Caritas fordert armutsfeste Sozialhilfe

Die Caritas fordert von der Regierung entschlossenes Handeln gegen Armut. Mit Blick auf den nahenden Winter, der Armutsbetroffene durch Heizkosten zusätzlich unter Druck setze, brauche es eine armutsfeste Sozialhilfe und einen Aktionsplan für leistbares Wohnen. Mit der Sozialhilfe-Reform könnten Lücken im sozialen Netz geschlossen werden, stattdessen drohe eine massive Verschlechterung, warnte Caritas-Präsidentin Nora Tödtling-Musenbichler am Dienstag bei einem Medientermin.
Sie appellierte an die Regierung, den von ihr ausgerufenen “Herbst der Ergebnisse” zu nutzen, um das löchrig gewordene soziale Netz zu stärken. Die geplante Reform der Sozialhilfe, über die aktuell verhandelt wird, sei die größte Chance, um das laut Regierungsprogramm angestrebte Ziel der Halbierung der Kinderarmut zu erreichen. Komme das Gesetz aber wie geplant, werde dieses Ziel definitiv verfehlt, so Tödtling-Musenbichler. Die angedachten Kürzungen um bis zu 400 Euro pro Person seien “alarmierend” und für die Hilfsorganisation “nicht hinnehmbar”. Notwendig sei eine armutsfeste Sozialhilfe und eine Kindergrundsicherung.
Aktionsplan für leistbares Wohnen gefordert
Handlungsbedarf gebe es außerdem beim leistbaren Wohnen, sagte der Caritasdirektor der Erzdiözese Wien, Klaus Schwertner, und forderte einen nationalen Aktionsplan für leistbares Wohnen. Einiges sei bereits passiert mit Mietenpaket, Strom-Sozialtarif und Verlängerung des Wohnschirms, so Schwertner, nun brauche es eine Zweckwidmung der Wohnbauförderung, transparente Zugangskriterien zum sozialen Wohnbau, einen effektiven Mietpreisdeckel sowie einen Sozialtarif für Wärme ähnlich wie beim Strom.
Dass sich die Armut nach Jahren der Krise auf hohem Niveau verfestigt habe, würden die Zahlen ihrer Sozialberatung zeigen, so die Leiterin der Wiener Sozialberatungsstellen, Doris Anzengruber, bei der Pressekonferenz in der Lebensmittelausgabestelle Le+O in Wien-Meidling. Im vergangenen Jahr hätten sich rund 44.000 Menschen an die Sozialberatungsstellen der Hilfsorganisation gewandt. Bei 85 Prozent der Hilfesuchenden sei es um die Themen Wohnen und Energie gegangen. “Wohn- und Energiekosten sind für zu viele Menschen zu einer existenziellen Frage geworden”, so Schwertner.