AK: Arbeitskräftemangel in Gastro und Hotellerie hausgemacht

05.05.2022 • 13:43 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
AK: Arbeitskräftemangel in Gastro und Hotellerie hausgemacht

Die Arbeiterkammer sieht die Personalproblematik in der Gastronomie und Hotellerie großteils hausgemacht. Als “bequeme Ausrede” für die hausgemachten Probleme diene der vermeintliche allgemeine Fachkräftemangel, kritisierte AK-OÖ-Präsident Andreas Stangl am Donnerstag. Gründe seien hingegen niedrige Löhne und Gehälter, eine geringe Arbeitszufriedenheit, die höchste Quote an Lehrabbrüchen und viele Verstöße gegen das Arbeitsrecht.

Insgesamt 44,6 Prozent der Lehrlinge in diesem Bereich würden die Lehre vorzeitig abbrechen oder nicht positiv abschließen. Das Medianeinkommen in Österreich sei 2020 bei 2.435 Euro brutto im Monat gelegen. Beschäftigte in der Gastro- und Hotelbranche hätten hingegen 2020 ein Medianeinkommen von 1.650 Euro brutto gehabt, zeigt eine Analyse der AK.

Beim Arbeitsklimaindex der Arbeiterkammer kommen die Gastro- und Hotelbranche regelmäßig nicht besonders gut weg. Zeit- und Arbeitsdruck sowie schlechte Gesundheitsbedingungen werden demnach als belastend gesehen. Die im Gastronomie- und Tourismusbereich üblichen Arbeitszeiten mit häufigen Nacht- bzw. Wochenenddiensten erschweren die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben. Auch die fehlende Planbarkeit von Dienstzeiten macht den Beschäftigten zu schaffen.

Arbeitsrechtliche Verstöße würden an der Tagesordnung stehen, kritisiert die AK. Mit Ausnahme des Coronajahres 2021 hatte die Branche in den letzten Jahren den größten Anteil an Rechtsakten in der Arbeiterkammer Oberösterreich. In den Jahren 2013 bis 2020 seien jeweils pro Jahr rund 15 Prozent aller abgeschlossenen Rechtsakte auf den Bereich der Gastronomie und Hotellerie gefallen, obwohl nur drei Prozent der unselbstständig Beschäftigten in Oberösterreich in dieser Branche arbeiten würden. “Beanstandungen durch das Arbeitsinspektorat kommen in der Branche sehr häufig vor”, zeigt die Analyse. Das Zentral-Arbeitsinspektorat hat demnach für die Zeit vor der Coronapandemie (2019) in Österreich 3.544 Übertretungen im Bereich der Arbeitszeitregelungen festgestellt, von denen 1.155 auf die Gastronomie und Hotellerie entfielen.

Heuer im März waren laut Arbeitsminister Martin Kocher um 9.000 Menschen weniger im Tourismus beschäftigt als im März 2019. Die Pandemie habe den Fachkräftemangel empfindlich verschärft, hieß es erst diese Woche auf dem ÖHV-Kongress. Gleichzeitig verwies Kocher auf die hohe Wechseldynamik, die auch schon vor der Pandemie für die Branche kennzeichnend war. Laut Arbeiterkammer wünschen sich derzeit mehr als 22 Prozent der Beschäftigten in diesem Bereich einen vollständigen Wechsel des Berufes, das sind fast doppelt so viele wie in anderen Berufen (12,7 Prozent).

Die Arbeitnehmervertreter fordern unter anderem eine bessere Bezahlung im Gastronomie- und Tourismussektor sowie Änderungen im Arbeitszeit- und Arbeitsruhegesetz. Geht es nach der AK, sollen Unternehmen im ersten Monat der Arbeitslosigkeit die Kosten für das Arbeitslosengeld übernehmen. Damit könne der Praxis des kurzfristigen Kündigens und Wiedereinstellens entgegengewirkt und Anreize für längere Beschäftigungsverhältnisse geschaffen werden.

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