Forderung nach Hitze-Maßnahmenpaket in Wien

25.06.2026 • 15:57 Uhr

Die Wiener Grünen haben die aktuelle Hitzewelle am Donnerstag zum Anlass genommen, um ein Maßnahmenpaket für mehr Abkühlung in Innen- und Außenbereichen zu fordern. Zu den Eckpunkten gehören unter anderem Beschattungsinitiativen, Schritte zur Verbesserung der Situation in den Schulen und eine Baumpflanz-Offensive. Die Stadt verwies wiederum auf umfangreiche Angebote, die die hohen Temperaturen erträglich machen sollen. Genannt wurden dabei etwa die “Coolen Zonen”.

Die beiden Grünen-Chefs Judith Pühringer und Peter Kraus luden am Vormittag zu einem Termin in den Rathauspark – auch um zu demonstrieren, wie viel kühler es unter Bäumen ist, wie sie betonten. Solche würden im Straßenbereich jedoch fehlen, beklagten sie. Empfohlen werde im öffentlichen Raum ein Überschattungsgrad von 30 Prozent, Wien käme hier nur auf 15 Prozent. 100.000 zusätzliche Bäume wären mindestens notwendig, rechneten die Grünen vor.

Höhere Förderung für Beschattung

Weiters wurde eine Aufstockung der Förderung für Beschattungsmaßnahmen im privaten Bereich gefordert. Außerdem sei es notwendig, den Hitzeschutz in Pflegeeinrichtungen, Spitälern oder Schulen zu verstärken. In letzteren müsse es etwa erlaubt werden, in der Nacht durchzulüften. Das sei derzeit nicht möglich, berichteten die Grünen. Forderungen nach einer Vorverlegung der Sommerferien sorgten hingegen für Staunen. Es habe auch schon extreme Hitze im August gegeben, gab Pühringer zu bedenken.

Kraus forderte zudem, die Öffis in Hitzeperioden durchgehend zu klimatisieren und die Haltestellen zu überdachen sowie mit Trinkbrunnen auszustatten. Weiters warnte er davor, Frischluftschneisen in der Stadt zu verbauen. Dies drohe etwa nun im Bereich Westbahnhof. Auch Maßnahmen zur Stabilisierung des Wasserhaushalts in der Lobau, die massiv unter Trockenheit leide, wurden urgiert. “Diese Hitze ist schwer erträglich, noch unerträglicher ist aber die Untätigkeit der Stadtregierung”, befand Parteichefin Pühringer.

Stadt mit “Anti-Hitze-Formel”

Laut Stadt werden sehr wohl zahlreiche Schritte gesetzt, um Abhilfe zu schaffen. Wie Klimastadtrat Jürgen Czernohorszky und Planungsstadträtin Ulli Sima (beide SPÖ) in einer Aussendung erläuterten, wird dabei auf eine bewährte “Anti-Hitze-Formel” gesetzt. Diese sehe mehr Wasser, mehr Schatten und mehr Räume zum Abkühlen vor. Besonders bewährt hätten sich die “Coolen Zonen”, wurde versichert.

Dabei handle es sich um frei zugängliche kühle und betreute Räume, in denen Wienerinnen und Wiener ohne Konsumzwang verweilen könnten, erläuterte Czernohorszky. Im Jahr 2023 hat Wien mit zwei Pilot-Standorten begonnen, heuer haben 34 dieser Einrichtungen in 19 Bezirken ihre Pforten geöffnet. “Künftig soll es in jedem Bezirk zumindest eine Coole Zone geben und wir sind auf einem sehr guten Weg, dieses Ziel zu erreichen”, kündigte der Stadtrat an.

Verwiesen wurde auch auf die rund 1.800 zur Verfügung stehenden Trinkbrunnen. Dazu kommen 75 mobile Brunnen mit Sprühfunktion, die auf den Namen “Brunnhilde” getauft wurden. Die Wiener Bäder und rund 60 Kilometer frei zugängliche Badestrände wurden ebenfalls genannt. Von 2021 bis 2025 entstanden laut Stadt zudem rund 577.000 Quadratmeter neue bzw. neugestaltete Park- und Grünanlagen. 4.500 Bäume würden pro Jahr neu gepflanzt.

Die Kritik der Grünen wurde vom SPÖ-Klub zurückgewiesen. Die Grünen würden die umfassenden Maßnahmen ignorieren, konterte man. Die erfolgten Schritte hin zu mehr Grün, mehr Schatten, mehr Entsiegelung und mehr Aufenthaltsqualität seien bereits in ganz Wien sichtbar, wurde in der Stellungnahme des Klubs versichert.

FPÖ für bessere Kühlung in Pflegeeinrichtungen

Die FPÖ warnte in einer Aussendung davor, dass die Hitze vor allem für ältere Menschen in den Senioren- und Pflegeheimen zur Belastung werde. Der blaue Seniorensprecher Paul Stadler konstatierte einen “untragbaren Zustand”, da viele Häuser der Stadt weiterhin nicht ausreichend auf extreme Sommertemperaturen vorbereitet seien. Er forderte den raschen Einsatz von Fernkühlung. Wo dies technisch nicht umsetzbar sei, müssten Pflegeeinrichtungen mit ausreichend Klimageräten ausgestattet werden, verlangte Stadler.