Erfindergeist ist in Österreich nur selten weiblich
Frauen sind nach wie vor unterrepräsentiert, wenn es in Europa um Erfindungen und Patente geht – auch wenn sich die Situation in den vergangenen Jahren leicht gebessert hat. Österreich schneidet im europäischen Vergleich allerdings noch schlechter ab, geht aus einer Studie des Europäischen Patentamtes hervor.
Der Anteil von Erfinderinnen in Europa ist in den letzten Jahren nur leicht von 13 Prozent im Jahr 2019 auf 13,8 Prozent 2022 gestiegen. Zwar sind sie häufig Teil eines Erfinderteams, werden aber seltener als Einzelerfinderinnen genannt. Noch schlechter sieht es in Österreich aus: Hier ist die Women Inventor Rate (WIR) von 7,7 Prozent in der Zeit von 2013 bis 2017 nur auf 8 Prozent im Zeitraum 2018 bis 2022 gestiegen.
Mehr Patente im Life-Science-Bereich
Allerdings lässt sich der geringe Anteil der Frauen in Österreich auch mit der Spezialisierung auf Technologiebereiche erklären – und hier sind nur wenige Frauen als Erfinderinnen tätig. In den Bereichen Werkzeugmaschinen (5,7 Prozent), grundlegende Kommunikationsprozesse (5,5 Prozent) und mechanische Bauteile (4,9 Prozent) kommen Frauen auf die niedrigsten Werte. Aber auch unter den promovierten MINT-Absolventinnen in Österreich sind Frauen bei den Patentanmeldungen unterrepräsentiert.
Universitäten und öffentliche Einrichtungen zeigen im europäischen Vergleich, dass es nicht an mangelndem Erfindergeist der Frauen liegt. Hier liegt ihr Anteil bei 24,4 Prozent.
Die Universität Wien erreichte im Bereich Life Science Rang 8 unter den größten europäischen Forschungseinrichtungen beim Frauenanteil mit Patentanmeldungen während ihrer Dissertation im Zeitraum 2011-2020, ebenso wie die TU Wien in Mathematik und Informatik bei Patentanmeldungen nach ihrer Dissertation. Am höchsten ist der Anteil der Erfinderinnen in den Life-Science-Bereichen – und hier vor allem in den Bereichen Pharmazeutika (34,9 Prozent), Biotechnologie (34,2 Prozent) und Lebensmittelchemie mit 32,2 Prozent.
Österreich unter den Schlusslichtern
Vor allem bei Start-ups, die europäische Patente anmelden, gibt es eine große Kluft zwischen Frauen und Männern. Hier haben nur 13,5 Prozent dieser Unternehmen zumindest eine Gründerin. Wobei hier Spanien, Portugal und Irland am besten abschneiden, während die Niederlande, Österreich (11,1 Prozent) und Deutschland die Schlusslichter bilden. Jüngere Start-ups kommen dabei auf einen Gründerinnen-Anteil von 14 Prozent, während ihr Anteil bei Unternehmen, die älter als 20 Jahre sind, nur bei 5,9 Prozent liegt. Bei Start-ups ohne Patentanmeldungen liegt in Österreich der Anteil von Unternehmen mit zumindest einer Gründerin bei 18,2 Prozent.
Auch wenn Frauen nach wie vor deutlich seltener Patente anmelden, so steigt ihr Anteil an den Patentberufen signifikant. So machen sie mittlerweile 29,2 Prozent der europäischen Patentanwälte aus, in Österreich ist ihr Anteil von 19,1 Prozent im Jahr 2015 auf 23,8 Prozent im Vorjahr gestiegen. Aber auch das Europäische Patentamt geht hier mit gutem Beispiel voran: Rund ein Viertel der für die Prüfung verantwortlichen Beschäftigten ist mittlerweile weiblich. Der Frauenanteil bei den Neueinstellungen lag im Vorjahr bei 31 Prozent – und bei der Nachwuchsförderung bei mehr als 50 Prozent.