Ermittlungen nach Hackerangriff auf Gemeinde Reichenau in NÖ

22.10.2026 • 16:31 Uhr

Nach einem Hackerangriff auf die Gemeinde Reichenau an der Rax (Bezirk Neunkirchen) sind polizeiliche Ermittlungen im Gange. Befasst seien Spezialisten aus dem Bereich Cyber Crime, sagte Chefinspektor Johann Baumschlager am Donnerstag auf APA-Anfrage. Laut einem “Krone”-Bericht sind abgesaugte Daten nun öffentlich im Internet sichtbar. Die Gemeinde beschwichtigte. Ein entstandener Schaden sei nicht bekannt, ein Verfahren der Datenschutzbehörde eingestellt.

Involviert war nach Angaben der “Kronen Zeitung” die Ransomware-Gruppe SafePay. Diese soll dem Medienbericht zufolge am 8. September auf ihrer Seite im Tor-Netzwerk die vollständige Veröffentlichung erbeuteter Daten der Gemeinde Reichenau angekündigt haben und diese Drohung am 10. Oktober auch umgesetzt haben. Seitdem seien diverse Datensätze öffentlich abrufbar.

Gemeinde verwies auf umgehende Reaktion

Amtsleiter-Stellvertreter Philipp Stummer teilte der “Krone” mit, dass der Angriff Ende Juli entdeckt worden sei. Die entsprechenden Informationen wurden der APA auch seitens der Gemeinde bestätigt. Die Kommune habe umgehend reagiert und die betroffenen Systeme gemeinsam mit einem externen IT-Dienstleister sowie mit beratender Unterstützung eines IT-Sicherheitsunternehmens vom Netz genommen bzw. neu aufgesetzt. Es seien keinerlei Daten verschlüsselt worden, der Amtsbetrieb blieb bis auf eine kurze Unterbrechung aufrecht.

Es sei Anzeige bei der Polizei erstattet worden. Weiters sei der Vorfall auch der österreichischen Datenschutzbehörde gemeldet worden, die ein Verfahren mittlerweile eingestellt habe. “Bis heute ist niemand an die Gemeinde herangetreten, dem durch den Vorfall ein Schaden entstanden ist”, teilte Stummer mit. Aus dem Büro des Bürgermeisters hieß es demnach zudem, dass “sich technisch nicht abschließend feststellen” lasse, welche Dateien im Einzelnen betroffen sind, und dass die Veröffentlichung noch geprüft werde.

Bürgermeister Döller: “Kein Lösegeld bezahlt”

In einer der APA übermittelten Stellungnahme fügte Bürgermeister Johann Döller (ÖVP) hinzu, dass auf Anraten von Experten kein Kontakt zur Tätergruppe aufgenommen worden war, auch die Täter seien nicht weiter an die Gemeinde herangetreten. “Es wurde kein Lösegeld bezahlt.” Ende Juli bzw. Anfang August sei von einer allgemeinen Information der Bevölkerung abgesehen worden, “da nach damaligem Kenntnisstand keine unmittelbare Gefährdung erkennbar war”.

Aufgrund seit Donnerstag vorliegender Erkenntnisse sei ein weiteres spezialisiertes Cybersicherheitsunternehmen beauftragt worden. “Dieses soll feststellen, welche Daten einzelner Personen betroffen sind”, hieß es in der Stellungnahme. Die Bevölkerung wurde ersucht, in den kommenden Wochen und Monaten bei unerwarteten E-Mails, SMS, Anrufen und Zahlungsaufforderungen “besonders vorsichtig zu sein”.

Süleyman Zorba, Digitalisierungssprecher der Grünen, forderte im Zusammenhang mit Cyberangriffen mehr Unterstützung für Gemeinden ein. Es brauche “kostenlose Beratung, Schulungen für Bedienstete und erprobte Notfallpläne, die Bund und Länder gemeinsam bereitstellen und finanzieren”, wurde in einer Aussendung verlangt. Klar geregelt müsse zudem sein, “dass Betroffene nach einem Datenleck aktiv und verständlich informiert werden”, betonte der Nationalratsabgeordnete.