Gasteiger-Schau in Wiener Neustadt: “Räume der Wahrnehmung”

Zuletzt machte er durch die von ihm auch gegen den Willen des Künstlers umgesetzte Ausstellung von Kreuzarbeiten Arnulf Rainers im Wiener Stephansdom von sich reden: Der Unternehmer und Kunstsammler Werner Trenker, 2024 mit einem von der Wiener Wirtschaftskammer vergebenen Vienna Art Award ausgezeichnet, eröffnet am Mittwoch in Wiener Neustadt eine große Ausstellung mit Werken des Malers Jakob Gasteiger.
Werner Trenker ist seit rund 15 Jahren leidenschaftlicher Kunstsammler und besitzt bereits über 1.500 Kunstwerke, darunter prominente österreichische Positionen wie Hermann Nitsch, Arnulf Rainer, Markus Prachensky und andere. Die meisten der nun von 3. September bis 1. November im Museum St. Peter an der Sperr gezeigten 71 Exponate kommen aus seiner Sammlung, der Rest wurde von dem 1953 in Salzburg geborenen und in Wien und im Weinviertel lebenden Künstler selbst zur Verfügung gestellt. “Seine Werke eröffnen dem Betrachter weder eine unmittelbare Interpretation, noch erzählen sie eine Geschichte. Gasteigers Werke schaffen Räume der Wahrnehmung, die sich bei jedem Betrachten verändern”, schwärmen Trenker und seine Lebenspartnerin Sonja Zsolnai-Kasztler, die gemeinsam Idee und Konzept zu der Schau entwickelt haben, in dem dazu aufgelegten Katalogbuch.
Prominenter Kurator
Kuratiert wurde die Ausstellung in dem nach der Austragung der NÖ Landesausstellung 2019 für einen dauerhaften Museums- und Ausstellungsbetrieb adaptierten profanierten Kirchengebäude, in dem auch eine “Himmelsleiter” der Künstlerin Billi Thanner als Dauerleihgabe von Werner Trenker zu sehen ist, von niemand Geringerem als Klaus Albrecht Schröder. Als Albertina-Generaldirektor zeigte er 2021 die Schau “Jakob Gasteiger. Post-Radikale Malerei”, nun hat er nicht nur Auswahl und Hängung übernommen, sondern sich in einer umfangreichen Analyse mit dem Werk des Künstlers, der mit der Kamm-Rakel charakteristische Bilder schafft und damit seit langem zu den wesentlichen Positionen der österreichischen Gegenwartskunst zählt, auseinandergesetzt.
“Der Betrachter blickt nicht in ein Bild hinein, sondern auf ein Objekt”, schreibt Schröder. “Die Oberfläche scheint zu pulsieren, in konzentrischen oder elliptischen Schwingungen auf- und abzulaufen. Das Auge folgt diesen Bögen wie einem grafischen Echo einer körperlichen Geste.” Der prominente Kurator ortet beim Betrachten “eine Schwebezone zwischen Malerei, Relief und Objekt” und betont den “installativen Charakter” der Zusammenstellung, die “über die traditionelle Hängung von Bildern weit hinausgeht”. In einem irrt Schröder jedoch: “Wie kaum eine andere Kunst widersetzt sich Gasteigers Werk der Reproduktion”, schreibt er. Die schönen Katalog-Fotos von Michael Nagl, der die reliefartige Strukturen und die Leuchtkraft der gewählten Farben herausragend zur Geltung bringt, widerlegen ihn, der ein Plädoyer für einen persönlichen Augenschein hält. Dagegen spricht freilich gar nichts. Bis 1. November ist die Schau im Museum St. Peter an der Sperr geöffnet.
(S E R V I C E – “Jakob Gasteiger. Sammlung Werner Trenker”, Ausstellung im Museum St. Peter an der Sperr, Wiener Neustadt, 3. September bis 1. November, Mi bis So, 10-17 Uhr; Zweisprachiger Katalog, herausgegeben von Werner Trenker: 140 S., ISBN 978-3-9506236-3-5, )