Dschungel Wien widmet sich Rollenbildern und Leistungsdruck

07.09.2026 • 14:06 Uhr
Dschungel Wien widmet sich Rollenbildern und Leistungsdruck

Die “Lust am Verändern, Erfinden und Widersprechen” zieht sich durch die neue Spielzeit des Dschungel Wien, die Intendantin Anna Horn am Montag vorgestellt hat. Das Theaterhaus für junges Publikum wartet darin mit 72 Produktionen entlang von Schwerpunkten wie “Mitbestimmung junger Menschen”, “Geschlechtervielfalt + neue Rollenbilder” oder “Leistungsdruck + Verweigerung + Fürsorge” auf. Zur Spielzeiteröffnung übernehmen die Kinder selbst das Haus.

Als “großes Risiko” bezeichnete Horn augenzwinkernd die Eigenproduktion “Kinder machen Theater”, die zur Spielzeiteröffnung am 19. September zur Uraufführung kommt. Ein Jahr lang haben Kinder aus Volksschulen, Mittelschulen und Gymnasien überlegt, wie ihr Theater aussehen soll. Welche Ideen für Kostüme, Technik-Einsatz und Inhalte daraus entstanden sind, ist bis zum 27. September zu erleben. Apropos Mitgestaltung: Die zwölfjährige Clara Lackner-Zimmer hat mit “Jenseits der Träume” (ab 8 Jahren) ein Musical geschrieben, in dem drei Kinder auf der “sogenannten Trauminsel ihren Albträumen begegnen”, wie es in der Ankündigung heißt. Mit ihrem Musical wolle sie aufzeigen, wie man mit Selbstzweifeln umgehen kann, erklärte die Schülerin bei der Pressekonferenz.

Onlineradikalisierung und “Mannosphäre”

Themen wie Krieg, Onlineradikalisierung und das antifeministische Netzwerk “Mannosphäre” verhandelt das Stück “Die Festung fällt” von Laura Bernhardt und Lori Brückner, in dem zwei junge Burschen in einer Onlinewelt aus radikalen Ideologien und Körperkult verschwinden. Zur Uraufführung kommt das Stück für Zuschauer ab 12 Jahren zur Spielzeiteröffnung. Die Eigenproduktion “Die wundersamen Abenteuer des Baron von Münchhausen” widmet sich dem Thema der Lüge (ab 6 Jahren, Premiere am 5. Dezember), um Identitätsfragen kreist etwa die Performance “Rot” in Laut- und Gebärdensprache (ab 3 Jahre, Uraufführung am 12. November). Im Zentrum steht ein blauer Stift, der aber rot malt. Verhandelt wird die Frage: “Was, wenn einfach nur das Etikett falsch ist und nicht du?”

Mit “Das Vamperl” bringen makemake Produktionen den Renate-Welsch-Klassiker auf die Bühne (ab 6 Jahren, Premiere am 25. Jänner), Objekttheater für Kinder ab 4 Jahren steht ab 10. Dezember mit “Teig” auf dem Programm: “Was wäre, wenn wir ihn nicht nur essen, sondern ihm begegnen?”, heißt es dazu in der Ankündigung. Fragen des Miteinanders werden in “Bis eine*r heult” (ab 4 Jahren, Premiere am 8. Oktober) verhandelt. Für Jugendliche gibt es unterdessen u.a. die Gastspiele des Landestheaters Niederösterreich mit Lottes Perspektive auf den “Werther”-Stoff (“Lottes Werther” von Marthe Lola Deutschmann, ab 10. November) und “Der Schüler Gerber” (ab 24. Februar) sowie das Stück “Ungeregelt” des Luna Project, das das Thema Endometriose ins Licht rückt (ab 14. Jänner).

In der abgespielten Saison freute man sich laut der kaufmännischen Leiterin Alexandra Hutter über eine Auslastung von 86 Prozent. “Total bedenklich” findet Anna Horn die Ankündigung der Stadt Wien, künftig auf Mehrjahresförderungen zu verzichten, was vor allem die Koproduktionen mit den zahlreichen freien Gruppen gefährden könnte, wie sie auf APA-Nachfrage sagte. Wie auch andere Häuser hofft man darauf, dass es im Budget für das kommende Jahr zu keinen Kürzungen kommt, doch auch ein Gleichbleiben der Subventionen seitens der Stadt käme einer realen Kürzung gleich. Die Eigenproduktionen seien jedenfalls durch die Subvention des Bundes gesichert. Vorerst geht man jedoch voll Energie in die neue Spielzeit und richtet den Blick auf die 348 geplanten Vorstellungen.

(S E R V I C E – )