Gall will in Vuelta-Schlusswoche auf Podestkurs bleiben

Felix Gall steuert bei der Vuelta auf einen erneuten Grand-Tour-Podestplatz zu. Bis Sonntag warten auf das hitzegeplagte Feld mit dem zweitplatzierten Osttiroler in Andalusien noch einige Härtetests. Nach zwei Flachetappen muss sich der Bergspezialist zunächst im ungeliebten Zeitfahren möglichst schadlos halten, ehe er an den beiden letzten Klettertagen wieder seine Stärke ausspielen kann.
Bisher läuft es für Gall wie auch schon bei seinem zweiten Giro-Rang im Mai nahezu perfekt. Einzig der führende Enric Mas ist ihm mit 2:06 Minuten Vorsprung bereits enteilt. Primoz Roglic hat er in der Vorwoche zwar überholt, der viermalige Vuelta-Sieger lauert aber nur vier Sekunden hinter ihm. Im flachen 32-km-Zeitfahren wird Gall viel Zeit auf den slowenischen Olympiasieger einbüßen, und auch Mas schätzt der Decathlon-Kapitän im Kampf gegen die Uhr deutlich stärker ein.
Zeitverlust im Kampf gegen die Uhr eingeplant
Die anderen Asse um Richard Carapaz und Oscar Onley sollten, bereits deutlich abgehängt, keine Gefahr mehr darstellen. “Mir war wichtig, dass ich mir nach hinten einen Puffer aufbaue. Der zweite Zwischenrang ist schön, aber ich erwarte mir, dass ich den im Zeitfahren an Primoz verliere, und dann ist die Frage, was auf den letzten zwei harten Etappen noch passiert”, sagte Gall am letzten Ruhetag. Ein größerer Rückstand im Zeitfahren sei unausweichlich, auch auf Mas werde er einiges verlieren. “Enric schaut sehr, sehr gut aus. Ich erwarte schon, dass ich auf die meisten ein bisschen Zeit liegen lassen werde.”
Gall geht davon aus, dass sich nach dem wahrscheinlichen Einsortieren auf Rang drei in den anschließenden Bergen nicht mehr allzu viel bewegen wird. “Der Samstag ist extrem schwer, die Etappe hat das Potenzial, aber ich weiß nicht, wie angriffslustig die Fahrer dann noch sind und bereit sind, Risiko einzugehen.” In der letzten Woche gehe es erfahrungsgemäß um das Verteidigen der Positionen. “Grundsätzlich würde ich sagen, dass eher taktiert wird. Ich sage nicht, dass nichts passiert, aber wenn es so schwer ist, hat jeder Angst, dass er gekontert wird.”
Mühlberger fehlt seinem Kapitän
Für seine eigenen Ambitionen wiegt der Ausfall seines Edelhelfers Gregor Mühlberger vor dem vergangenen Wochenende schwer. “Es ist extrem schade und hat schon einen ziemlichen Einfluss. Gregor kann man nicht wirklich ersetzen, er war extrem stark und vor allem tief im Finale sehr wertvoll.” Ohne seinen Teamkollegen fehle ihm auch die Sicherheit, in die Offensive zu gehen. “Das limitiert uns schon ein bisschen.”
Ein limitierender Faktor für alle war zuletzt die Witterung mit über 40 Grad. “Es haben schon 34 Fahrer aufgegeben. Die Bedingungen sind wirklich extrem und zehren natürlich auch”, sagte Gall und berichtete von völlig entkräfteten Mitstreitern, die sich kaum noch am Rad halten konnten. Die Hitzewelle sollte sich in den kommenden Tagen aber merklich abschwächen, nur noch punktuell werden deutlich über 30 Grad erwartet.
Mas auf dem Weg zum ersten Grand-Tour-Titel
Nach dem Sturz-Aus von Dominator Tadej Pogacar war bisher nur Mas stärker als Gall. Eine Kampfansage an den Spanier ließ er sich nicht entlocken. “Er ist so stark wie noch nie. Ich sehe nicht, wie er einen Riesenrückstand aufreißt. Aber das ändert nichts an meiner Herangehensweise. Ich habe in den letzten Wochen das maximiert, was ich herausholen habe können. Mal schauen, wo das hinführt.” Sollte es ein Podiumsplatz werden, sei das natürlich ein Riesenerfolg, betonte Gall.
Der ganz große Triumph in Form eines Sieges wird aber wohl noch warten müssen. Auch dem 31-jährigen Mas fehlt ein Grand-Tour-Titel noch. Bei der Vuelta war der Lokalmatador aus dem Movistar-Team als dreimaliger Zweiter und Dritter 2024 schon mehrfach nahe dran. Sollte es diesmal nach der letzten Kletteretappe an der Spitze noch eng zugehen, ist auch am Sonntag auf dem finalen Rundkurs in Granada viel Stress angesagt. “Das wird keine Triumphfahrt werden wie bei anderen Rundfahrten”, kündigte Gall an.