Bozner Gericht wird nach Teileinsturz wieder aufgebaut

Nach dem Einsturz eines beträchtlichen Teils des Gerichtsgebäudes in Südtirols Landeshauptstadt Bozen Donnerstagfrüh vergangener Woche haben die Behörden am Freitag eine erste Bilanz gezogen und einen Ausblick gegeben. Der für den Hochbau zuständige Landesrat Christian Bianchi (Forza Italia) betonte bei einer Pressekonferenz, dass das Gebäude wieder aufgebaut und dann auch wieder als Landesgericht und Sitz der Staatsanwaltschaft dienen soll.
Die ersten Sicherungs- und Aufräumarbeiten waren bereits vergangene Woche angelaufen und dauerten weiter an. Kommende Woche soll ein Gerüst erstellt werden, um das Gebäude, das seit 2018 im Eigentum des Landes steht, zu stützen und anschließend Untersuchungen durchzuführen. Dann sollen die Planungen für den Wiederaufbau bzw. für eine eventuelle Sanierung der nicht eingestürzten Teile beginnen.
Zu den Ursachen des Teileinsturzes liefen weiter Ermittlungen der Staatsanwaltschaft. Bianchi erklärte auf APA-Nachfrage, dass derzeit Unterlagen gesammelt und eingesehen würden. Der Landesrat verwies auch darauf, dass das Land als Eigentümerin des Gebäudes eine geschädigte Partei sei und deshalb die Ermittlungen genauestens verfolge. Wie das Land bekanntgegeben hatte, waren in dem Gebäude vor dem Einsturz Umbau- und Erweiterungsarbeiten im Gange gewesen. Es habe sich um wichtige Arbeiten zur Verbesserung der Statik gehandelt, hieß es.
Lösung bei Ausweichquartieren
Bianchi erklärte am Freitag zudem, dass bereits eine Woche nach dem Teileinsturz Räumlichkeiten gefunden worden seien, um als Ausweichquartier zu dienen. Es müssten in der kommenden Woche nur noch die Verträge und alle anderen Formalitäten erledigt werden. Privatpersonen hätten 20 Ausweichmöglichkeiten angeboten, aus denen zunächst vier ausgesucht wurden und aus denen dann wiederum die nun ins Auge gefasste Lösung ermittelt wurde.
Gerichtspräsidentin Francesca Bortolotti unterstrich bei dem Pressegespräch, dass die Gerichtstätigkeit trotz des Einsturzes angedauert habe. Die Botschaft an die Bürger sei, dass “es weitergeht”. Bortolotti zeigte sich erleichtert, dass es “Gott sei Dank keine Opfer gegeben hat”. Noch am Tag des Einsturzes hätten drei für diesen Tag geplante Verhandlungen stattgefunden, die kurzfristig in die Räume des Oberlandesgerichts verlegt worden seien, berichtete die Gerichtspräsidentin. Das Oberlandesgericht sowie das Jugendgericht, welche anderswo untergebracht waren, hätten sofort die Kollegen des Landesgerichtes aufgenommen und seien zusammengerückt.
Ausweichquartiere stellten auch die Sanitätsbehörde sowie – während der Ferien – auch die Freie Universität Bozen zur Verfügung. Somit könne die als dringlich eingestufte Tätigkeit der Gerichtsämter aufrechterhalten werden. Dies sei auch in anderen Jahren während der Gerichtsferien im Sommer der Fall. Die Ferien würden nur um einen Monat bis Ende September verlängert. Mit 1. Oktober soll dann die reguläre Tätigkeit in den provisorischen Räumen wieder aufgenommen werden.
“Nur knapp verhinderte Tragödie”
Mindestens ein Viertel des Justizpalasts war kurz nach 6.20 Uhr plötzlich in sich zusammengefallen. Der aus vier Stockwerken bestehende mittlere Gebäudeteil mit Verhandlungssälen stürzte ein. Im Bereich hinter den Säulengängen des Landesgerichts klaffte ein Loch, Steine und Gebäudeteile lagen am Platz. Glück im Unglück: Im Gebäude befanden sich “nur” sechs Mitarbeiter einer Reinigungsfirma, von denen eine Frau von einem herabstürzenden Gebäudeteil getroffen und leicht verletzt wurde. Gerichtspersonal bzw. Mitarbeiter waren zu der Uhrzeit nicht zugegen. Rund 150 arbeiten normalerweise im Gerichtsgebäude. Generalstaatsanwalt Corrado Mistri sprach von einer “nur knapp verhinderten Tragödie”.