CARE warnt vor Hilfskürzungen: “Menschen werden sterben”
CARE Österreich warnt vor gravierenden Hilfskürzungen für Geflüchtete in Afrika. Laut UNO wurden seit Jahresbeginn nur 13 Prozent der benötigten Mittel in Krisenländern wie Sudan und Südsudan bereitgestellt, so die Hilfsorganisation. CARE-Nothilfereporterin Sarah Easter, die gerade im Südsudan war, warnt im APA-Gespräch, dass die Versorgung mit Lebensmitteln und Gesundheitseinrichtungen für Sudan-Flüchtlinge nicht aufrechterhalten werden kann. “Menschen werden sterben.”
Die Hilfsorganisationen würden im Norden des Südsudan an der Grenze zum Sudan bereits am Maximum arbeiten, erzählt Easter, die im März dort war. Dennoch müssten sehr viele Menschen aufgrund des fehlenden Geldes in den überlasteten Aufnahmezentren für Bürgerkriegsflüchtlinge aus dem benachbarten Sudan oft im Freien schlafen. Malaria und der darauf folgende Durchfall verschärfen die Unterernährung vieler Menschen, vor allem Kinder seien betroffen. Das größte Problem sei aber, dass die sudanesischen Flüchtlinge in ein Land kämen, wo selbst 75 Prozent der Bevölkerung auf humanitäre Hilfe angewiesen ist, so Easter.
“Täglich fliehen Zehntausende Menschen über die Grenzen des Sudan. Ich habe überfüllte Transitzentren gesehen, Familien, die im Freien schlafen, Kinder, die wegen Hunger und Erschöpfung kaum noch gehen können, und Mütter, die nicht wissen, wie sie ihre Kinder versorgen sollen”, berichtet die CARE-Nothilfereporterin. Aufgrund der Kürzungen der finanziellen Mittel müssten Hilfsorganisationen Programme kürzen und schwierige Entscheidungen treffen, was zur Folge habe, dass Gesundheitsstationen geschlossen werden müssten und die Versorgung mit Nahrung nicht mehr sichergestellt werden könne.
Dennoch versuche CARE aufgrund des “großen Bedarfs” an Hilfe, durch Umschichtungen und Kürzungen die Einrichtungen für Geflüchtete irgendwie am Leben zu erhalten. “Denn, wenn wir Einrichtungen komplett schließen müssen und das dann wieder neu aufbauen müssen, wird das viel teurer”, betont Easter.
11,5 Millionen Vertriebene im Sudan
Seit 2023 dauert der Bürgerkrieg im Sudan an. Rund 11,5 Millionen Menschen wurden vertrieben, über 4,5 Millionen Menschen sind in Nachbarländer wie den Tschad, Südsudan, Ägypten oder Libyen geflohen. Viele müssen dort in überfüllten Aufnahmezentren, Flüchtlingscamps oder informellen Unterkünften ohne ausreichende Versorgung mit Nahrung, Wasser und Medikamenten leben.
Die Situation im Bürgerkriegsland Sudan, den sie vergangenes Jahr besuchte, sei verheerend, berichtet Easter: “Vergewaltigungen werden als Kriegswaffe eingesetzt.” Viele Menschen seien monatelang zu Fuß auf der Flucht, erzählt sie. Darunter seien viele unbegleitete Minderjährige, die ihre Eltern auf der Flucht verloren hätten. So erzählt die CARE-Nothilfereporterin etwa vom Treffen mit einem 13-Jährigen, der ihr erzählt habe, dass er auf seiner Flucht immer auf Bäumen geschlafen habe, damit er nicht von Hyänen gefressen werde.
Klimakrise belastet Südsudan
Ein großes Problem seien zudem die Klimaveränderungen im Südsudan und den benachbarten Ländern. So sei 2024 bei einer Flut fast die gesamte Ernte im Südsudan vernichtet worden. Im folgenden Jahr sei die Dürre wiederum verheerend gewesen, so Easter. Zudem hätten die Webervögel, eine in Afrika weit verbreitete Sperlingsart, aufgrund der Dürre ihr Essverhalten geändert. Weil das Gras nicht mehr gewachsen sei, hätten die Vögel anstatt Grassamen die Samen der in der Region angebauten Lebensmittel wie Getreide und Hirse gefressen, was die Hungerkrise noch verschärft habe.
Der südsudanesische Staat habe einfach keine Mittel, um die Bevölkerung ausreichend zu ernähren, so Easter. Zudem würden interne Konflikte im Land die Krise vorantreiben und die internationale Aufmerksamkeit nachlassen. “CARE macht jetzt reine Nothilfe”, sagt Easter, das Ziel bleibe aber, langfristig wieder klassische Entwicklungshilfe zu machen und “Hilfe zur Selbsthilfe”.