Asmik Grigorian brillierte in Grafenegg

Im Wolkenturm von Grafenegg hat das Tonkünstler-Orchester NÖ unter der Leitung seines Chefdirigenten Fabien Gabel am Freitagabend einen weit gespannten Bogen von Italianità bis Richard Strauss gezogen. Star des Abends war die Sopranistin Asmik Grigorian mit zwei markanten Auftritten.
Der erste Teil des Konzerts war ganz italienisch ausgerichtet. Von Respighis “Fontane di Roma”, klangschön, aber dramaturgisch zum Einstieg nicht unbedingt der große Burner, über Bellinis “Casta diva” aus “Norma” – Grigorian imponierte mit subtiler Stimmführung und verlässlicher Höhensicherheit – bis zu Ballettmusik aus Verdis “Macbeth”.
Nach der Pause stand das Salome-Thema ganz im Fokus. Zunächst eine Entdeckung: Mél Bonis (eigentlich Melanie Bonis) lebte von 1858 bis 1937. Ihr Werk wird erst seit Beginn des 21. Jahrhunderts wieder geschätzt und aufgeführt. “Salomé” steht in der Tradition der Impressionisten, war ursprünglich für Klavier geschrieben und wurde von Bonis schließlich orchestriert. Zwei Tage zuvor hatten die Münchner Philharmoniker ein hörenswertes Stück von Louise Farrenc im Programm. Komponistinnen der Vergessenheit zu entreißen ist offenbar eine durchaus lohnende Aufgabe.
Grigorians furiose Salome zum Abschluss
Nach dem Schleiertanz aus der “Salome” von Richard Strauss dann das hochdramatische Opernfinale mit Grigorian (“Ah! Du wolltest mich nicht deinen Mund küssen lassen”), die im schwarz-roten Krampuskostüm eine furiose Wahnsinnsarie vom Stapel ließ. Vom üppig aufspielenden Orchester hätte man sich stellenweise etwas mehr dynamische Zurückhaltung gewünscht, selbst wenn Grigorians Stimmvolumen auch im Fortissimo durchdringt. Insgesamt eine beeindruckende, zu Recht akklamierte Darbietung.
Das vom ORF aufgezeichnete Konzert wird am Sonntag, 13. September, ab 20.15 Uhr auf ORF III ausgestrahlt sowie am Donnerstag, 8. Oktober, ab 19.30 Uhr auf Ö1 gesendet. Die Jubiläumssaison in Grafenegg endet am (morgigen) Sonntag mit einer Matinee der zwölf Cellisten der Berliner Philharmoniker sowie einem Konzert mit dem Orchestra Giovanile Luigi Cherubini. Dirigent Riccardo Muti musste seine Mitwirkung aus gesundheitlichen Gründen absagen, der scheidende künstlerische Festivalleiter Rudolf Buchbinder springt für ihn ein.
(Von Ewald Baringer)
(S E R V I C E – Grafenegg Festival: bis 6. September. Information: )