Billig-Airline Ryanair setzt Regierung Ultimatum

21.04.2026 • 12:18 Uhr
Billig-Airline Ryanair setzt Regierung Ultimatum

Europas größte Billigfluggesellschaft Ryanair erhöht den Druck auf die Regierung und den Flughafen Wien, die Kosten für den Flugbetrieb zu senken. Insbesondere die Flugverkehrsabgabe von 12 Euro ist Ryanair-Chef Michael O’Leary ein Dorn im Auge. “Wir fordern Bundeskanzler (Christian) Stocker und Verkehrsminister (Peter) Hanke erneut auf, ihre gescheiterte Hochsteuerpolitik aufzugeben”, sagt O’Leary am Dienstag in Wien.

Er fordert eine Entscheidung bis zum 1. Mai – dann sei Ryanair bereit, für neues Wachstum an Österreichs Flughäfen zu sorgen, insbesondere in Wien. Die Airline aus Irland greift dabei einmal mehr zu einer Strategie aus Zuckerbrot und Peitsche. Ryanair sei bereit, eine Summe von einer Milliarde US-Dollar (850 Mio. Euro) in Österreich zu investieren und damit das Passagieraufkommen bis 2030 um 70 Prozent auf 12 Millionen Personen jährlich zu erhöhen, unterstreicht O’Leary.

Die Fluggesellschaft würde auch die Zahl der beförderten Fluggäste an den Flughäfen in Salzburg, Linz und Klagenfurt steigern – auf rund eine Million, das entspreche einem Plus von 150 Prozent. Die Anzahl der angebotenen Strecken könnte um 40 auf insgesamt 130 steigen, die Zahl der Beschäftigten in Österreich um 300 auf gut 1.000.

“Österreich droht im internationalen Luftverkehr zurückzufallen”

Andernfalls droht die irische Billigairline indirekt mit weiteren Kürzungen des Flugangebots ab Wien. Ryanair hat bereits die Zahl der in Wien stationierten Flugzeuge von 19 auf 14 zurückgenommen, die angebotenen Routen sanken um neun auf 73. Offenbar als Anreiz nennt O’Leary den slowakischen Flughafen Bratislava, der wachse “wie eine Rakete”. Österreich drohe hier weiter zurückzufallen.

Länder wie die Slowakei, Ungarn, Italien oder Schweden hätten ihre Flugabgaben abgeschafft, in Deutschland habe es immerhin eine Senkung gegeben. Ryanair könne und werde für rasches Wachstum von Verkehr und Tourismus sorgen, ergänzt Andreas Gruber, Chef der Ryanair-Tochter Laudamotion. Voraussetzung dafür sei allerdings, dass “Österreich eine wettbewerbsfähige Kostenbasis bietet, wie sie derzeit in der Slowakei, Albanien und in italienischen Regionen gegeben ist”. Andernfalls sei “unvermeidlich, dass Österreich weiterhin Flugzeuge, Strecken, Passagieraufkommen und Arbeitsplätze an kostengünstigere Länder verlieren wird”.

Bei Kerosin sieht sich Ryanair für den Sommer “gut aufgestellt”

Vergleichsweise viel weniger Sorgen machen Ryanair-Chef O’Leary die Auswirkungen des Kriegs im Nahen Osten. Man habe bereits langfristig Flugzeugtreibstoff zum günstigen Preis von 50 Dollar je Fass (159 Liter) gekauft, sagt O’Leary. “Wir sind hier gut aufgestellt, das hat keine Auswirkungen auf den Sommerverkehr”. Knappheiten bei der Versorgung mit Kerosin könne man zwar nicht ausschließen, man halte das aber für wenig wahrscheinlich.

Es sei jetzt “Zeit für entschlossenes Handeln”, ein “Herumdoktern” an einer “Reform der schädlichen Luftverkehrssteuer” sei nicht ausreichend, appelliert O’Leary an die zuständigen Politiker, die er erneut als “sleepy Stocker” und “hopeless Hanke” bezeichnete – also als “verschlafen” und “hoffnungslos”. Zudem würde diese Abgabe dem Staatshaushalt nur 150 Mio. Euro bringen.

Flughafen Wien soll Wachstumsanreizprogramm wieder einführen

Mit einer bloßen Reduzierung der Flugverkehrsabgabe von 12 auf 10 oder 8 Euro werde sich Ryanair nicht zufriedengeben. Diese Abgabe habe bereits dazu geführt, dass Airlines wie Wizz, Level oder EasyJet Österreich verlassen hätten. Die größten Fluggesellschaften im Land, AUA und Ryanair, hätten ihre Kapazitäten zurückgefahren und Strecken eingestellt. Ohne Senkung der Gebühren würden weitere Gesellschaften abwandern.

Zudem will Ryanair eine Senkung der Flugsicherungsgebühren im Ausmaß von wenigstens 50 Prozent. Vom Flughafen Wien fordert O’Leary, frühere Wachstumsanreizprogramme wieder einzuführen. Ryanair-Chef O’Leary drängt zur Eile. Man benötige eine Entscheidung bis Anfang Mai, weil danach die Planungen für den Winterflugplan 2026/2027 beginnen würden.