“Es ist ein neues Villach, aber ein noch stärkeres”

29.08.2026 • 06:00 Uhr

Günther Albel (SPÖ) ist seit dem Jahr 2015 der Bürgermeister von Villach, wo seine Partei mit absoluter Mehrheit regiert. Dort konzentriert er sich durchaus auf “klassische sozialdemokratische Themen”, wie Wohnen und Kinderbetreuung – aber auch Klimaschutzmaßnahmen zählt er dazu. Die Stadt, die vor eineinhalb Jahren durch einen Terroranschlag, bei dem ein 14-Jähriger getötet wurde, betroffen war, habe mittlerweile zur Normalität zurückgefunden, sagt Albel im APA-Interview.

Noch sei der Wahlkampf zur Gemeinderatswahl im Februar 2027 gar kein Thema, bekräftigt Albel: “Ein Wahlkampf muss zwei Dinge erfüllen: Er muss kurz und fair sein. Weil die konsequente, konstruktive Arbeit, die hat bis kurz vor Ende der Periode zu erfolgen.” Ganz Kommunalpolitiker zählt er daraufhin im Akkord Projekte auf, die derzeit in Arbeit sind oder in Angriff genommen werden: Wohnbau, Stadtentwicklungsprojekte mit der Schaffung eines 2.000 Quadratmeter großen Parks, die neue Eishalle oder die neue Photovoltaik-Strategie: “Bis spätestens 2030 will die Stadt Villach mehr erneuerbaren Strom produzieren, als sie selbst mit ihren Gebäuden verbraucht.” Und: “Wir schaffen es heuer erstmals, dass wir eine Garantie geben können, dass berufstätige Eltern für ihr Kind einen Kindergartenplatz haben.”

“Gebt uns einfach, was uns zusteht”

In einer Zeit, in der Städte und Gemeinden unter chronischem Geldmangel leiden – wie geht sich das alles aus? An Krisen habe man in den letzten Jahren “eigentlich nichts ausgelassen”, so Albel, was bis heute nachhänge: “Die Ansage, die da ein Politiker in Wien gemacht hat, nämlich “Koste es, was es wolle”, das ist in Wahrheit der größte Faktor, weil am Ende des Tages zahlen es die Gemeinden und Städte und damit die Bürgerinnen und Bürger.” Das spüre man durch die aktuellen Sparpakete mit gestrichenen Förderungen und “extrem niedrigen” Ertragsanteilen.

Während er hier ebenso eine Erhöhung fordert wie bei der Grundsteuer (“Die ist seit den 70ern nicht mehr angehoben worden”), würde Villach allerdings von den Einnahmen aus der Kommunalsteuer massiv profitieren: “Das funktioniert in Villach super. Wir haben nicht nur Infineon. Selbst in größten Krisenzeiten haben die kleinen und mittelständischen Unternehmer einen ganz wesentlichen Beitrag geleistet.” In Sachen Finanzierung erwarte sich Albel jedenfalls etwas von der Spitze der Regierung: “Wir haben einen Bundeskanzler, der Vizebürgermeister war. Wir haben einen Vizekanzler, der Bürgermeister war. Wir haben zwei an der Spitze, die wissen müssten, dass die, die am nächsten bei der Bevölkerung sind, eigentlich am besten wissen, wie man es macht.” Albel würde sich, was diese Forderungen betrifft, mehr Reaktionen der Bundesregierung erwarten: “Der Bund damit einige Sorgen auf einen Schlag loswerden. (…) Gebt uns einfach das Geld, das uns zusteht.”

Vor Einsparungen sei aber auch Villach nicht gefeit. “Im internen Bereich”, also in der Verwaltung, habe man dazu alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter befragt: “Wir haben gesagt: Ihr wisst ganz genau, wohin das Geld fließt, wie man das Geld ausgibt, aber auch, wie man weniger ausgibt.” Daraus resultierten Vorschläge direkt aus den Abteilungen, wie etwa, dass man sich eine Nachbesetzung nach einer Pensionierung sparen könne, weil man die alltägliche Arbeit mit Unterstützung durch die Künstliche Intelligenz schaffe: “Das traut man sich selber eigentlich nicht vorzuschlagen, aber wenn die Abteilung den Vorschlag bringt, ist ja das einfach.”

Investitionen in Klimaschutz

Trotz allen Spargedanken gelte in Villach: “Wir werden trotzdem nicht aufhören zu investieren, weil wenn die Städte und Gemeinden aufhören zu investieren, verlieren wir mehr als 30 Prozent aller Gesamtinvestitionen in Österreich.” Und zweitens: “Wir sparen jedenfalls nicht bei den Subventionen. Also, die Vereine, die Sozialvereine, Kulturvereine, Sportvereine haben ihre Subventionen in ungekürzter Form trotzdem erhalten.”

Zu den Investitionen zählen auch solche in Maßnahmen, um die Klimaerwärmung abzufedern, wozu man bereits vor einigen Jahren eine Hitzestudie in Auftrag gegeben hatte. Das sei die Grundlage gewesen, “um in gewissen Zonen, wo einfach zu viel Grau ist, nachzubessern”. Ergebnis war etwa die Idee der “Grünen Allee”, ein 1,3 Kilometer langer Pfad, an dem Bäume gepflanzt werden – auch mitten am Hauptplatz. “Das ist das erste Mal, dass man da überhaupt Bäume setzt.” Auch hier erwarte sich Albel, dass “auf die Expertise derer, die ganz nah bei der Bevölkerung sind, mehr gehört wird”. Die nötigen Mittel würden ja bereitliegen, jetzt brauche es ein abgestimmtes, gemeinsames Vorgehen: “Und die Gemeinden und Städte wissen schon, was sie machen müssen. Sie wissen, dass sie Bäume pflanzen müssen. Sie wissen, dass Gebäude anders geplant werden müssen. Sie wissen, dass sie Beschattungen machen müssen.”

Wechsel in SPÖ Kärnten “richtige Entscheidung”

In Kärnten stand mit dem Wechsel von Peter Kaiser zu Daniel Fellner nicht nur eine Änderung an der SPÖ-Spitze, sondern auch auf dem Landeshauptmannsessel an: “Was ich beim Daniel schon bemerke, und das bekomme ich auch von den Leuten als Rückmeldung: Man merkt, dass er Menschen mag. Und das ist das Wichtigste, meiner Meinung nach, für einen Politiker.” Bisher habe sich Fellner “sehr, sehr gut verhalten. Er wird natürlich die Zeit brauchen, um sich zu profilieren, aber er ist auf einem extrem guten Weg. Die Entscheidung der Partei war absolut richtig.” Die Zusammenarbeit mit der Landesregierung bezeichnet Albel als “konstruktiv”, etwa was die Wohnbaupolitik und das “Kinderbildungs- und -betreuungsgesetz” angeht.

Auf die Frage, was die SPÖ auf Bundesebene tun könne, um nicht zur Kleinpartei zu schrumpfen, will Albel nicht eingehen: “Wer mich kennt, weiß, dass ich meiner Partei über die Medien gar nichts ausrichte. Das habe ich nie getan.” Aber: “Ich glaube, auch andere täten gut daran, wenn sie mehr intern diskutieren, auch hart diskutieren, und nach außen Einigkeit zeigen. Das war übrigens auch die Stärke, die die SPÖ über Jahrzehnte gehabt hat.” Ein Zitat, das auch Peter Kaiser mehrmals geprägt hat: “Peter ist auch, was das betrifft, sicherlich ein Konsenspolitiker durch und durch gewesen. Ich sehe mich auch als Konsenspolitiker.”

“Ein Stück neue Normalität”

Konfrontiert mit dem Terroranschlag vom Februar 2025 verweist Albel auf sein Zitat, das er damals sowohl in Interviews als auch in seiner Trauerrede verwendet hat: “Villach hat da seine Unschuld verloren.” Man könne sich “gar nicht hineinfühlen in das, was die Eltern, die Großeltern, die ich ja alle kenne, durchgemacht haben und durchmachen.” Aber nun, eineinhalb Jahre später, würde er sagen, in Summe habe sich die Stadt erholt: “Wir haben gemeinsam geweint, wir haben gemeinsam getrauert, aber wir haben auch gemeinsam wieder aufstehen gelernt.” Die aktuellen Tourismuszahlen seien “sensationell”, auch die Arbeitslosenzahlen und die Kommunalsteuererträge würden für den Befund sprechen. “Nach den tausenden Hausbesuchen, die ich jetzt gemacht habe, habe ich das Gefühl, dass die Villacher auch wieder zurückgefunden haben, in ein Stück neue Normalität”, so Albel, “nicht in das gewohnte Villach. Es ist ein neues Villach, aber es ist ein noch stärkeres.”

Das Gespräch führte Peter Lindner/APA