Erste Astoria Artshow in alter Garage beeindruckt

Von wegen lange Vorlaufzeiten: Mit der am Donnerstag eröffneten neuen Kunstmesse Astoria Artshow, die aus dem Schock über die Absage der viennacontemporary heraus entstanden ist, ist der Wiener Galerienszene ein Kraftakt gelungen, der nicht nur international ausstrahlt, sondern auch nach innen wirkt. Bis Sonntag bespielt man mit der Astoria-Garage in der Josefstadt eine mehr als beeindruckende Location, in der über 80 Galerien aus ganz Europa rund 400 Werke präsentieren.
Markus Peichl, Geschäftsführer der Galerie Crone, gab vor der Eröffnung Einblicke in die kurze Entstehungsgeschichte der Messe: “Es ist gewissermaßen ein Krankheitsgewinn: Aus einer schlimmen Situation entsteht etwas Gutes”, so der Obmann des Vereins “VAU – Vienna Art United”. Dass es einen derartigen Verein einmal geben würde, habe wohl niemand geglaubt. 35 Wiener Galerien haben sich im Frühjahr kurzfristig zusammengeschlossen “und plötzlich war da etwas da, was der Szene immer abgesprochen wurde: Geschlossenheit”.
Kleine “Salonausstellung” wuchs über sich hinaus
In Windeseile kümmerte man sich um Finanzierung (es gibt sowohl Zuschüsse von der Stadt Wien als auch vom Bund, über deren Höhe man sich jedoch beharrlich in Schweigen hüllt), fand mit der Astoria Garage eine außergewöhnliche Herberge und was als kleine “Salonausstellung” Wiener Galerien geplant war, wuchs sich zu jener Messe aus, die nun zu erleben ist. Sowohl aus den Bundesländern als auch aus dem europäischen Ausland seien Anfragen gekommen, an der Messe teilnehmen zu wollen. Dennoch gilt der heurige Auftakt als Preview: Im kommenden Jahr (und in jenen danach) sind noch größere Ausgaben geplant.
Die weiteste Anreise hatte wohl Yeajin Scarlett Lee, Direktorin der südkoreanischen The Third Gallery, die kürzlich nach Leipzig expandiert hat und dort, wo üblicherweise Autos parken, Werke von Jungwon Phee präsentiert, der seine Arbeiten als “Tagebuch der Erinnerungen” bezeichnet, wie sie im APA-Gespräch erzählte. Für seine klein- wie großformatigen Werke verwendet er eine Mischung aus feinem Zement und Öl und imaginiert Eindrücke, die er als junger Migrant in Vancouver in der Natur gewonnen hat. Der slowenische Künstler Tadej Pogačar, den die Galerie P74 aus Ljubljana mit einer Videoarbeit sowie seinem “Human Trade Game” namens “Monapoly” präsentiert, widmet sich in seinen Arbeiten dem Thema Sexarbeit.
Ein Wolf, ein Auto und Holz gewordene Musik
Eine ungewöhnliche Begegnung bietet die “Mobile Wilderness Unit – Wolf” des US-Künstlers Mark Dion, die die Galerie Lombardi-Kargl prominent präsentiert: Auf einem Anhänger stellt der Künstler einen ausgestopften Wolf in einer Naturlandschaft aus, womit er die museale Konstruktion und Repräsentation von Natur hinterfragen will, wie es im Booklet heißt. Passend zur Location hat der aus Neuseeland stammende Künstler Nik Geene (Shore Gallery), der im von Casandra Hermann kuratierten Nachwuchsprogramm “Zone 1” präsentiert wird, gleich ein ganzes Auto in der Garage platziert: Die Fenster sind verklebt, aus dem Inneren dringt ein kaum zu erkennender Remix des Songs “Jolene”, während die Scheinwerfer auf der gegenüberliegenden Wand ein weiteres Werk des Künstlers ausleuchten.
Ins Auge springen auch die Skulpturen von Koloman Wagner (Mario Mauroner Contemporary Art): In seinen Arbeiten übersetzt der studierte Physiker musikalische Formen in filigrane Holzgebilde. Das Publikum kann sich aber auch selbst betätigen: In einem “Drive In” des C/O Vienna-Magazins können via Siebdruck ausgewählte Motive wie ein Auto oder der Schriftzug “we are very dirty” auf Textilien wie einen Tanga, ein Geschirrtuch oder eine Tasche gedruckt werden.
Wer die Höhenunterschiede zwischen den drei Ausstellungsebenen und der Rooftop Bar nicht zu Fuß überwinden will, hat neben einem kleinen Lift auch die Möglichkeit, sich via Golf Carts ins nächste Stockwerk chauffieren zu lassen. Doch das Schlendern über die steil ansteigenden, spiralförmigen Straßen unter der riesigen Lichtkuppel ist ein eigenes Erlebnis, bieten sich doch immer wieder spannende Ein- und Ausblicke auf die auf den Decks ausgestellte Kunst. Der Andrang am Eröffnungstag war bereits enorm. Ein Besuch lohnt sich.
(S E R V I C E – Astoria Artshow, 10. bis 13. September, 12-19 Uhr, 8., Trautsongasse 4. )