Eiserner Vorhang mit Wasser-Himmel-Hybrid von Herbert Brandl

09.09.2026 • 13:27 Uhr
Eiserner Vorhang mit Wasser-Himmel-Hybrid von Herbert Brandl

Bei aller freudigen Erwartung hatte es auch etwas Andächtiges: Denn mit der Enthüllung des diesjährigen Eisernen Vorhangs in der Wiener Staatsoper mit einem Werk von Herbert Brandl ziert nun erstmals ein Werk eines nicht mehr lebenden Künstlers die 176 Quadratmeter große Fläche, die den Bühnenraum vor und nach den Vorstellungen verdeckt. Das abstrakte Gemälde des 2025 verstorbenen Malers ist eine Art Hybrid zwischen Wasser und Himmel.

Staatsopern-Direktor Bogdan Roščić outete sich bei der Präsentation am Mittwochvormittag vor rund 1.000 geladenen Gästen als “großer Verehrer” von Brandls Arbeit: “Er war schlicht und einfach einer der größten Meister dieses Landes.” Das überdimensionale Bild zeigt auf sattblauem Hintergrund weiße luftige Gebilde und Einsprengsel, die etwa als Wolken oder Gischt gelesen werden können.

Die Entscheidung für den steirischen Künstler wurde noch zu dessen Lebzeiten getroffen. Durchgeführt wird das Projekt auch in seiner 29. Ausgabe von museum in progress und auf Basis der Entscheidung einer dreiköpfigen, international besetzten Jury. Mitglied Daniel Birnbaum sprach von Freude, aber auch einem traurigen Augenblick: “Herbert Brandl ist nicht bei uns.”

Verstorbener Künstler ließ sich von Fotos inspirieren

Bei der Konzipierung des Eisernen Vorhangs habe sich Brandl von Fotografien von Wasser und dem Weltall inspirieren lassen, erinnerte sich Birnbaum. Sein Gemälde lasse mehrere Perspektiven zu: “Schauen wir nach unten? Nach oben? In den Himmel? Oder ins Meer?”, fragte der Kunsthistoriker sich und die Anwesenden und zitierte daraufhin Hölderlin: “Man kann auch in die Höhe fallen.”

Der originale Eiserne Vorhang stammt von dem Künstler und NSDAP-Mitglied Rudolf Hermann Eisenmenger (1902-1994). Zu den Fans seiner Kunst soll auch Adolf Hitler gezählt haben. Seit 1998 wird in einer Ausstellungsreihe, in der u.a. Werke von David Hockney, Maria Lassnig und zuletzt Anselm Kiefer zu sehen waren, Eisenmengers “Orpheus und Eurydike”-Motiv verdeckt.

Roščić teilt gegen “Kultureuro”-Pläne aus

Regulär bekommt das heurige Brandl-Motiv das Publikum erstmals am Mittwochabend bei der Aufführung von “Le nozze di figaro” zu sehen, wie Roščić anmerkte. Der Staatsopern-Chef ließ es sich dabei nicht nehmen, gegen den von der Stadt Wien angedachten und derzeit heftig diskutierten “Kultureuro” als Abgabe auf Kulturtickets auszuteilen. “Mozart hatte bekanntlich ja große Probleme, weil er nicht imstande war, eine Abgabe auf seine Musik einzuheben”, ätzte Roščić – und fügte hinzu: “Falls es die Staatsoper in einem Jahr nicht mehr gibt, würden wir uns freuen, wenn Sie uns in guter Erinnerung behalten.”