Andrea Pier übernimmt VBW-Spitze von Franz Patay

05.10.2026 • 11:28 Uhr
Andrea Pier übernimmt VBW-Spitze von Franz Patay

Die Vereinigten Bühnen Wien bekommen eine neue Geschäftsführerin. Andrea Pier folgt mit 1. Dezember auf den Langzeitamtsinhaber Franz Patay, der seit 2016 an der Spitze des Unternehmens stand. Damit wird der Mutterkonzern des Musiktheaters an der Wien sowie der beiden Musicalpaläste Raimund Theater und Ronacher erstmals offiziell von einer Frau geleitet. Pier hatte zuletzt als Managing Director das Projekt Kulturhauptstadt Chemnitz 2025 mitverantwortet.

Allerdings kann Pier auch im Bühnenbetrieb auf Erfahrungen verweisen, hatte sie davor doch zwei Jahrzehnte in leitenden Funktionen beim Großkonzern Stage Entertainment gearbeitet. Sie war unter anderem Leiterin des Theaters des Westens in Berlin und für das Tourgeschäft zuständig. Damit setzte sie sich im Bewerbungsprozess gegen 18 Mitbewerberinnen und -bewerber durch und hat nun einen Fünf-Jahres-Vertrag erhalten.

Freude als Motto

“Freude” sei wohl das am häufigsten verwendete Wort des Tages, zeigte sich die designierte Chefin verständlich beglückt von der Entscheidung. Sie werde am 1. Dezember in Wien mit großem Tatendrang starten. Die Sparvorgaben für die VBW angesichts des Wiener Budgetlochs seien ihr mit Erfahrung im Privatsektor vertraut: “Wichtig ist immer, dass man die richtigen Weichen stellt, um weiterhin die künstlerische Exzellenz hochzuhalten.” Auch das im Bau befindliche private “Theater im Prater” als zusätzliche Musicalbühne in Wien bereite ihr keine Sorgen. Und auch an der Budgetverteilung innerhalb der Vereinigten Bühnen zwischen Oper und Musical wolle sie derzeit nicht rütteln: “Ich sehe jetzt erst mal keine Not, etwas zu verändern.”

Der Wechsel nach Wien stellt für Pier gewissermaßen eine Rückkehr dar. Ihr Studium der Theaterwissenschaft hatte die am 7. Oktober 1969 in Bielefeld geborene Tochter einer Linzer Operettensoubrette zuvor an der Universität Wien absolviert. “Ich habe irgendwann auch studiert, ganz viel war ich aber im Theater und im Kaffeehaus”, umriss die deutsch-österreichische Doppelstaatsbürgerin ihr Werden.

Politik erfreut über “geballte Frauenpower”

Wiens Finanzstadträtin Barbara Novak (SPÖ) freute sich über die “geballte Frauenpower” an der Spitze eines Kernunternehmens der ihr unterstehenden Wien-Holding. Deren Geschäftsführerin Karin Ramser hob die Kommunikationsfähigkeit und das empathische Führungsverständnis der neuen VBW-Chefin hervor und verwies auf das einstimmige Votum der Hearingkommission.

“Die Vita von Andrea Pier ist wirklich beeindruckend und umfasst alle Facetten, die wir in diesem sehr komplexen Unternehmen brauchen”, zeigte sich auch Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler (SPÖ) als ehemalige Studienkollegin der neuen VBW-Geschäftsführerin enthusiasmiert.