür beträgt 1,26 Millionen Euro, die ADA trägt mit 1,2 Millionen Euro den größten Teil dazu bei. Bereits in der Vergangenheit gab es Kooperationen. Noch vor ihrer Auflösung durch Präsident Donald Trump finanzierte die US-Agentur für Entwicklungszusammenarbeit (USAID) die Gebäude und die Infrastruktur am Zentrum.

Projekt soll strukturelle Änderung im Land bringen

“Es ist ein eher ungewöhnliches Projekt, weil wir nicht einzelne Landwirte direkt unterstützen, sondern über das Zentrum strukturelle Änderungen erwirken wollen”, meinte ADA-Projektleiter Erwin Künzi, der in der Agentur für Georgien und Armenien zuständig ist. Das Zentrum bietet Ausbildungen zum effizienten Obstbau an, erstellt Handbücher und E-Learning-Inhalte, gibt Workshops und geht auch in Schulen. Rund 1.800 Studierende sowie Bäuerinnen und Bauern profitieren davon.

“Wir wollen junge Menschen für die Landwirtschaft begeistern”, sagte Susanna Mezhlumyan, Vize-Präsidentin von ICARE. Zudem wurde eine klimafreundliche Demonstrationsplantage eingerichtet, die mittlerweile als nationale Lehrinstitution genutzt wird. Zuletzt ist eine Tröpfchenanlage eingebaut worden, um zu zeigen, wie der Wasserverbrauch für Landwirte minimiert werden kann.

Die Zusammenarbeit mit der armenischen Landwirtschaftsuniversität und Input der Universität für Bodenkultur Wien sollen moderne Lehrpläne, geschultes Lehrpersonal, Demonstrationsmaterialien und digitale Ressourcen, die über die Projektlaufzeiten hinaus Bestand haben, ermöglichen.

Österreichisches Fleckvieh im armenischen Stall

Wenige Kilometer vom Zentrum für Obst- und Weinbau und viele unbefestigte Straßen mit Schlaglöchern entfernt befinden sich seit kurzem 32 österreichische Fleckvieh-Kalbinnen im Stall von Khachatur Hovsepyan und seiner Frau Gayane Gkorenyan. In ihrem Viehzuchtbetrieb soll ein Schwerpunkt auf der Verbesserung der genetischen Qualität und Produktivität der Tiere liegen, auch wenn es bei den Standards im Vergleich zu Österreich noch Luft nach oben gibt. Der Betrieb gilt als ein Vorzeigebeispiel für das Projekt namens INLIMA. Vor fünf Jahren gründete das Paar, das eigentlich eine Ausbildung als IT-Techniker hat, auf einer zuvor brachliegenden Fläche den Viehzuchtbetrieb.

Das seit September 2025 bis April 2029 laufende ADA-Programm finanziert weder den Ankauf noch den Transport der Tiere. Die 2,93 Millionen Euro teure Initiative, die mit 2,1 Millionen Euro von ADA unterstützt wird, ermöglicht Studienreisen nach Österreich und stellt Kontakte und Kooperationen zwischen armenischen Landwirten und österreichischen Züchtern her.

Laut Projektbeschreibung sind rund 7.800 Haushalte bzw. Bauernbetriebe direkt von dem Projekt begünstigt, für dessen Durchführung die armenische Nichtregierungsorganisation und Wirtschaftsberatung SDA zuständig ist. “Wir wollen versuchen, Bio-Fleisch anzubieten und mit der besseren Qualität der Kühe deutlich mehr Milch pro Tier zu gewinnen”, sagte Gkorenyan.

Initiative soll Einkommen erhöhen

Die Viehwirtschaft ist ein zentraler Wirtschaftszweig in den ländlichen Regionen Armeniens. Viele Betriebe stehen jedoch vor Herausforderungen wie unzureichender Infrastruktur für die saisonale Weidewanderung, begrenztem Zugang zu modernen Züchtungsmethoden und einer noch wenig entwickelten Vermarktung von Fleisch- und Milchprodukten, hieß es in der Projektbeschreibung. Hier will die Unterstützung aus Österreich ansetzen und die Wettbewerbsfähigkeit wie die Qualität der tierischen Produkte erhöhen.

Am Ende soll ein erhöhtes Einkommen – in Armenien lag das Brutto-Jahreseinkommen 2024 laut dem deutschen Statistischen Bundesamt bei nicht einmal 7.000 Euro – und bessere Lebensgrundlagen ländlicher Haushalte stehen.

“Die Projekte der österreichischen Entwicklungsagentur leisten vor Ort einen wichtigen Beitrag, um beispielsweise die Ausbildung von Tierärztinnen und Tierärzten zu verbessern, umwelt- und klimafreundlich zu produzieren und die Frauen in der Landwirtschaft zu stärken”, sagte Totschnig.