Cobra-Beamte in Tirol im Visier der Staatsanwaltschaft

Im Fall eines 36-Jährigen, der nach einem Ehestreit im August im Tiroler Völs (Bezirk Innsbruck-Land) bei einem Cobra-Einsatz kurzzeitig festgenommen worden war, sind die Ermittlungen gegen ihn wegen gefährlicher Drohung und Nötigung eingestellt worden. Dies bestätigte ein Staatsanwaltschaftssprecher der APA. Pikant: Die Beamten verwechselten den Mann zuvor mit dessen herzkranken Vater und überwältigten diesen. Gegen die Beamten lief ein Ermittlungsverfahren.
Genaueres könne man noch nicht sagen, denn der Abschlussbericht liege noch nicht vor, hieß es seitens der Anklagebehörde am Mittwoch. Der 54-jährige Vater des 36-Jährigen hatte laut der “Tiroler Tageszeitung” Rippenbrüche, Prellungen und eine Meniskusverletzung vom Cobra-Einsatz davongetragen. Der 54-Jährige habe deswegen seine Herz-OP verschieben müssen. Ermittelt wird nun wegen Körperverletzung unter Ausnützung der Amtsstellung.
Dem Ganzen war ein Streit vorausgegangen, bei dem die Ehefrau mit den drei Kindern die Wohnung verlassen hatte. Der Österreicher folgte ihr bis zum Bahnhof, nahm den siebenjährigen Sohn zu sich und fuhr mit dem Pkw davon, berichtete die Polizei. Der Sohn sei freiwillig zum Vater gelaufen und die Mutter habe das zugelassen. Der 36-Jährige fuhr dann mit dem Kind ins Einkaufszentrum DEZ nach Innsbruck. Die Mutter suchte das Frauenhaus auf und erstattete Anzeige, woraufhin es zu dem Einsatz kam. Der Mann wurde dabei von der Sondereinheit zunächst telefonisch kontaktiert und ließ sich dann – nachdem es zuvor zur Verwechslung mit dessen Vater gekommen war – widerstandslos festnehmen.
Weder Kindesentzug noch Morddrohung
Die Beamten waren davon ausgegangen, dass ein möglicherweise bewaffneter Täter seinen Sohn als Geisel genommen hatte und gedroht habe, seine Schwiegereltern zu erschießen. Kurz nach der Festnahme wurde der 36-Jährige wieder enthaftet. Der Sportschütze war unbewaffnet. Er besaß legal Schusswaffen, die aber ordnungsgemäß in der Wohnung verwahrt waren. Von Kindesentzug und Morddrohung konnten jedenfalls keine Rede sein.