Expertin: Höheres Frauen-Antrittsalter senkt “Pension Gap”

Bis 2033 wird das gesetzliche Pensionsantrittsalter der Frauen auf 65 Jahre und damit auf das Niveau der Männer angehoben. Eine gleiche Anzahl an Versicherungsjahren würde den “Gender Pension Gap” – in Österreich derzeit 39,4 Prozent – “um mindestens ein Drittel, wenn nicht 40 Prozent” verringern, sagte die Wifo-Ökonomin und Vorsitzende der Alterssicherungskommission Christine Mayrhuber im Gespräch mit der APA. Eine Lücke bleibe aufgrund des Gender Pay Gaps aber bestehen.
Die schrittweise Anhebung des Frauenpensionsalters startete 2024, statt anfangs 60 liegt es derzeit bei 61,5 Jahren. Bisher sehe man dadurch noch keinen Effekt auf die Pensionslücke, erklärte Mayrhuber. Bei Personen, die neu in Pension gehen, gebe es weiterhin einen recht hohen Gender Pension Gap – 2025 lag er laut Daten der Pensionsversicherung und des Hauptverbands der Sozialversicherungsträger bei 34,8 Prozent. 2023, ein Jahr vor Start der Anhebung, war der Wert bei etwa 35,5 Prozent.
Pay Gap führt zu Pension Gap
Bei gleich vielen Versicherungsjahren könne die Lücke zwischen den Geschlechtern aber um bis zu 40 Prozent geringer ausfallen. Allerdings habe die Höhe des Erwerbseinkommens einen stärkeren Effekt auf die Pensionshöhe als die Anzahl der Versicherungsjahre, führte die Ökonomin aus. Frauen verdienten nicht nur wegen Karriereunterbrechungen sowie häufigerer Teilzeitarbeit u.a. aufgrund von Kindererziehung oder der Pflege von Angehörigen weniger als Männer. Auch bei Vollzeitarbeit seien ihre Einkommen geringer. Laut der Verdienststrukturerhebung der Statistik Austria zählten im Jahr 2022 rund 21 Prozent der Frauen, aber nur rund neun Prozent der Männer zu den Niedriglohnbeschäftigten.
Seit dem Start der Anhebung des Frauenantrittsalters gibt es bei den Über-60-Jährigen sowohl mehr Beschäftigte als auch mehr Arbeitslose. Im Juli 2023 waren laut AMS 1.384 Frauen in dieser Altersgruppe arbeitslos oder in Schulung, im Juli 2026 9.098. Im Juni 2023 waren indes 50.018 Frauen über 60 unselbstständig beschäftigt, im Juni 2026 105.471.
Anhebung als Herausforderung für Betriebe
Mayrhuber sieht in der Anhebung eine Herausforderung für die Zukunft. Das aktuelle Pensionsantrittsalter von 61,5 Jahren sei für Beschäftigte und Betriebe noch leichter zu stemmen als das künftige von 65 Jahren. Unternehmen müssten dann verstärkt auf das Thema Gesundheit achten und Arbeitsplätze adaptieren, um die Menschen im Job zu halten.
Adressieren müsse man Arbeitslosigkeit vor dem Pensionsantritt. “Frauen, die mit 59 keinen Job hatten, werden auch mit 60 keinen haben”, sagte Mayrhuber. Sowohl für Frauen als auch für Männer brauche es auch im Alter von 50 oder 55 Jahren noch Weiterbildungsmaßnahmen. 50-Jährige haben schließlich noch 15 Jahre bzw. ein Drittel der Erwerbsphase vor sich.