Global 2000 startet Testaktion zum Aufspüren von PFAS

07.07.2026 • 05:00 Uhr
Global 2000 startet Testaktion zum Aufspüren von PFAS

Nach dem Fund von erhöhten Werten von Per- und polyfluorierten Alkylsubstanzen (PFAS) im Brunnenwasser von Mannswörth (Bezirk Bruck an der Leitha) in Niederösterreich gibt Global 2000 zu bedenken, dass viele Menschen in Österreich ihr Wasser aus Hausbrunnen oder kleinen Versorgungsgemeinschaften beziehen und diese auch belastet sein könnten. Deshalb startete die NGO am Dienstag eine österreichweite Testaktion, um die Chemikalie aufzuspüren und die Hotspots zu dokumentieren.

“Seit Anfang des Jahres müssen Wasserversorger ihr Trinkwasser auf PFAS kontrollieren. Wer sein Wasser aber aus einem privaten Hausbrunnen bezieht, fällt durch dieses Kontrollnetz. Genau diese Wissenslücke wollen wir schließen”, sagte Helmut Burtscher-Schaden, Umweltchemiker bei der Umweltschutzorganisation. Deshalb soll bei der Aktion nach PFAS in privaten Hausbrunnen gesucht werden. Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Studie erhalten eine Laboranalyse der 20 PFAS nach der EU-Trinkwasserrichtlinie zu einem um ein Drittel reduzierten Preis von 234 Euro pro Probe, die vom Umweltanalytik-Labor Institut Dr. Wagner unterstützt und durchgeführt wird.

Belastungen sichtbar machen

Zu den wichtigsten Quellen lokaler PFAS-Belastungen zählen aktuelle und ehemalige Feuerlöschübungsplätze sowie Flughäfen, Militärstandorte und Industrieanlagen. Die Kontaminierung in Mannswörth passierte auch durch Feuerwehrlöschschaum am OMV-Gelände. Expertinnen und Experten rechnen damit, dass österreichweit Tausende bisher unbekannte PFAS-Hotspots existieren. “PFAS-Kontaminationen sind oft unsichtbar. Was man nicht misst, sieht man nicht. Unser Ziel ist es, sichtbar zu machen, wo Belastungen auftreten und wie groß das Problem tatsächlich ist”, so Burtscher-Schaden.

Für drei besonders gefährliche PFAS, die häufig in Löschschäumen zum Einsatz kommen, seien die gesundheitlichen Risiken besonders gut erforscht. Sie gelten als so hoch, dass in den USA sowie in einigen europäischen Ländern Trinkwassergrenzwerte zwischen zwei und zehn Nanogramm pro Liter festgelegt wurden, betonte Global 2000. In Mannswörth seien PFAS-Belastungen von bis zu 300 Nanogramm pro Liter gemessen worden. Welche PFAS in welchen Konzentrationen vorliegen, gab die OMV trotz mehrfacher Anfragen von geschädigten Anrainern und Global 2000 bisher nicht preis, kritisierte die NGO gegenüber der APA. Stattdessen hätte die OMV in einem aktuellen Informationsschreiben betont, es bestehe keine “kurzfristig schlagend werdende akute Gesundheitsgefahr”.

Langfristige Belastung entscheidend

“Bei PFAS ist die Frage nach einer kurzfristigen akuten Gesundheitsgefahr irreführend”, sagte Burtscher-Schaden. Entscheidend sei die langfristige Belastung durch den regelmäßigen Konsum belasteten Trinkwassers. “Angesichts einer Gesamtbelastung von bis zu 300 Nanogramm pro Liter ist eine Gesundheitsgefährdung durch die Nutzung als Trinkwasser sehr wahrscheinlich. Wie groß diese ist und welche Folgen im Vordergrund stehen, hängt entscheidend davon ab, welche einzelnen PFAS in welchen Konzentrationen vorliegen.”

Für einige der am besten untersuchten PFAS sei eine langfristige Belastung unter anderem mit einer Beeinträchtigung des Immunsystems, der Fruchtbarkeit und einem erhöhten Risiko für Nieren- und Hodenkrebs verbunden. “Genau deshalb ist es unverzichtbar, dass die OMV diese Messdaten offenlegt. Dass sie die Betroffenen und die Öffentlichkeit darüber weiterhin im Unklaren lässt, ist unverständlich und verantwortungslos”, sagte Burtscher-Schaden.

Auch Leitungswasser kontaminiert

Ein Bewohner hat Ende Mai sein Brunnen- und Leitungswasser auf eigene Kosten testen lassen. Anfang Juni hatte er das Testergebnis: Nicht nur sein Brunnenwasser ist mit PFAS kontaminiert (102 Nanogramm bzw. 0,102 Mikrogramm pro Liter), sondern auch sein Leitungswasser. Demnach sind 19,8 Nanogramm – also 0,0198 Mikrogramm – PFAS (Summe der PFAS-20, der größten Gruppe, Anm.) pro Liter in seinem Leitungswasser enthalten.

Nachdem das private Testergebnis des Bewohners publik geworden ist, gab die Schwechater Gemeinde bekannt, dass bei einer Beprobung des Trinkwassers bei der Wasserversorgungsanlage Schwechat-Mannswörth bereits am 19. März eine PFAS-Konzentration von 0,0037 Mikrogramm pro Liter gemessen wurde. In der kommenden Woche soll nun eine weitere Beprobung vorgenommen werden, hieß es seitens des Rathauses in einer Aussendung. Ergebnisse werden auf der Amtstafel sowie auf der Website der Gemeinde veröffentlicht.

Bürgermeisterin Baier: Gibt “keine falsche Stelle” für Trinkwasser-Beprobung

Im März wurden zwei Proben gezogen – eine im Wasserwerk Zainethbrückengasse und eine bei der Drucksteigerungsanlage Rannersdorf/Kledering. Und nur bei Letzterem wurde laut dem veröffentlichten Dokument auch auf PFAS getestet. Danach gefragt, verwies Schwechats Bürgermeisterin Karin Baier (SPÖ) im Gespräch mit der APA darauf, dass es sich um “ein gemeinsames Netz” handle: “Es kann keine falsche Stelle geben, weil es überall gleich sein muss”, das Trinkwassernetz werde mit dem gleichen Wasser versorgt. Darüber hinaus würden die Probestellen vom Land Niederösterreich festgelegt.

Als die Causa in Mannswörth Mitte Mai aufs Tapet kam, war der Stadtgemeinde aufgrund des Gutachtens der Trinkwasseruntersuchung vom 19. März bereits bekannt, dass eine PFAS-Konzentration im Trinkwasser vorliegt. Dennoch entstand in der medialen Berichterstattung der Eindruck, dass das kühle Nass PFAS-frei sei. “Ich habe nie gesagt, dass es nicht drinnen ist”, betonte Baier dazu. Sie sei jedoch auch “nicht gezielt gefragt” worden und daher “in der Kommunikation vorsichtig gewesen”, um die Menschen nicht zu sehr aufzurütteln, denn: “Ich bestehe darauf, dass unser Trinkwasser eine wirklich gute Qualität hat.” Generell hat die Bürgermeisterin eigenen Angaben zufolge auch “kein Problem” mit einer Bürgerversammlung zum Thema PFAS. Eine regelmäßige schriftliche Information erachtet sie jedoch als sinnvoller. “Weil zum jetzigen Zeitpunkt noch zu wenig an Wissen vorhanden ist, um das fachlich transportieren zu können.”

AGES testet seit 2021

Die Agentur für Gesundheit- und Ernährungssicherheit (AGES) hat in den Jahren 2021, 2022, 2023, 2024 und 2025 das österreichische Trinkwasser auf PFAS getestet. Insgesamt 1.571 Trinkwasserproben wurden auf 20 PFAS gemäß der EU-Trinkwasserrichtlinie untersucht und der Summenparameter der 20 PFAS – das ist die PFAS-Summe – errechnet. 0,5 Prozent aller Proben (entspricht acht Proben) wiesen eine Konzentration über dem zulässigen Höchstgehalt für Trinkwasser in der Höhe von 0,10 Mikrogramm bzw. 100 Nanogramm pro Liter auf, mit einem Maximum von 1,46 Mikrogramm Summe der 20 PFAS. 338 Proben (21,5 Prozent) wiesen Konzentrationen bis 0,01 Mikrogramm bzw. zehn Nanogramm pro Liter auf. In 142 Proben (neun Prozent) lagen die Gehalte für die PFAS-Summe zwischen 0,0101 und 0,10 Mikrogramm pro Liter. Bei rund einem Drittel (488 Proben) wurden Konzentrationen über der Bestimmungsgrenze gemessen.

(S E R V I C E – Link zur Analyse .)