Gewerkschaft fordert besseren Hitzeschutz in der Arbeit

Für die Gewerkschafterin Barbara Teiber gehen die Maßnahmen der seit heuer geltenden Hitzeschutzverordnung angesichts zunehmender Hitzetage nicht weit genug. “Aus unserer Sicht ist das zu wenig. Es gibt Verbesserungen, was das Arbeiten im Freien betrifft, aber gerade in geschlossenen Räumen und Büroräumlichkeiten braucht es bessere Bestimmungen im Arbeitnehmerschutzgesetz”, sagte die GPA-Vorsitzende am Montag bei einem Medientermin.
Sie fordert generell mehr verpflichtende Pausen oder vom Arbeitgeber zur Verfügung gestellte Trinkmöglichkeiten. “Da gibt es mehrere Optionen, aber im Gesetz ist da in Wahrheit wenig verankert”, hielt die SPÖ-Mandatarin fest. Verbesserungen seien auch im Sinne der Unternehmer, zumal die Leistungsfähigkeit der Beschäftigten an Hitzetagen massiv leide. In der Hitzeschutzverordnung sind verpflichtende Hitzeschutzpläne für die Arbeit im Freien verankert, die etwa Schutzmaßnahmen gegen die UV-Strahlung oder die Verlagerung von Arbeitszeiten vorsehen können.
Auch verpflichtende Hitzefrei-Regelungen ab einer bestimmten Temperatur – wie in der Vergangenheit unter anderem von der Baugewerkschaft (GBH) verlangt – blieben “prinzipiell” eine Forderung. Man müsse sich allerdings überlegen, in welchen Bereichen dies Sinn mache und praktisch umsetzbar sei. “Wenn ein Kindergarten zusperrt, steht die ganze Stadt”, so Teiber. “Da geht es darum, wie man das für einzelne Berufsgruppen regeln kann, damit unsere Gesellschaft weiter funktioniert.”
Hitze wird zunehmend zur Belastung
Dass Arbeitnehmende unter der Hitze ächzen, zeigt auch eine im April und Mai unter gut 1.000 Personen durchgeführte Studie des IFES-Instituts zum Thema Gesundheit am Arbeitsplatz. Demnach gab fast ein Drittel an, dass hohe Temperaturen ein Problem seien, nur Zeitdruck (41 Prozent) und psychisch bzw. emotional belastende Arbeit (36 Prozent) wurden häufiger als Belastung genannt. “Bei der Hitze heute würde das noch einmal anders aussehen”, gab IFES-Geschäftsführerin Eva Zeglovits bei der Pressekonferenz zu bedenken.
Generell bewerten zwei Drittel der Beschäftigten den eigenen Gesundheitszustand als sehr gut oder gut. Bei jenen Personen, die ihre Situation eher schlecht bewerten, hängt dies häufig mit körperlich fordernden Tätigkeiten oder Zeitdruck zusammen. Außerdem besteht bei dieser Gruppe ein Zusammenhang mit dem Einkommen: Kommen die Menschen nur knapp mit ihren Gehältern aus, sind diese überproportional mit schlechterer Gesundheit konfrontiert.
Wie weiter aus der Studie hervorgeht, glaubt mehr als ein Drittel der Befragten nicht daran, ihre aktuelle Arbeit bis zur Pension durchhalten zu können. Mehr als 40 Prozent wünschen sich eine Verringerung der Arbeitszeit, in vielen Fällen wird auch über zu wenig Personal oder eine ungerechte Aufteilung der Arbeit geklagt. Rund die Hälfte der Beschäftigten berichtet, dass die Arbeitsbelastung in den vergangenen zwei Jahren zugenommen hat (48 Prozent).
Gewerkschaft fordert Ausbau der betrieblichen Gesundheitsförderung
Geht es nach Teiber, ist angesichts dieser Resultate ein Ausbau der betrieblichen Gesundheitsförderung gefragt, die auch psychische Probleme einbeziehen müsse. So im Betrieb vorhanden, würde diese den Gesundheitszustand von Beschäftigten häufig spürbar verbessern, wie auch die Studie zeige. Außerdem brauche es einen Rechtsanspruch auf Wiedereingliederungsteilzeit sowie eine Ausweitung der Berufskrankheitenliste, um eine bessere Absicherung durch die Sozialversicherung zu ermöglichen. Hans-Peter Hutter, Umweltmediziner an der MedUni Wien, nannte diesbezüglich unter anderem Krankheitsbilder wie Bandscheibenvorfälle, Burn-out oder Parkinson.