Gleichstellung in Vorarlberg kommt zu langsam voran

12.10.2026 • 12:42 Uhr
Gleichstellung in Vorarlberg kommt zu langsam voran

Die Gleichstellung von Männern und Frauen schreitet in Vorarlberg viel zu langsam voran. Das geht aus dem am Montag präsentierten Gleichstellungsbericht hervor, den das Land Vorarlberg mit Arbeiterkammer und ÖGB beauftragte. Trotz Erfolgen bleibt das in Vorarlberg besonders ausgeprägte, alte Rollenbild ein wesentlicher Faktor, was für Frauen ungleiche Bezahlung, Teilzeitarbeit und geringere Pension bedeutet. Landesrätin Barbara Schöbi-Fink (ÖVP) kündigte einen Aktionsplan an.

Zwar sind mehr Frauen in Vorarlberg erwerbstätig, gut ausgebildet und in politischen Ämtern vertreten als früher, die Probleme bleiben aber: Frauen arbeiten überdurchschnittlich oft in schlechter bezahlten Berufen, was bereits beim Einstieg beginnt und sich bis in die Pension zieht. Der geschlechtsspezifische Pensionsunterschied liegt in Vorarlberg bei 45 Prozent. 58 Prozent der erwerbstätigen Vorarlbergerinnen arbeiten in Teilzeit, bei Müttern lag die Quote bei 82 Prozent. 45 Prozent nannten in der Studie der L&R Sozialforschung Betreuungspflichten als Grund, weitere waren fehlende Vereinbarkeit, Gesundheit und mehr Freizeit. Dazu kommt die Mehrfachbelastung: Vorarlbergerinnen leisten mit über vier Stunden täglich rund zwei Stunden mehr unbezahlte Haus- und Sorgearbeit als Männer.

Vorarlberg mit höchstem Gehaltsunterschied in Österreich

Als “besorgniserregend” bezeichnete Schöbi-Fink bei einer Pressekonferenz den zu langsam sinkenden Gender Pay Gap, der mit 44 Prozent weiter der höchste Österreichs ist. An der Vereinbarkeit allein liege es nicht. So habe sich im Ausbau des ganztägigen Kinderbetreuungsangebots viel getan, die Eltern nützten es aber aufgrund von traditionellen Geschlechterbildern und Vorbehalten gegenüber institutioneller Betreuung zu wenig. Die ganztägige Besuchsquote liegt in Vorarlberg mit 15 Prozent deutlich unter dem Österreichschnitt (55 Prozent). Das müsse man sich genau ansehen, nannte Schöbi-Fink einen der Ansätze für einen ressortübergreifenden Aktionsplan. Denn als zentrales Handlungsfeld nennt der Bericht den Abbau traditioneller Rollenbilder, hier brauche es auch kritische Männerarbeit in Bildungs- und Berufsorientierung, Jugendarbeit und Gewaltschutz.

AK und ÖGB für Aktionsplan und regelmäßigen Bericht

AK-Präsident Bernhard Heinzle (ÖAAB/FCG) verwies diesbezüglich auf eine AK-Studie des Österreichischen Instituts für Familienforschung (ÖIF), die für Vorarlberg eine konservativere Einstellung zur Erwerbstätigkeit von Müttern nachwies. Männer stehen ihr demnach noch kritischer gegenüber als Frauen selbst. Hier zeige sich: “Das ist kein Frauenthema, sondern eine Männerfrage.” Heinzle forderte einen regelmäßigen Vorarlberger Gleichstellungsbericht zumindest alle zwei Jahre, um gezieltere Maßnahmen setzen zu können. Es handle sich um “eines der wichtigsten Themen in unserer Gesellschaft”, an dem alle gemeinsam arbeiten müssten. Gleichstellung müsse als Chance begriffen werden.

Für AK-Vizepräsidentin und ÖGB-Landesgeschäftsführerin Manuela Auer (FSG) war die Entwicklung bei Einkommens- und Pensionsunterschieden “ernüchternd”. Von “Schneckentempo” zu sprechen, sei noch untertrieben. “Frauen sind die Verliererinnen der Nation, in allen Bereichen”, so ihr Fazit. Sie forderte die Umsetzung der Lohntransparenz, eine verbindliche Quote für Führungspositionen und günstigere Kinderbetreuungstarife. Man brauche dringend einen Aktionsplan und das Thema dürfe nicht allein im Frauenressort bleiben, “alle sind gefragt”.