Gesunde Gebärmutter entfernt: KUK geht auf Patientin zu

30.06.2026 • 13:06 Uhr
Gesunde Gebärmutter entfernt: KUK geht auf Patientin zu

Im Fall einer gesunden Frau, der im Vorjahr im Linzer Kepler Universitätsklinikum (KUK) wegen einer falschen Krebsdiagnose die Gebärmutter entfernt wurde, macht das Spital einen Schritt auf die Patientin zu: Man übernehme die Haftung dem Grunde nach, erklärte Geschäftsführer Meinhard Lukas am Dienstag vor Journalisten. Es handle sich um eine “falsch positive Befundung”, hielt er fest, auch wenn die Verschuldensfrage ungeklärt sei. Zudem will man an der Kommunikation arbeiten.

Der Patientin war die gesunde Gebärmutter entfernt worden, weil eine Gewebeprobe im Labor des KUK kontaminiert worden war und man deshalb von einem aggressiven Krebs ausging. Erst nach der Operation stellte sich heraus, dass das Organ gesund und nur die Probe verunreinigt war. Das Spital zahlte der Frau – basierend auf Empfehlungen der Patientenanwaltschaft – im Mai 70.000 Euro, ein Vergleich kam bisher nicht zustande.

“Beweislast nicht der Patientin auferlegen”

“Es tut dem KUK außerordentlich leid, dass es zu dieser Falschbefundung gekommen ist und dass es für die Patientin diese Folgen hatte”, betonte der neue KUK-Geschäftsführer Lukas am Dienstag. Möglicherweise werde sich nie klären lassen, ob ein Fehler oder ein schicksalhafter Verlauf vorlag, aber man wolle “die Beweislast nicht der Patientin auferlegen”. Daher werde man die Haftung dem Grunde nach anerkennen, auch für künftige Folgeschäden.

Das bedeutet, dass nur mehr die Höhe des Schadenersatzes zu klären ist und nicht der prinzipielle Anspruch – egal ob die Frau vor Gericht zieht oder ob man sich außergerichtlich einigt, erläuterte Lukas. Die Haftpflichtversicherung des KUK trage dies mit. Welche Summe angemessen ist, soll nach Vorschlag des KUK ein gerichtlich beeideter Sachverständiger klären, man habe dem Anwalt der Patientin drei Gutachter vorgeschlagen.

Anwalt der Betroffenen will Transparenz und Aufarbeitung

Der Anwalt der Betroffenen, Rainer Hable, bestätigte der APA, dass er am Dienstag ein entsprechendes Schreiben des KUK erhalten habe. Er müsse dieses mit seiner Mandantin aber erst besprechen. Es gehe ihr auch nicht allein um das Geld, sondern um Transparenz und darum, dass nicht einer anderen Frau etwas Ähnliches passiere. “Die Fakten kennen wir nicht.” Ihm und seiner Mandantin sei nur bekannt, dass es eine Kontamination der Probe gegeben habe, nicht wie, wo oder warum diese zustande gekommen sei. Dies müsse aufgearbeitet werden, meinte er sinngemäß.

In einem Hintergrundgespräch räumte Lukas am Dienstag ein, dass die Kontamination im Labor des KUK geschehen sei, unklar sei nur die Verschuldensfrage. Die Staatsanwaltschaft ermittelt in der Causa gegen unbekannt. Die Polizei versuche herauszufinden, wo die Verunreinigung der Probe stattgefunden hat, so Behördensprecherin Ulrike Breiteneder am Dienstag auf APA-Anfrage.

“Luft nach oben” bei Patienten-Kommunikation

Lukas skizzierte auch den Ablauf der falschen Behandlung: Bei der Patientin lag ein Krebsverdacht vor und es wurde eine Gewebeprobe genommen, die diesen bestätigte. Ein bildgebendes Verfahren ließ den Befund aus der Pathologie plausibel erscheinen. Eine rasche Entfernung der Gebärmutter erschien angezeigt und wurde durchgeführt. Erst nachträglich stellte sich heraus, dass die Gewebeprobe kontaminiert war und gar kein Krebs vorlag.

Er habe die Pathologie ersucht sicherzustellen, dass “alles Menschenmögliche” getan werde, damit so etwas nicht noch einmal passieren könne, so Lukas. Die “Luft nach oben” sieht der KUK-Geschäftsführer auch bei der Kommunikation mit der Patientin, der erst nach längerer Zeit – die Rede ist von zwei bis drei Wochen – mitgeteilt wurde, dass sie doch nicht Krebs habe. Künftig solle bei solchen Gesprächen auch immer eine klinische Psychologin oder ein klinischer Psychologe dabei sein, kündigte er an.