Die Melancholie der Betonmischmaschine in der Secession Wien

Eine Betonmischmaschine, ihr Bauch wie eine Wunde aufgeschnitten, dreht sich unermüdlich, erzeugt durch Vermengung von Wasser mit Eisenoxiden, Sägemehl und Goldpigmenten eine zähe Flüssigkeit, die, per Schläuchen transportiert, über eine schräge Wand rinnt. Die Künstlerin Mire Lee hat mit der Installation “The Heart of My Machine is Golden Land” (ab 25. Juni) “den radikalsten Weg” beschritten, um den großen Ausstellungsraum in der Secession umzugestalten, hieß es am Mittwoch.
Die großformatigen, immersiven Arbeiten der Südkoreanerin bestehen oft aus undichten Maschinen und quasi-organischen Strukturen, die zu tropfen und zu verfallen scheinen. Der Untergrund der Präsentation in Wien weist Spuren der gemixten Substanz auf – es gibt auch “Teiche”, die man laut Kurator Haris Giannouras lieber nicht betreten sollte (“it’s not nice”) -, man schreitet über Gitterböden. Im Laufe der Ausstellung werden sich Krusten ansammeln und “eine wachsende Haut aus rostigen Schorfstellen bilden”, so der Plan.
“Wie sie mit Materialität sehr brutal umgeht und auch keine Angst hat vor dem Material”, zeigte Secession-Präsidentin Ramesch Daha gegenüber der APA bei einem Medientermin fasziniert von Mire Lee. “Es ist eine sehr sinnliche und intuitive Ausstellung, die sich mit der Zeit entwickelt.” Der Kurator bezeichnete die Großinstallation als “persönliche und fast melancholische Sache”. Giannouras zufolge spricht Lee nicht gerne über ihre Werke. “Aber sie ist begeistert von diesen leicht redundanten, alten Technologien, die über die Zeit langsam zerfallen.”
“Nicht das neueste Modell”
Den Betonmischer hat die 38-Jährige auf einem Müllplatz in Polen entdeckt – “nicht das neueste Modell, nicht wirklich Hightech” (Giannouras). Mechanisch neu kalibriert und verändert, wird sich die Trommel während der Schau weiterdrehen. “Dieser kinetische Apparat bewegt sich zwischen Vitalität und Zusammenbruch”, lässt man wissen. “Nach und nach breitet sich eine Umgebung aus Exzess, Schmutz und krampfhaftem Zucken aus.” Ein Jahr habe man an der Umsetzung gearbeitet, sagte der Kurator. Die Maschine in den Raum zu bekommen, sei gar nicht so schwer gewesen: “Weil sie geschnitten ist. Die Scheiben müssten wir nur ein bisschen falten, damit sie durch die Tür passen.”
Ein Teil der Installation sind Werbebanner aus früheren Secession-Ausstellungen. Ihre Oberflächen sind mit Messingfolien überzogen, Wortfragmente sind zu erkennen, das “Design” in Anlehnung an Gustav Klimts “Beethovenfries”. Parallel zur Installation ist eine Auswahl von Filmwerken der Künstlerin im Korea Kulturzentrum zu sehen.
(S E R V I C E – Mire Lee: “The Heart of My Machine is Golden Lead” in der Secession Wien bis 30. August. )