Ärzte ohne Grenzen: Israel-Kritik nach Tod von Mitarbeitern

21.08.2026 • 13:23 Uhr
Ärzte ohne Grenzen: Israel-Kritik nach Tod von Mitarbeitern

Nachdem Israel strafrechtliche Ermittlungen zu Tötungen von Medizinern der Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen eingestellt hat, kommt von der Organisation scharfe Kritik. Die israelischen Angriffe in den Jahren 2023 und 2024 töteten vier Personen und verletzten sechs weitere im Gazastreifen. Für die Opfer gebe es im israelischen Rechtssystem “keine Aussicht auf Rechenschaft”, betonte Ärzte ohne Grenzen am Freitag in einer Presseaussendung.

Das gelte auch für den “anhaltenden Genozid” an Palästinensern. Die “eindeutige Verantwortung” für die Tötung von Mitarbeitern von Ärzte ohne Grenzen läge beim israelischen Militär. Die Mitarbeitenden seien als Teil eines Konvois in Gaza-Stadt, sowie in einer Unterkunft der Organisation attackiert worden. “Ihre Standorte wurden mitgeteilt. Ihre Fahrzeuge waren als solche von Ärzte ohne Grenzen gekennzeichnet.”

Der Generalanwalt des israelischen Militärs hatte am Mittwoch die Einstellung von Strafverfahren zur Tötung der Mitarbeiter bekannt gegeben. Wie die “Times of Israel” berichtete, bearbeitete zunächst ein militärisches Gremium zur Untersuchung ungewöhnlicher Vorfälle im Kriegsverlauf die Fälle und übergab die Ergebnisse dem Generalanwalt. Dieser entschloss sich gegen die Einleitung eines Strafverfahrens.

“Zwei Jahre des Schweigens”

Bereits vor zwei Jahren hatte Ärzte ohne Grenzen eine Untersuchung der Vorfälle angefordert. “Zwei Jahre des Schweigens, gefolgt von Erklärungen, die mehr Fragen als Antworten aufwerfen, sind inakzeptabel,” hieß es vonseiten der Hilfsorganisation. Allerdings sei die Reaktion des israelischen Militärs “nicht überraschend”. Denn eine interne militärische Überprüfung könnte nicht eine unabhängige Rechenschaftspflicht ersetzen. “Es handelt sich um das vorhersehbare Ergebnis eines Militärapparats, der gegen sich selbst ermittelt: es ist ein System, das sich als unwillig erwiesen hat, auf das Ausmaß der Verstöße zu reagieren, die möglicherweise Kriegsverbrechen darstellen.”

Nach Angaben von Ärzte ohne Grenzen wurden seit Oktober 2023 insgesamt 15 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Organisation im Gazastreifen von israelischen Streitkräften getötet. Sie würden allerdings nur einen Bruchteil der 1.700 Mitarbeitenden im Gesundheitswesen darstellen, die in dieser Zeit starben.