Mehr Arbeitslose im April – Frauen besonders betroffen

04.05.2026 • 11:40 Uhr

Die Lage am österreichischen Arbeitsmarkt bleibt weiterhin angespannt. Ende April waren 398.342 Menschen beim Arbeitsmarktservice (AMS) arbeitslos oder in Schulung gemeldet. Das entspricht einem Anstieg von 1,5 Prozent beziehungsweise 5.711 Menschen gegenüber dem Vorjahresmonat. Die nationale Arbeitslosenquote erhöhte sich um 0,1 Prozentpunkte auf 7,5 Prozent. Der Zuwachs betrifft laut AMS-Daten im April ausschließlich Frauen.

“Während der Bau rückläufige Arbeitslosenzahlen aufweist und auch die Industriearbeitslosigkeit sich weitestgehend stabilisiert hat, steigt die Arbeitslosigkeit im Handel und im Gesundheits- und Sozialwesen, also in zwei Bereichen, in denen überwiegend Frauen beschäftigt sind, noch deutlich”, sagte AMS-Chef Johannes Kopf am Montag laut Mitteilung. Dementsprechend stieg die Zahl der vorgemerkten Frauen inklusive Schulungsteilnehmerinnen um 4,9 Prozent, bei den Männern gab es hingegen einen Rückgang von 1,6 Prozent.

Mehr als 103.000 Menschen finden lange keinen Job

Die derzeit größte Herausforderung stellt die Langzeitbeschäftigungslosigkeit dar. Ende April waren 103.322 Menschen längerfristig ohne Job, was einem deutlichen Plus von 13,3 Prozent entspricht. Die durchschnittliche Dauer der Arbeitslosigkeit hat sich um 10 Tage auf 134 Tage verlängert.

Neben den Arbeitslosenzahlen gibt es parallel auch erste Anzeichen einer Konjunkturerholung. Die Zahl der unselbstständig Beschäftigten erhöhte sich im Jahresvergleich schätzungsweise um 23.000 auf knapp 3,96 Millionen Verhältnisse. Der Zugang an neuen offenen Stellen wies mit einem Plus von 5,9 Prozent ebenfalls Zeichen einer leichten Belebung auf. Arbeitsministerin Korinna Schumann (SPÖ) will trotz des allgemeinen Spardrucks gezielt auf Offensivmaßnahmen ​für den Arbeitsmarkt setzen. “Niemand darf zurückgelassen werden”, so die Ministerin laut Mitteilung.

SPÖ-Sozialsprecher Josef Muchitsch verwies auf Mittel im geplanten Doppelbudget sowie auf die “Aktion 55 Plus” für ältere Arbeitsuchende. Gewerkschaftsbund (ÖGB) und Arbeiterkammer (AK) warnten vor Einsparungen bei der aktiven Arbeitsmarktpolitik. ÖGB-Bundesgeschäftsführerin Helene Schuberth und AK-Präsidentin Renate Anderl forderten stattdessen Investitionen in Qualifizierungsmaßnahmen, um den Wirtschaftsstandort zu sichern und Menschen nicht dauerhaft aus dem Arbeitsmarkt zu drängen.

Vonseiten der Wirtschaft pochte Wirtschaftsbund-Generalsekretärin Tanja Graf, die auf über 163.000 offene Stellen im Wirtschaftsbund-Stellenmonitor verwies, auf die rasche Umsetzung der Lohnnebenkosten-Senkungen und erteilte neuen Steuern eine Absage.

Kritik von der Opposition

Kritik an der Regierung kam von der Opposition. FPÖ-Sozialsprecherin Dagmar Belakowitsch bezeichnete die Regierungslinie als “unsozialen Raubzug”, der durch Einsparungen bei Geringverdienern und höhere Lohnnebenkosten für über 60-Jährige gezielt die Schwächsten treffe. Der Arbeitssprecher der Grünen, Markus Koza, machte wiederum Kürzungen im Sozialbereich und die Abschaffung der Bildungskarenz für die gestiegene Frauenarbeitslosigkeit verantwortlich. Er forderte zur Stärkung der sozialen Infrastruktur Erbschaftssteuern für Millionäre statt der Lohnnebenkostensenkung.