Bregenzer Festspiele: Konzertauftakt mit großem Jubel

Das Publikum im Bregenzer Festspielhaus hat am Montagabend die Aufführung der 9. Symphonie von Antonín Dvořák mit Standing Ovations gefeiert. Dass Dalia Stasevska bei ihrem Debüt am Pult der Wiener Symphoniker mit Werken der Komponistinnen Kaija Saariaho und Lili Boulanger konfrontierte, gab ebenfalls Anlass zum Jubeln. Der Auftakt der Konzertreihe, die in der 80. Bregenzer Festspielsaison weitere Besonderheiten enthält, verlief vielversprechend.
Bereits 1946, beim Start der Bregenzer Festspiele, waren die Wiener Symphoniker mit Konzerten zu Gast, ein Jahr später waren sie das Orchester der Oper auf dem See und sind es neben den Verpflichtungen für die Opernproduktionen im 1980 eröffneten Festspielhaus sowie für eine Konzertserie geblieben. Zum 80-Jahr-Jubiläum der Festspiele wurde diese Serie nun mit dem Debüt von Dalia Stasevska am Pult gestartet. Das Programm unter der Leitung der bereits mehrfach international ausgezeichneten finnisch-ukrainischen Dirigentin entsprach inhaltlich sozusagen dem Kernkonzept der Festspiele, das jeweils Opernhits in besonderer Umsetzung auf dem See, Raritäten im Festspielhaus und zeitgenössische Musik enthält.
Eine Klangmagierin am Pult
“Ciel d’hiver” von Kaija Saariaho, uraufgeführt 2014, verlangt nach einer umfangreichen Orchesterbesetzung und lässt eine Naturstimmung assoziieren, die Stasevska mit den Symphonikern in ungemeiner Klangtransparenz und Klarheit in den Saal zauberte. Die Wahl des Stücks steht zudem im Festspielkontext, konnte das Publikum Kaija Saariaho (1951-2023) doch mit der in der vergangenen Saison gefeierten Tanztheaterproduktion “Study for Life” in Verbindung bringen, die der Choreograf Tero Saarinen als Hommage an die finnische Komponistin konzipiert hatte.
Auch das weitere Werk erwies sich als sehr willkommen: “Faust et Hélène” von Lili Boulanger (1893-1918) konfrontiert mit der Komposition der Französin, mit der sie sich 19-jährig bei einem renommierten Bewerb gegen lauter Männer durchsetzen konnte. In den Solopartien der 1913 uraufgeführten Kantate für Mezzosopran, Tenor, Bariton und Orchester mit dem Libretto von Eugène Adenis nach einer Episode aus “Faust II” von Goethe erwiesen sich Emily D’Angelo, Andrew Staples und Rafael Fingerlos als Idealbesetzung. Das gilt besonders für diese Interpretation, die Dalia Stasevska mit dem Orchester zu einer dichten Musiktheaterproduktion formte, die das Publikum heftig akklamierte. Der Tenor Andrew Staples ist in Bregenz auch als Regisseur der letztjährigen Uraufführung “Emily – No Prisoner Be” von Kevin Puts bekannt, einer Produktion, die mittlerweile von anderen Bühnen übernommen wurde.
Die Rolle des Hits neben der Rarität und dem Neuen nahm an diesem Abend die 1893 uraufgeführte 9. Symphonie von Antonín Dvořák ein. Im Hinblick auf die Tiefe der Interpretation, die Motivbehandlung, die solistischen Einsätze mit den orchestralen Übergängen, die Energie und die Farbigkeit steht fest, dass hier ein in Bestform befindliches Orchester mit Dalia Stasevska seine Klangmagierin gefunden hat.
Skandinavische Klangwelten und Rebellinnen in weiteren Konzerten
Nach der bejubelten Aufführung der Chor-Orchester-Sinfonie “Kullervo” im vergangenen Jahr ermöglicht “Pohjolas Tochter” von Jean Sibelius sowie sein Konzert für Violine und Orchester in d-Moll neben Strawinskys “Le sacre du printemps” im Orchesterkonzert am 2. August unter der Leitung von Eva Ollikainen wiederum ein Eintauchen in skandinavische Klangwelten. Petr Popelka, Chefdirigent der Wiener Symphoniker, leitet eine österreichische Erstaufführung. Auf dem Programm des Konzertes am 10. August stehen neben Werken von Ravel und Mussorgsky auch das klangvolle Stück “Intensity” des niederösterreichischen Komponisten Bernd Richard Deutsch.
Seit den späten 1980er-Jahren erweitert das Symphonieorchester Vorarlberg (SOV) das Konzertprogramm der Festspiele. Chefdirigent Leo McFall hat neben den “Enigma-Variationen” von Edward Elgar und “Les Illuminations” von Benjamin Britten regelrechte Rebellinnen im Programm. Bei “Nocturne for Orchestra” handelt es sich um ein Werk der mit der Ritterwürde ausgezeichneten Dame Elizabeth Maconchy, die bereits in sehr jungen Jahren beachtlich komponierte. Die Oper “The Wreckers” von Ethel Smyth, die auch als Frauenrechtlerin bekannt wurde, ist eine Seefahrergeschichte ohne romantische Verbrämung, aber mit einer kraftvollen Ouvertüre, die das SOV am 23. August zur Aufführung bringt.
(Von Christa Dietrich/APA)
(S E R V I C E – Erstes Orchesterkonzert der Wiener Symphoniker; Leitung: Dalia Stasevska; Mezzosopran: Emily D’Angelo; Tenor: Andrew Staples; Bariton: Rafael Fingerlos; Werke: “Ciel d’hiver” von Kaija Saariaho, “Faust et Hélène” von Lili Boulanger, Symphonie Nr. 9 e-Moll von Antonin Dvořák. Konzertmitschnitt am 7. August, 19.30 Uhr auf Ö1. Zweites Orchesterkonzert der Wiener Symphoniker unter Eva Ollikainen am 2. August. Drittes Orchesterkonzert der Wiener Symphoniker unter Petr Popelka am 10. August. Konzert des Symphonieorchester Vorarlberg unter der Leitung von Leo McFall am 23. August. Die 80. Bregenzer Festspiele dauern bis 23. August: )