Grasmug mit größerer Rolle in “L’Inconnue” als ersichtlich

Der Film “L’Inconnue” des französischen Oscar-Preisträgers Arthur Harari ist ein mysteriöser Ritt. Ein Dämon geht um, der eine magische Anziehungskraft auf seine Opfer ausübt und ihnen beim Sex den Körper raubt – oder besser gesagt einen “Body-Swap” vollzieht. Bald darauf sucht er sich wieder eine neue Hülle und zieht dadurch eine Spur der seelischen Verwüstung hinter sich her. Schauspielerin Lilith Grasmug spielte dabei eine größere Rolle, als man meinen könnte.
Die Tochter österreichischer Eltern mit Wohnsitz in Paris ist nur relativ kurz im Film zu sehen – zumindest in ihrer eigenen Hülle. Denn im Körper des Hauptdarstellers Niels Schneider lebt sie noch lange weiter. Im Rahmen eines Publikumsgesprächs am Mittwochabend bei der Viennale erklärte sie, dass auf Basis ihrer Besetzung jemand gesucht wurde, der ihr Spiel über weite Teile des Films übernehmen könnte. Die Wahl fiel auf Schneider, den sie auch vor dem Dreh zufällig in Paris traf und darauf ansprach, dass sie womöglich gemeinsam vor der Kamera stehen werden und er sie wohl verkörpern müsse. “Ich hatte Angst, dass er mich für verrückt erklärt. Ich bin ja immerhin weit weniger bekannt als er”, schmunzelte Grasmug. Aber Schneider war da schon bestens vorbereitet und offenbarte, dass er sich schon alle Filme von ihr angesehen habe.
Grasmugs Spiel in Schneiders Figur erkannt
Damit Schneider auf noch mehr Material zum Studium ihres Spiels zurückgreifen konnte, wurden weitere Szenen gedreht, die nicht im Film zu sehen sind. “Menschen, die mich gut kennen, haben mir schon gesagt, dass sie mich im Spiel von Niels Schneider wiedererkennen”, freute sich Grasmug über den glaubwürdigen filmischen Body-Swap. Um eine bloße Imitation handelt es sich freilich nicht, fügte Schneider der Thematik gebührend auch noch einen mysteriösen Touch hinzu.
Auch für die Sexszene mit dem Dämon wurden mehrere Fassungen gedreht – eine zärtliche und eine nahe an einer Vergewaltigung. “Erst im Schnitt ist entschieden worden, die lustvolle Szene rauszunehmen, um die Verstörung beim Körperraub besser zu transportieren”, erklärte Grasmug. Und diese Verstörung bekommt in “L’Inconnue” (“The Unknown”), der bei den Filmfestspielen in Cannes im Wettbewerb lief, viel Platz: Sowohl Schneider als auch Hauptdarstellerin Léa Seydoux, die zur Aufgabe hatte, die längste Zeit Schneiders Figur in ihrem Körper zu beherbergen, können es nicht fassen, was mit ihnen passiert ist. Sie üben sich in verwirrten Blicken, Tränen fließen in Strömen. Und die Suche nach dem Bösen beginnt.
(S E R V I C E – )