Carinthischer Sommer zwischen Orient und Okzident

05.07.2026 • 14:07 Uhr

Unter dem Motto “fern & nah” steht heuer der Carinthische Sommer, den am Samstag im Congress Center Villach Alt-Bundespräsident Heinz Fischer eröffnet hat. Bevor das ORF Radio-Symphonieorchester zur Österreichischen Erstaufführung einer sinfonischen Dichtung von Charles Koechlin lud, sprach Intendantin Nadja Kayali von den langen kulturellen Verbindungen zwischen dem Nahen Osten und Europa.

Auch Landeshauptmann Daniel Fellner (SPÖ) betonte beim Festakt vor dem Eröffnungskonzert die Brückenfunktion von Kunst und Kultur, Staatssekretär Sepp Schellhorn (Neos) bezeichnete die Kultur als “niederschwelligste Form der Diplomatie”. Kulturreferentin Gabriele Schaunig (SPÖ) bedankte sich beim Carinthischen Sommer für “das Gefühl der grenzenlosen Regionalität”, das heuer ein Monat lang von Kärnten ausstrahlen wird.

Unkonventionelles Eröffnungskonzert

Musikalisch führte die Eröffnung die in Kayalis Rede beschworene Verbindung von Orient und Okzident fort. Zunächst in dem die Grenzen traditionell iranischer, kurdischer und türkischer Musik weit überschreitenden Duo von Sängerin Golnar Shahyar und Gitarrist Mahan Mirarab. Beide stammen aus Teheran und leben seit Ende der Nullerjahre in Wien. Shahyar bedient sich in ihren sehr beweglichen Vokalisen Techniken des Jazzgesangs, die sie überzeugend in weltmusikalische Kontexte stellt. Ihr Partner Mirarab begleitet sie sensibel an einer Doppelhals-Gitarre. Exotische Saiteninstrumente sind ja in der Weltmusik durchaus üblich. Das erinnert an Egberto Gismonti oder Ravi Shankar oder auch an die zweihalsige Kontragitarre in der Wiener Schrammelmusik.

Solchermaßen eingestimmt ging es dann auf eine Reise in ein aus westlicher Perspektive romantisch-impressionistisch verklärtes Isfahan. Als Österreichische Erstaufführung gestaltete das ORF Radio-Symphonieorchester Wien (RSO) unter Markus Poschner “Les Heures Persanes op. 65” (die persischen Stunden), das bekannteste Werk des französischen Komponisten Charles Koechlin (1867 – 1950). Die 16-teilige Komposition könnte man als Suite bezeichnen. Sie basiert jedenfalls auf dem Roman “Nach Isfahan” von Pierre Loti, den Dramaturgin Angelika Messner und Intendantin Nadja Kayali in passende Textpassagen zerlegt und aufbereitet haben. Burgschauspielerin Petra Morzé erweckt sie zwischen den musikalischen Teilen engagiert zum buchstäblich blumigen Leben.

Anders als bei Mussorgsky und Ravels “Bildern einer Ausstellung” hat Koechlin seine eigene Klavierfassung gleich selbst orchestriert. Eine sehr leise, hochsensible und daher nicht leicht umzusetzende Komposition, die das RSO hochkonzentriert in Szene setzte. Im Kontrast zwischen weichen Streicherteppichen und farbig fliegenden Bläsern – Flöten, Klarinetten, Oboen – blickt man in weite Landschaften. Es wird dann zwischendurch aber auch sehr viel lebhafter, wenn wir uns etwa mit den Derwischen in die Nacht stürzen. Jedenfalls ein gelungener Auftakt des nun einen Monat dauernden Festival-Reigens, der sich zunehmend auf ganz Kärnten ausdehnt.

(Von Karin Waldner-Petutschnig/APA)

(S E R V I C E – Carinthischer Sommer 2026, “fern & nah”, bis 2. August, )