Gedenken an NS-Widerstandskämpfer

07.08.2026 • 13:49 Uhr
Gedenken an NS-Widerstandskämpfer

Die Spitzen des österreichischen Bundesheeres haben am Freitag in der Roßauer Kaserne “Bernardis-Schmid” des militärischen Widerstands gegen den Nationalsozialismus gedacht. Einer der Namensgeber der Kaserne, Robert Bernardis, war am 8. August 1944 von den Nazis hingerichtet worden. Der Zweite, Anton Schmid, war bereits rund zwei Jahre davor wegen seines Widerstandes und der Rettung von Juden ermordet worden. 2025 wurde den beiden ein erstes Mal rund um den 8. August gedacht.

“Ihr Handeln und ihr Mut verdienen die Anerkennung unseres Landes”, sagte Verteidigungsministerin Klaudia Tanner (ÖVP) am Freitag nach der Kranzniederlegung bei einer Veranstaltung am Heldenplatz. Der militärische Widerstand stelle bis heute die grundlegende Frage, was geschieht, wenn “ein Staat seine Grundlagen verrate” und die Würde des Menschen nicht mehr für alle gelte. “Klar ist, dass militärischer Dienst ohne Befehl und Gehorsam nicht aufkommt (…). Aber die Geschichte zeigt uns mit aller Klarheit, dass Gehorsam allein noch keine Tugend ist.”

Das Bundesheer sei heute das Heer “unserer demokratischen Republik”. Die Soldatinnen und Soldaten würden keiner Person, Partei oder Ideologie dienen. “Ihr Handeln ist an die Verfassung, an die Gesetze, an die Würde jedes Menschen gebunden.” Darin liege der grundsätzliche Unterschied zu einer Diktatur.

Widerstandskämpfer galten lange als “Verräter”

Bernardis Enkelin, Ingeborg Heidlberger, erinnerte daran, dass der positive Blick auf ihren Großvater lange keine Selbstverständlichkeit war. “Ich weiß, wie sehr meine Mutter und mein Onkel darunter gelitten haben, lange noch nach dem Krieg als Kinder eines Verräters zu gelten”. Sie hätten kaum zeigen können, dass sie eigentlich “stolz auf ihren Vater waren”. Georg Hoffmann, Direktor des Heeresgeschichtlichen Museums, lud die Anwesenden ein, sich den beiden soldatischen Widerstandskämpfern in ihren letzten Stunden zu nähern. Wir wüssten, dass sie geehrt werden und ihre Namen auf Gebäuen stehen. “Das wussten sie nicht”.

Der Militärgeistliche, Militärsuperindentent Karl Trauner, zeichnete den Weg des evangelischen Bernardis und des katholischen Schmid in den Widerstand nach. Ersterer sei zunächst Teil des Systems gewesen, habe dann aber die Gräuel, vor allem an der jüdischen Bevölkerung, in Osteuropa miterlebt und sei daran “innerlich zerbrochen”. Ein langes und zähes Ringen, darum was das Richtige sei, war die Folge. Schmid habe begonnen im kleinen zu helfen, und Jüdinnen und Juden zu retten. Was diese beiden so ungleichen Männer verbinde, sei ihr Humanismus.

“Gerechter unter den Völkern”

Bernardis gilt als der höchstrangige österreichische Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus und neben Carl Szokoll als der bekannteste. Er war einer der wenigen österreichischen Offiziere, die eine Schlüsselrolle bei dem Attentat auf Adolf Hitler am 20. Juli 1944 und dem damit verbundenen Umsturzversuch innehatten, wofür Bernardis am 8. August 1944 – einen Tag nach seinem 36. Geburtstag – mit seinem Leben bezahlte.

Zur Erinnerung Bernardis wurde die Roßauer Kaserne im Jahr 2020 nach ihm und Anton Schmid benannt, der als Angehöriger der Deutschen Wehrmacht und Leiter der Versprengtensammelstelle von Wilna in Litauen zahlreiche verfolgte Juden versteckte und ihnen bei der Flucht half. Zudem hatte er Kontakte zum jüdischen Widerstand. Auch er wurde zum Tode verurteilt und hingerichtet. Israel ehrte Schmid am 2. Dezember 1966 als “Gerechter unter den Völkern”.