Historikerin, Rektorin und Politikerin Blimlinger wird 65

Seit vielen Jahren hat Eva Blimlinger die Universitäts-, Medien- und Kulturpolitik auf den unterschiedlichsten Positionen mitgeprägt – in der Angewandten, an der Akademie, im Parlament. Im Verhandlungsfinale von Türkis-Grün wurde sie sogar als Kulturministerin gehandelt. Am Samstag feiert die meinungsstarke Germanistin und Historikerin ihren 65. Geburtstag, am 1. Oktober geht sie offiziell in Pension.
Die am 12. September 1961 geborene Wienerin ist die Enkelin des ehemaligen Justizministers und ÖFB-Präsidenten Josef Gerö. Ihr Bruder Thomas war in Neubau Wiens erster grüner Bezirksvorsteher. Eva Blimlinger entschied sich indes für eine Karriere im Unibereich und trat bald nach ihrer Sponsion 1990 ihre erste diesbezügliche Stelle an: Von November 1991 bis August 1992 war sie Gleichstellungsbeauftragte des uniko-Vorgängers, der Rektorenkonferenz.
Rektorin der Kunstakademie
Anschließend wechselte Blimlinger als Leiterin des Büros für Öffentlichkeitsarbeit an die Hochschule (heute: Universität) für angewandte Kunst. 1999 wurde sie Forschungskoordinatorin der Historikerkommission der Republik Österreich zur Untersuchung des Vermögensentzuges durch die Nazis und der bereits geleisteten Rückstellungen, führte dazu ab 2002 teils parallel ein Stipendienprogramm für Angewandte-Absolventen und kehrte 2004 voll als Leiterin der Abteilung für Projektkoordination und Prozessmanagement Kunst- und Forschungsförderung an die Angewandte zurück.
2011 wechselte Blimlinger dann quasi zur Konkurrenz: Sie wurde zur Rektorin der Akademie der bildenden Künste gewählt und 2015 im Amt bestätigt. 2017 bestellten sie die anderen Rektoren schließlich als erste Kunstuni-Vertreterin zur uniko-Präsidentin. Neben ihrer Tätigkeit als Rektorin fungierte Blimlinger auch als Mitglied bzw. stellvertretende Leiterin des Kunstrückgabebeirats und wissenschaftliche Koordinatorin der Kommission für Provenienzforschung. Sie war zudem journalistisch tätig, verfasste zahlreiche wissenschaftliche Publikationen und hatte Lehraufträge an mehreren Universitäten.
Kultursprecherin der Grünen
2019 folgte dann ein Rückschlag: An der Akademie verpasste sie die Wiederwahl als Rektorin aufgrund des Widerstands des dortigen Senats. Ihr Führungsstil war auf Widerstand gestoßen. Kurz vor dem Ende ihrer Amtszeit gab sie unter dem Motto “No risk, no fun” ihre Nationalratskandidatur für die Grünen bekannt. Den Koalitionspakt mit der ÖVP verhandelte sie zwar maßgeblich mit, bei der Besetzung des grünen Regierungsteams wurde sie jedoch nicht berücksichtigt. Als Kultursprecherin ihrer Partei hielt sie mit ihrer Meinung nie hinterm Berg – ob es um das Haus der Geschichte Österreich (hdgö) ging, dessen Gründung sie kritisch sah, oder um die Umsetzung von medienpolitischen Vorhaben.
2007 bis 2018 gehörte sie dem ORF-Publikumsrat an, einem Gremium, für das sie sich viel mehr Kompetenz wünscht. Vom Kuratorium des MAK bis zum Aufsichtsrat der Vorarlberger KUGES ist sie weiterhin in einigen Gremien vertreten. Mit einem Forschungsprojekt, das sie in den kommenden Monaten fertigstellen möchte, schließt sich für die umtriebige Wissenschafterin jedoch würdig ein Kreis: Rechtzeitig zum 25-Jahr-Jubiläum des Universitätsgesetzes “schaue ich mir an, wie es eigentlich unter Blau-Schwarz zu diesem UG 2002 gekommen ist”, verriet sie im APA-Interview. Dabei will sie auch aktuelle Anmerkungen einarbeiten – “nicht zur Freude aller, aber ich muss ja niemandem mehr Freude bereiten”.