Gewaltambulanz Linz mit Fokus auf Spurensicherung

04.09.2026 • 14:17 Uhr

Der vergangene Woche bekanntgewordene Fall eines mutmaßlichen Vergewaltigungsopfers, das in Linz erst von zwei Spitälern abgewiesen worden war, bevor es im Kepler Uniklinikum (KUK) medizinisch versorgt wurde, ist Anlass einer Debatte über die Behandlung von Gewaltopfern. Nach Wien und Graz gibt es seit Jahresanfang auch in Linz eine Gewaltambulanz. KUK-Geschäftsführer Meinhard Lukas warnt vor falschen Erwartungen. Schwerpunkt sei die forensische Spurensicherung.

“Wir brauchen eine Gewaltambulanz, die funktioniert”, heißt es vom “Bündnis 8. März”, das für kommenden Mittwoch um 17.00 Uhr eine Kundgebung vor dem Linzer Landhaus organisiert. “Gewalt hält sich nicht an Öffnungszeiten. Wir fordern: 24/7. Ein fixer Ort. Für alle”, so die Ankündigung in sozialen Medien. Tatsächlich ist die noch im Aufbau befindliche Gewaltambulanz derzeit nur montags, dienstags, donnerstags und freitags von 7.00 bis 15.00 Uhr besetzt.

Dennoch sei im KUK eine Versorgung von Gewaltopfern rund um die Uhr gewährleistet, versicherte Lukas. Sie werden immer auf der jeweiligen Fachabteilung medizinisch versorgt. Ziel sei es, die Ambulanz auch am Mittwoch zu öffnen. Der Begriff Gewaltambulanz sei “missverständlich”, meinte Lukas Freitag in einem Pressegespräch. Sie sei etwa nicht vergleichbar mit einer Notfallambulanz.

2008 Aufbau von Gewaltopferbetreuungsteam

2008 begann die Leiterin der klinischen Sozialarbeit, Monika Kern, mit dem Aufbau eines “interprofessionellen Gewaltopferbetreuungsteams” am damaligen AKH und heutigen KUK. Die Betreuung von Gewaltopfern sei sehr komplex: Medizinische Hilfe, Spurensicherung sowie Beratung und Begleitung, wie es nach der Entlassung weitergehe, umriss sie die Aufgabenfelder für Ärzte, Sozialarbeiter, Psychologen und Forensic Nurses. Es wurde ein Leitfaden entwickelt und das Team schult zudem die Mitarbeiter im Umgang mit Gewaltopfern.

Den Mehrwert der neuen Gewaltambulanz sieht Lukas in der Fokussierung auf die Spurensicherung für staatsanwaltliche Ermittlungsarbeit, die außerhalb der Öffnungszeit vom Personal auf der Fachabteilung vorgenommen wird. Nachdem es in Linz an der Uni keine Gerichtsmedizin gibt, wurde ein niedergelassener Forensiker zur Gewaltambulanz hinzugezogen. Inzwischen hat die Gewaltambulanz auch Spurensicherungsboxen für alle anderen Krankenhäuser in Oberösterreich zusammengestellt.

Bei dem Fall im Mai dieses Jahres war eine Transfrau, die wegen einer Vergewaltigung medizinische Hilfe benötigte, von zwei Ordensspitälern weggeschickt worden. Im KUK wurde sie dann – an einem Mittwoch – behandelt. Auch wenn Lukas wegen sensibler Daten nichts sagen dürfe, stellte er sich vor sein Personal. Das mutmaßliche Opfer sei “nicht im Stich gelassen” worden. “Wir haben versorgt, wir haben betreut”, auch als die Gewaltambulanz geschlossen war.