Dürre – Totschnig erwartet “massives” Bauern-Einkommensminus

15.09.2026 • 12:37 Uhr
Dürre - Totschnig erwartet "massives" Bauern-Einkommensminus

Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig (ÖVP) rechnet heuer mit einem “massiven” Rückgang bei den Bauerneinkommen durch die Rekord-Dürre und hohe Kosten. Die Dürrehilfen der Regierung und die Versicherungsauszahlungen für Dürreschäden würden den Einkommensrückgang nicht kompensieren, sagte Totschnig am Dienstag. Im Vorjahr hatten eine gute Ernte und höhere Erlöse in der tierischen Produktion die landwirtschaftlichen Einkommen deutlich steigen lassen.

Das als Kennzahl herangezogene durchschnittliche Faktoreinkommen je land- und forstwirtschaftliche Arbeitskraft erhöhte sich 2025 nominell um 12,4 Prozent und real (preisbereinigt) um 8,9 Prozent, geht aus Berechnungen der Statistik Austria von Mitte Juli hervor. Die Bauerneinkommen sind in den vergangenen 15 Jahren je nach Erntemenge, Höhe der Agrarpreise und Kostensituation deutlich geschwankt. Die preisbereinigten Faktoreinkommen je Arbeitskraft seien 2025 auf dem Niveau von 2011, sagte der Landwirtschaftsminister bei der Präsentation des “Grünen Berichts” in Wien. Der Bericht wird jeden Herbst vom Landwirtschaftsministerium vorgelegt und im Nationalrat diskutiert. Der rund 300 Seiten dicke “Grüne Bericht 2026” dokumentiert die Situation der österreichischen Land- und Forstwirtschaft im Jahr 2025.

Hohe Ernteausfälle wegen Dürre

Die Rekord-Trockenheit setzt heuer viele Ackerbauern sowie Milch- und Rinderbauern stark unter Druck. Im Grünland fehlt laut Landwirtschaftsministerium rund ein Drittel der Erträge und zahlreiche Betriebe mussten auf ihre Winterfutterreserven zurückgreifen oder Futtermittel zukaufen. Manche Bauern verkauften wegen Futtermangel bereits einen Teil ihrer Rinder. Auch die Weinernte soll im laufenden Jahr laut Prognose dürrebedingt um ein Viertel niedriger als im Langzeitschnitt ausfallen und die Apfelernte dürfte um über ein Drittel niedriger sein als 2025.

Der Agrar-Spezialversicherer Hagelversicherung schätzte Mitte August die Dürreschäden in der heimischen Landwirtschaft auf rund 1 Mrd. Euro und sprach von einer klimawandelbedingten “historischen Dürrekatastrophe”. Die Hagelversicherung deckt heuer trockenheitsbedingte Schäden bei versicherten Bauern in Höhe von 400 Mio. Euro ab. An den prognostizierten Zahlen werde sich “nicht viel ändern”, hieß es zuletzt von der Hagelversicherung auf APA-Anfrage.

Totschnig verteidigt Dürrehilfen

Das von der Regierung am 21. August präsentierte Dürre-Hilfspaket muss noch im Nationalrat beschlossen werden. Die Bauern sollen sich durch einen zweimonatigen Nachlass bei den Sozialversicherungsbeiträgen Ende 2026 rund 140 Mio. Euro ersparen. Totschnig verteidigte am Dienstag auf Journalisten-Nachfrage den Sozialversicherungsnachlass. Von der Rekord-Trockenheit seien alle Bauern in Österreich betroffen und die Höhe der Sozialversicherungsbeiträge sei von der Ertragskraft der Betriebe (Einheitswert) abhängig. Im Rahmen des Hilfspakets soll auch der staatliche Prämienzuschuss für die Dürreindex-Versicherung der Österreichischen Hagelversicherung im kommenden Jahr einmalig von bisher 55 Prozent auf 65 Prozent erhöht werden. 80 Prozent der Ackerflächen und 40 Prozent der Grünlandflächen sind laut Hagelversicherung gegen Dürre versichert. Als weitere staatliche Dürrehilfe sind rund 25 Mio. Euro für Zinszuschüsse und Ratenstundungen bei Betriebsmittel- und Investitionskrediten vorgesehen.

Landwirtschaftskammer-Österreich-Präsident Josef Moosbrugger erwartet aufgrund der Rekord-Trockenheit für 2026 “eine dramatisch negative bäuerliche Einkommensentwicklung”. “In nahezu allen Landwirtschaftssektoren ist für 2026 ein deutliches Einkommensminus zu erwarten, die Lage auf vielen Höfen ist trotz angekündigter Hilfen prekär”, sagte Moosbrugger anlässlich der Veröffentlichung des “Grünen Berichts” in einer Aussendung.

Bio-Bauern drängen auf mehr Förderungen

Die Zahl der landwirtschaftlichen Bio-Betriebe in Österreich ist zwischen dem Jahr 2020 und 2025 um 900 auf 23.600 gesunken. Die Bio-Förderungen seien in der aktuellen Förderperiode nicht ausreichend gewesen, kritisierte Bio-Austria-Obfrau Barbara Riegler am Montag bei einer Pressekonferenz. Die Bauernvertreterin forderte wieder mehr Fokus der öffentlichen Hand auf den Bio-Ausbau. Totschnig verwies beim Pressegespräch am Dienstag auf Nachfrage darauf, dass es aufgrund von strengeren EU-Vorgaben für heimische Biobauern mit Tierhaltung ab 2020 keine Ausnahmen mehr bei der Weidehaltung gebe und deswegen zahlreiche Öko-Bauern auf konventionelle Landwirtschaft umgestellt hätten.