Eliasch abgewählt – Ospelt neuer FIS-Präsident
Der umstrittene Johan Eliasch ist am Donnerstag als Präsident des Internationalen Ski- und Snowboard-Verbandes (FIS) mit hauchdünnem Ausgang abgewählt worden. Zum Nachfolger des schwedisch-britisch-georgischen Multimilliardärs kürten die stimmberechtigten Mitgliederverbände beim Kongress in Belgrad den Liechtensteiner Alexander Ospelt. Das Votum lautete 65:64 Stimmanteile zugunsten des 58-jährigen Rechtsanwalts.
Ospelt wurde unter anderem von Österreich, Norwegen, Italien, der Schweiz, Kanada und den USA unterstützt. Die großen Wintersportnationen brachten ihren Kandidaten bei 129 Stimmen der 75 wählenden Länder aber nur sehr knapp durch. “Ich möchte mich für den guten Dialog und das Vertrauen bedanken”, sagte Ospelt und rief zu Geschlossenheit auf. “Wir sind alle die FIS. Ich werde der Präsident für euch alle sein, gemeinsam für unseren Sport. Lasst uns unseren Job für die nächste Generation machen, damit sie stolz auf uns ist. Lasst uns diese Reise gemeinsam beschreiten.”
ÖSV auf der Siegerseite
Der als Eliasch-Gegner aufgetretene ÖSV durfte durchatmen. “Wir gratulieren Alexander Ospelt herzlich zu seinem Wahlsieg, von dem wir felsenfest überzeugt waren. Ein Wechsel an der Spitze des Internationalen Ski- und Snowboardverbandes war aus unserer Sicht nötig – deshalb ist der heutige Tag ein Sieg für den Sport”, sagte Generalsekretär Christian Scherer. Sein Dank gelte aber auch Eliasch, der sehr viele Veränderungen angestoßen habe, ein Vertrauensverlust sei aber spürbar gewesen. “Es war Zeit für einen Kurswechsel. Jetzt ist der Zeitpunkt gekommen, gemeinsam nach vorne zu schauen, Vertrauen zurückzugewinnen und den Wintersport konstruktiv und zukunftsorientiert weiterzuentwickeln.”
Auch ÖSV-Präsidentin Roswitha Stadlober war erleichtert: “Viele Wintersport-Nationen haben diesen Wechsel herbeigesehnt. Seine Bewerbung unter dem Motto ‘Building Bridges’ ist genau das, was es in der FIS jetzt dringend benötigt. Alexander Ospelt gilt als integre Persönlichkeit und Teamplayer. Ich hoffe, dass es unter seiner Führung gelingt, wieder eine vertrauensvolle Atmosphäre innerhalb der internationalen Skifamilie zu erzeugen.”
Abgewählter Eliasch behauptete IOC-Einflussnahme
Eliasch reagierte äußerlich gefasst. “Es war mir ein großes Privileg, Ihnen zu dienen. Ich habe immer gesagt, das wird eine Win-Win-Situation, entweder ich bekomme mein Leben zurück oder ich gewinne die Wahl – ich bin jedenfalls sehr glücklich”, sagte Eliasch und behauptete, dass das Internationale Olympische Komitee (IOC) seine Abwahl betrieben habe. “Ich habe von vielen gehört, dass das IOC versucht hat, den Ausgang der Wahl zu beeinflussen. Dagegen müssen wir standhaft bleiben, weil wir eine unabhängige Organisation sind.”
Der Multimilliardär gratulierte seinem Nachfolger aber und verwies auf das Vermächtnis seiner Amtszeit. “Wir haben in den vergangenen Jahren gemeinsam sehr viel erreicht, es wäre eine große Schande, das zu vergeuden. Es ist wirklich wichtig, dass man zusammenkommt, zusammenarbeitet und nach Höherem strebt.” Eliasch stand wegen seiner Amtsführung, strittiger Vermarktungsideen und nicht zuletzt der mutmaßlich schlechten Finanzlage des Verbandes in der Kritik. Eine Woche vor dem Kongress war FIS-CEO Urs Lehmann aufgrund eines Zerwürfnisses mit Eliasch zurückgetreten, der Schweizer könnte aber unter Ospelt zurückkehren.
Amtszeit voller Kontroversen
Wenige Tage vor der Neuwahl sorgte die Ausladung der von Eliasch im Vorjahr für Sonderprojekte engagierten Ex-Rennläuferin Alexandra Meissnitzer wegen kritischer Aussagen in einem Interview für Aufsehen. Zudem sprachen sich einige Skistars wie Marco Odermatt und Mikaela Shiffrin öffentlich gegen eine weitere Amtszeit des 64-Jährigen aus, der erst unlängst die georgische Staatsbürgerschaft erhalten hatte, um als Kandidat des Landes überhaupt antreten zu können.
Eliasch hatte das Präsidentenamt im Juni 2021 als Nachfolger von Gian Franco Kasper angetreten, 2022 war er ohne Gegenkandidat unter strittigen Umständen wiedergewählt worden. Seither hatte es zahlreiche Dispute des FIS-Chefs mit großen Verbänden wie dem ÖSV gegeben. Nun soll der seit zwei Jahren im FIS-Council sitzende Ospelt den Verband in ruhigeres Gewässer führen. Der Jurist stand von 2016 bis 2023 dem Skiverband Liechtensteins vor.
Er war als einziger von ursprünglich vier Herausforderern von Eliasch übrig geblieben. Die Dänin Anna Harboe Falkenberg und der US-Amerikaner Dexter Paine hatten ihre Kandidatur Ende Mai zurückgezogen, die Britin Victoria Gosling gab ihren Verzicht kurzfristig bekannt.